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Interview | Beitrag vom 23.12.2020

Faktencheck zur WeihnachtsgeschichteWas Weihnachten nicht geschah

Simone Paganini im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Eine Krippe zeigt die Szenerie nach der Geburt von Jesus im Stall zu Bethlehem. (picture alliance / dpa / ROHA-Fotothek Fürmann / Shotshop)
So stellen wir uns die Weihnachtsgeschichte vor - historisch ist die Szenerie allerdings nicht verbürgt. (picture alliance / dpa / ROHA-Fotothek Fürmann / Shotshop)

Kaum eine Erzählung ist berühmter als die Weihnachtsgeschichte. Doch hat sie sich auch so zugetragen wie überliefert? Der Theologe Simone Paganini sagt: Nein. Doch an der Kernbotschaft der Geschichte ändere das nichts.

Jedes christlich erzogene Kind weiß: Das Jesuskind kam im Stall von Bethlehem zur Welt, weil es keinen Raum in der Herberge gab. Josef, Ochs und Esel waren dabei, Maria sowieso, und später kamen auch noch die Heiligen Drei Könige hinzu.

Josef war kein Zimmermann

War es so? Der Theologe Simone Paganini, Professor für biblische Theologie in Aachen, hat da seine Zweifel. Zusammen mit seiner Frau hat er ein Buch über die Frage geschrieben, was wirklich damals passiert ist. Der Titel ist eindeutig: "Von wegen Heilige Nacht. Der große Faktencheck zur Weihnachtsgeschichte".

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Nach Paganinis Recherchen bleibt von der Weihnachtsgeschichte im Grunde nur der Kern übrig. Die in der Geschichte erwähnte Volkszählung habe es zu der Zeit nicht gegeben, die drei Könige seien als Symbol zu verstehen, Josef sei kein Zimmermann gewesen, "die Hirten und die Engel waren wahrscheinlich auch nicht so dabei, wie wir denken". Und über die Jungfrau Maria könne man ewig diskutieren, sagt Paganini.

"Das, was übrig bleibt, ist: Gott ist Mensch geworden", sagt der Theologe. Das sei das Zentrum der weihnachtlichen Botschaft. Denn dass Jesus geboren wurde, ist nach Paganini historisch verbürgt. Dafür gebe es römische, griechische, jüdische und biblische Quellen.

Gläubige schrieben für andere Gläubige

Die Weihnachtsgeschichte sei erstmals rund hundert Jahre nach der Geburt von Jesus aufgeschrieben worden, berichtet er. Und man könne deswegen daran zweifeln, dass die Verfasser selbst Augenzeugen gewesen seien oder noch Zugang zu Augenzeugen gehabt hätten.

Gläubige Menschen hätten die Geschichte für andere gläubige Menschen verfasst. Für Leser und Hörer sei es damals irrelevant gewesen, ob alles historisch tatsächlich so stattgefunden habe.

Paganinis Fazit: "Die Geburt hat es gegeben. Und wenn man daran glaubt, glaubt man, dass da der Sohn Gottes geboren ist. Das ist das Wichtigste. Und das kann kein Theologe, kein Historiker einfach wegnehmen."

(ahe)

Simone und Claudia Paganini: "Von wegen Heilige Nacht. Der große Faktencheck zur Weihnachtsgeschichte"
Mit Illustrationen von Esther Lanfermann
Gütersloher Verlagshaus 2020
157 Seiten, 14,40 Euro

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