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Echtzeit | Beitrag vom 01.06.2019

FamilienlebenWie Apps die Alltagsorganisation erleichtern

Marcus Richter im Gespräch mit Katja Bigalke

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Eine Frau schaut auf ihr Smartphone, während sie ihre Tochter in einer Babytrage vor dem Bauch trägt. (picture alliance / dpa)
Immer mehr Familien greifen auf Apps zurück, um Termine und To-dos abzusprechen. (picture alliance / dpa)

Wer holt die Kinder ab? Wer kocht? Wann war der Arzttermin? Gerade in der Rushhour des Lebens sind im Alltag oft Managementqualitäten gefragt. Viele Familien nutzen Apps aus der Arbeitswelt, um ihren Alltag zu organisieren. Aber helfen Sie wirklich?

Marcus Richter und seine Partnerin Patricia Cammarata sind von Berufs wegen Digitalexperten. Aber auch privat nutzen sie seit vielen Jahren Apps, um den Alltag ihrer Patchworkfamilie zu meistern: Einkäufe, Essensplan, Termine in der Schule, bei der Arbeit und im Privatleben werden eingetragen und geteilt. Dazu die regelmäßigen Termine: "Die Zähne müssen einmal die Woche mit Fluorpaste geputzt werden und so weiter." Dafür benutzt die Familie von Marcus Richter ein Projektplanungstool, in dem die Woche vorausgeplant wird, und ein To-Do-Listen-Tool, in dem die Einkäufe festgehalten werden. "Und das besprechen wir einmal die Woche in einer Art Sitzung." Bei dieser Gelegenheit werden auch die Aufgaben verteilt.

Einmal die Woche wird der Essensplan gemacht

Geteilte Einkaufslisten und Kalender, meint Marcus Richter, seien einfach ungeheuer praktisch. Der Kalender zu Hause an der Wand sei zwar manchmal übersichtlicher, habe aber einen Nachteil: Er sei "an einem Ort, nämlich zu Hause an der Wand". Er und seine Familie benutzen zum Beispiel die kostenfreien Apps Trello und Wunderlist und Gruppenchats, um ihr Leben zu organisieren.

Doch macht die digitale Zettelwirtschaft das Leben wirklich leichter? Schafft sie am Ende nicht neue Arbeit für die, die sie angeblich einspart? Marcus Richter wiegelt ab. Es klinge zwar anfangs umständlich, habe aber manchen Vorteil. "Wenn man nicht immer an alles denken muss, hat man auch Kapazitäten für einen Plan B, wenn irgendetwas schief läuft." Was man in der App hat, muss man nicht im Kopf haben.

Die Familien-App als emanzipatorisches Tool

Zum anderen seien solche Apps auch für eine faire Lastenverteilung in der Partnerschaft hilfreich. Denn viele Aufgaben würden im Familienalltag gar nicht zur Kenntnis genommen, weil sie von einem Familienmitglied, oft von der Frau, automatisch mit erledigt würden, meint Marcus Richter. Den Fachbegriff dafür, Mental Load, erklärt Patricia Cammarata so: "Mental Load ist die Verantwortung, die man trägt, damit ein bestimmter Prozess läuft." In der Familie sei es meist die Frau, die dafür sorge, dass der Alltag laufe und an alles gedacht sei. Die Apps mache diese Aufgaben sichtbar und damit auch teilbar.

Die Kommunikation muss erhalten bleiben

Von der verführerischen Möglichkeit, Familienmitgliedern mit Hilfe des Management-Tools einfach mal unbeliebte Aufgaben zuzuteilen, rät Marcus Richter allerdings ab. Kommunikation bleibe auch bei der digitalen Alltagsverwaltung essenziell. Im Falle getrennter Eltern, die nicht im selben Haushalt leben, müsse man sich zudem Gedanken darüber machen, wie viel man teilen wolle. Auch Datenschutz und Zugangsberechtigungen seien in diesem Fall ein bedenkenswertes Thema.

(tar)

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