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Kompressor | Beitrag vom 04.08.2017

Fake MusicDie Komposition, die aus dem Computer kam

Von Mike Herbstreuth

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Bildnummer: 51347895 Datum: 22.07.2006 Copyright: imago/Stefan M Prager Software - Nuendo - auf einem Bildschirm, Objekte; 2006, München, Programm, Programme, Monitor, Monitore, Bildschirme, Computer, PC, Musikprogramm, Musikprogramme; , quer, Kbdig, Einzelbild, Deutschland, , (Imago/Stefan M. Prager)
Musik entsteht mehr und mehr auch am Computer, Künstliche Intelligenz übernimmt das Komponieren. (Imago/Stefan M. Prager)

Forscher und Startups arbeiten daran, Musik ohne Komponisten mithilfe Künstlicher Intelligenz zu produzieren. Für interaktive Computerspielmusik sei das ein nützliches Tool. Um ihre Jobs müssen Komponisten nicht fürchten, sagt Valerio Velardo vom Startup Melodrive.

So klingt sie also, die Revolution der Maschinen. "Daddy's Car", der erste Popsong, der von einer künstlichen Intelligenz komponiert worden ist:

Auf Grundlage einer riesigen Songdatenbank hat der Algorithmus "Flow Machines" dieses Lied im Stil der Beatles geschrieben - zumindest die Melodien und die Harmonien. Bei Text, Gesang und Produktion musste ein französischer Musiker noch ein bisschen nachhelfen. Trotzdem wurde einigen schon angst und bange: Werden Komponisten bald durch Computer ersetzt?

"Das wird auch in vielen, vielen Jahren nicht der Fall sein, glaube ich", beruhigt Valerio Velardo. Er hat an der Universität Huddersfield zu Musik und Künstlicher Intelligenz geforscht.

"Für eine Maschine ist es schwierig etwas stilistisch Neues und Interessantes zu schaffen. Normalerweise funktioniert die Produktion von Musik durch künstliche Intelligenz immer auf der Basis bestehender Werke. Man hat jede Menge Stücke, analysiert sie und versucht bestimmte Merkmale zu extrahieren und daraus dann ein neues Stück zu kreieren. Aber letzten Endes ist es eben nur das: Ein neues Stück in einem bestimmten, bekannten Stil."

Keine Konkurrenz für menschliche Komponisten

Die musikalische Zukunft künstlicher Intelligenz liegt deshalb eher in anderen Bereichen. In den letzten Jahren haben sich einige Startups an der Schnittstelle zwischen Musik und K.I.  gegründet. Zum Beispiel Jukedeck. Wer auf der Suche nach Hintergrundmusik für eigenen Videos ist, kann bei Jukedeck einfach ein Genre, eine Stimmung und eine Länge eingeben - beispielsweise"Pop", "Melancholisch" und 15 Sekunden - und eine K.I. liefert in wenigen Augenblicken den passenden, selbstkomponierten lizenzfreien Song - kein Ärger mehr mit dem Urheberrecht, und das für gerade mal 99 Cent. Ein Klangbeispiel:

Das größte Potenzial für die algorithmenbasierte Musik sieht Komponist und K.I.-Experte Valerio Velardo allerdings im Gaming-Bereich. Deshalb hat er vor kurzem ein Startup namens Melodrive gegründet, das sich auf diese Nische spezialisiert hat.

Ein Markt vor allem für Computerspiele

Denn Computerspiele brauchen Musik, und je länger und interaktiver diese Spiele werden, je individueller sich actionreiche Spielsituationen mit ruhigen, traurigen oder fröhlichen abwechseln, desto schwieriger wird es für Komponistinnen und Komponisten, den einen passenden Soundtrack für diese Spiele zu liefern - ohne dass er zu repetitiv wird und die Spielerinnen und Spieler immer und immer wieder dieselbe Melodie hören müssen.  Und hier kommt die künstliche Intelligenz ins Spiel.

"Ein Komponist gibt Melodrive eine kurze Melodie oder eine Akkordfolge. Unsere K.I. nimmt sich die Noten, Längen und Tonhöhen dieser musikalischen Phrase und analysiert sie. Sie entwickelt diese Material dann auf Grundlage von musikalischen Regeln weiter - sie entwirft Varianten, verändert Längen, Tonhöhen, Akkordfolgen oder sogar die Orchestrierung, um die Musik der emotionalen Stimmung des Computerspiels anzupassen."

Nützliches Tool

Künstliche Intelligenz also als nützliches Tool statt als Konkurrent oder gar Ersatz für Komponistinnen und Komponisten. Und ein Tool, von dem viele Musikerinnen und Musiker begeistert sind, mit denen Velardo über die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz gesprochen hat.

"Wenn man sich K.I. als etwas vorstellt, das einem helfen kann, dann gibt es eigentlich keinen Unterschied zu gewöhnlicher Musiksoftware wie Cubase oder Protools - das sind auch Werkzeuge, die das Arbeiten erleichtern. Technologie hilft Dir, produktiver zu sein und bessere Musik zu schreiben - gerade für interaktive Medien, für die man sehr viel Musik benötigt und die sich anpassen muss an die Ereignisse in dieser interaktiven Welt."

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