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Interview / Archiv | Beitrag vom 28.03.2018

Familienwissenschaftlerin über gestiegene GeburtenrateBabyboom - dank besserer Familienpolitik

Uta Meier-Gräwe im Gespräch mit Hans-Joachim Wiese

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Eine Frau hebt ein Baby in einem Superman-Kostüm in die Luft.  (Valeria Zoncoll / Unsplash)
(Valeria Zoncoll / Unsplash)

Das fünfte Jahr in Folge werden immer mehr Babys geboren. 2016 kamen knapp 800.000 Kinder auf die Welt. Die Rahmenbedingungen hätten sich erheblich verbessert. Trotzdem gebe es in der Familienpolitik immer noch Handlungsbedarf, sagt die Familienwissenschaftlerin Uta Meier-Gräwe.

Deutschland hat die höchste Geburtenziffer seit 1973. Einer der Gründe sei, dass die geburtenstarken Jahrgänge der in den späten 1970er und 1980er Jahren geboren Frauen jetzt ihre Kinder bekämen, sagt Familienwissenschaftlerin Uta Meier-Gräwe. Das liege unter anderem an einer verbesserten Familienpolitik:

"Es hat sich in den letzten Jahren wirklich eine ganze Menge getan. Wenn ich jetzt mal an den Ausbau der Kinderbetreuung denke, auch diese Verpflichtung einen Kita-Platz für U3-Betreuung anzubieten. Dann ist da schon eine ganze Menge passiert. Auch wenn man über Qualitätsmängel noch reden kann. Aber dieser Perspektivenwechsel in der Familienpolitik und auch in der Frauenpolitik seit etwa 2005 zeigt jetzt offenkundig auch Wirkung."

Auch dass die Befristung von Beschäftigungsverhältnissen in den vergangenen Jahren zurückgegangen sei, habe dazu beigetragen, das Menschen die Familienplanung leichter falle.

"Das ist natürlich eine ganz wichtige Voraussetzung dafür, dass Leute sich für Kinder entscheiden. Und auch ihre Familien- und Lebensplanung wird dadurch ganz wesentlich erleichtert. Und ich denke, da gibt es noch Luft nach oben. Also im gesamten öffentlichen Dienst, wo jetzt auch an vielen Standorten nach Arbeitskräften gesucht wird."

Nicht für alle Frauen hat sich die Situation verbessert

Doch nicht für alle Berufsgruppen habe sich die Situation verbessert. Je nachdem welchen Beruf Frauen ausüben oder in welcher Region sie leben, gebe es in Hinblick auf die Geburtenrate durchaus Unterschiede.

"Auf der anderen Seite haben wir natürlich auch viele, die weiter in Hartz IV stecken oder die auch zwei oder drei Jobs ausüben müssen, um überhaupt einigermaßen über die Runden zu kommen."

Gerade im Dienstleistungssektor gebe es, was die Betreuungsstrukturen angehe, noch Verbesserungsbedarf, erklärt Uta Meier-Gräwe.

"Ein ganz großes Problem ist nach wie vor, dass es an Randzeitenbetreuung fehlt, weil viele dieser Jobs, die in der Dienstleistungsgesellschaft ausgeführt werden, nicht mehr in diesen Kernzeiten von 9 bis 17 erledigt werden. Von daher gibt es da schon noch Handlungsbedarf."

Geld allein reicht nicht

Viele Jahrzehnte lang habe die Familienpolitik allein auf finanzielle Anreize gesetzt, um Menschen dazu zu bewegen, Kinder zu bekommen. Doch Geld allein reiche nicht, sagt Uta Meier-Gräwe. Seit dem siebten Familienbericht, in dem ein Mix aus Zeit, Geld und Infrastruktur gefordert worden sei, habe sich die Familienpolitik gewandelt. Dass sei auch einer der Gründe dafür, dass sich jetzt Frauen zwischen 30 und 37 immer häufiger dafür entschieden, Kinder zu bekommen.

Meier-Gräwes Fazit: "Das Problem war nicht, dass die Leute keine Kinder haben wollten, sondern sie haben es sich nur unter den Rahmenbedingungen nicht zugetraut. Und das ändert sich jetzt erfreulicherweise."

(mw)

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