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Studio 9 | Beitrag vom 02.12.2019

Faktencheck zur AdventszeitFünf Thesen übers Spenden in Deutschland

Von Gerhard Schröder

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Ein Mensch streckt der Kamera auf beiden Händen Euroscheine entgegen. Sein Gesicht ist nicht zu sehen. (Unsplash/ Christian Dubovan)
Zu Weihnachten spenden Deutschlands Bürger traditionell mehr als während des Rest des Jahres. (Unsplash/ Christian Dubovan)

Kurz vor Weihnachten nehmen die Bitten um Geld von kleinen und großen Organisationen traditionell zu. Die potenziellen Spender und Spenderinnen fragen sich mitunter, ob ihr Geld wirklich an die Richtigen geht. Fünf Thesen im Faktencheck.

Im Dezember ist die Spendenbereitschaft am höchsten

Ja, die Adventszeit stimmt die Deutschen mildtätig. Im Dezember spenden sie im Durchschnitt zwei- bis dreimal so viel wie in den übrigen Monaten. Im vergangenen Jahr waren es knapp 1,1 Milliarden Euro, das hat die Gesellschaft für Konsumforschung GfK berechnet. Das waren über 20 Prozent des gesamten Spendenaufkommens im Jahr 2018.

Es gibt kein gängiges Qualitätssiegel, das bei der Orientierung hilft

Ja und nein. Es gibt eine ganze Reihe an Siegeln und Zertifikaten, die Orientierung geben sollen. Das mit Abstand wichtigste wird vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen - kurz DZI - vergeben. Das DZI prüft, ob Spendengelder zweckgerichtet, sparsam und wirtschaftlich für den angegebenen Zweck eingesetzt werden. Und warnt auf seiner Homepage auch vor Organisationen, die es für unseriös hält. Derzeit tragen rund 230 Organisationen das DZI-Siegel, sie haben im vergangenen Jahr etwa ein Viertel der gesamten Spenden in Deutschland eingesammelt.

Eine wichtige Prüfinstanz ist außerdem der Deutsche Spendenrat, er vergibt ein von unabhängigen Gutachtern geprüftes Spendenzertifikat.

Hilfsorganisationen beauftragen Agenturen, um Spenden einzutreiben

Ja, das stimmt. Ungefähr fünf Prozent der Spenden werden im persönlichen Gespräch, auf der Straße oder an der Haustür geworben. Und dabei spielen professionelle Spendensammler eine immer größere Rolle. Zum einen, weil es an ehrenamtlichen Kräften fehlt, zum anderen, weil der Spendenmarkt umkämpft ist, deshalb kommen dort immer häufiger Profis zum Zug. Dadurch steigen natürlich die Verwaltungsausgaben. Wichtig auch: Damit die Sitten beim Sammeln nicht verrohen, sollten nicht mehr als 50 Prozent der Vergütung der Spendensammler vom Spendenerfolg abhängen, sagt das DZI.

Immer weniger Deutsche spenden immer mehr

Ja, nur noch 20,5 Millionen Menschen haben im vergangenen Jahr Geld gespendet, das waren 800.000 weniger als ein Jahr zuvor. Ein neuer Tiefstand. Trotzdem ist das Spendenaufkommen gestiegen, auf 5,3 Milliarden Euro. Besonders spendenfreudig sind die Älteren, die Generation 60 plus steuert mehr als die Hälfte der Spenden bei, aber die Jüngeren holen auf, der Anteil der Unter-60-Jährigen wuchs zuletzt von 43 auf 47 Prozent.

Viele der Spenden versanden in der Bürokratie der Hilfsorganisation

Die Organisationen mit DZI-Siegel geben im Schnitt zwölf Prozent der Ausgaben für Verwaltung und Werbung aus. Das DZI hält das für unbedenklich, schließlich koste professionelles Spendensammeln und gutes Management auch Geld. Im Einzelfall könne sogar ein Anteil von bis zu 30 Prozent vertretbar sein, heißt es.

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