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Interview | Beitrag vom 07.11.2020

Fan-Fiction, Corona und US-WahlWenn Trump und Biden sich verlieben

Berit Glanz im Gespräch mit Ute Welty

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Eine Bildmontage zeigt die Schattenumrisse von Donald J. Trump und Joe Biden vor US-Flaggen. (picture alliance / dpa / Geisler-Fotopress / Dwi Anoraganingrum)
Das Duell von Donald Trump und Joe Biden sei ein beliebter Stoff für Fan-Fiction, sagt Berit Glanz. (Symbolbild) (picture alliance / dpa / Geisler-Fotopress / Dwi Anoraganingrum)

Das Erscheinen des ersten Corona-Romans dauert noch. Schneller als der Literaturbetrieb sind die Fan-Fiction-Formate im Netz. Dort werden umgehend aktuelle Geschehen verarbeitet, erklärt die Literaturwissenschaftlerin Berit Glanz – auch die US-Wahl.

Der erste richtige Corona-Roman lässt noch auf sich warten. Es braucht schließlich seine Zeit, bis so ein Buch geschrieben, verlegt und verkauft ist. Die Fan-Fiction-Formate im Netz sind da um einiges schneller: Foren für erotische Texte oder auch E-Books im Selbstverlag.

"Das ist eine wahnsinnig dynamische Szene", sagt die Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Berit Glanz über Fan-Fiction. Dass sehr schnell auf gesellschaftliche Ereignisse reagiert werde, interessiere sie daran besonders. "Ich bin einfach neugierig, zu sehen, was da passiert."

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Die Corona-Pandemie habe sich dort sehr schnell niedergeschlagen, erklärt Berit Glanz: "Bereits im März und April begannen die ersten Geschichten und Corona ist ein toller erzählerischer Rahmen." Man könne über Zoom-Konferenzen und Distanz sprechen und schreiben. "Das findet sich alles in Fan-Fiction, das findet sich alles in Self-Published-Storys."

Stress der realen Welt erzählerisch verarbeiten

Es tauchen auch andere Themen wie der Brexit oder die US-Wahl in Fan-Fiction-Formaten auf. So hat zum Beispiel ein 17-jähriger Autor in einer sehr langen Geschichte erzählt, wie die beiden Kontrahenten um die US-Präsidentschaft sich ineinander verlieben, erzählt Berit Glanz.

In einem Interview habe dieser junge Mann erklärt, dass die Wahl für ihn eine große Quelle von Anspannung und Angst sei. Er könne damit besser umgehen, wenn er das in eigenen Geschichten verarbeite. "Das ist also eine Kompensation für einen großen realweltlichen Stress", erklärt die Literaturwissenschaftlerin: "Zu Biden und Trump gibt es auch wirklich viel verschiedene Fan-Fiction."

Literaturtipp
Zuletzt von Berit Glanz erschienen sind der Lyrikband "Partikel" sowie der Roman "Pixeltänzer". 

(hum)

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