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Interview | Beitrag vom 11.03.2019

Fan-Forscher zu Chemnitzer Neonazi-Szene"Paradebeispiel für subkulturellen Rechtsextremismus"

Robert Claus im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Im Fanblock des FC Chemnitz ist eine schwarze Fahne mit einem Kreuz aufgespannt. Darunter auf einem weiteren Banner "Ruhe in Frieden, Tommy" (Imago / Harry Haertel)
Schweigeminute für den Rechtsradikalen Thomas Haller - im Stadion des CFC. (Imago / Harry Haertel)

Nach dem Skandal beim Chemnitzer FC attestiert Fan-Forscher Robert Claus nicht nur dem Verein, sondern der ganzen Stadt ein massives Rechtsextremismus-Problem: In Chemnitz gebe es eine "der gewalttätigsten, bestorganisierten Neonazi-Szenen des Landes".

Eine Pyro-Show und eine Schweigeminute für einen verstorbenen Rechtsextremisten: Seit dieser Würdigung muss sich der Regionalligist Chemnitzer FC fragen lassen, ob dort eigentlich Nazis bestimmen dürfen, was im Fußballverein passieren darf.

Die Hooligan-Szene beim Chemnitzer FC "umfasst knapp an die 100 Leute", sagt der Rechtsextremismus-Forscher Robert Claus. "Man muss aber im Kopf behalten, dass es alles durchtrainierte Rechtsextreme sind, die jahrelang ihre Netzwerke aufgebaut haben. Und dazu kommt natürlich noch ein ganzes Umfeld von Rechtsextremen, die nicht zum Fußball gehen. Das Problem hat ja nicht nur der Chemnitzer FC, das Problem herrscht ja in der Stadt."

Militante Neonazi-Szene

Chemnitz sei ein "Paradebeispiel für subkulturellen Rechtsextremismus in den letzten 30 Jahren", mit einer entsprechenden Hooligan-, Kampfsport- und Musikszene: "Wir reden von einer der gewalttätigsten, best-organisierten und militantisten Neonazi-Szenen des Landes", sagte Claus im Deutschlandfunk Kultur.

In diesem Umfeld sieht der Fan-Forscher auch den Grund dafür, dass sich die NSU-Terroristen im Raum Chemnitz ehemals so "wohl" gefühlt hatten - hier seien sie auf ein Milieu getroffen, in dem sie sich frei bewegen konnten.

Mittlerweile ist der Geschäftsführer des Chemnitzer FC zurückgetreten, ein Mitarbeiter der Pressestelle und die Fanbetreuerin wurden entlassen. Sie hatte sich in einem Facebook-Post lobend gegenüber dem verstorbenen Hooligan geäußert.

Strafanzeige gegen Unbekannt

Der Verein hat außerdem Anzeige gegen Unbekannt gestellt, wegen aller in Betracht kommender Delikte – so hieß es in einer Pressemitteilung.

Es gibt den Verdacht, dass massive Ausschreitungen gedroht hätten, wenn der Verein nicht so gehandelt hätte wie geschehen. Ist der FC erpresst worden? Ein solches Drohszenario von Seiten der Fans hält Claus durchaus für möglich. Allerdings habe ihn irritiert, dass der Verein Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt habe, sagte er: "Normalerweise muss der Verein doch wissen, wer dort am Tisch saß."

(lkn)

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