Seit 20:03 Uhr Konzert

Donnerstag, 15.11.2018
 
Seit 20:03 Uhr Konzert

Tonart | Beitrag vom 21.09.2017

Fairuz: Neues Album mit 82 JahrenComeback der "Mutter Libanons"

Von Cornelia Wegerhoff

Die libanesische Sängerin Fairuz bei einem Konzert in Beirut im Jahr 2010. (AFP / Joseph Eid)
Die libanesische Sängerin Fairuz bei einem Konzert in Beirut im Jahr 2010. (AFP / Joseph Eid)

"Harfe des Orients" wird sie genannt und "Mutter der libanesischen Nation": Nuhad Haddad, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen "Fairuz", ist für die arabische Welt eine musikalische Ikone. Jetzt bringt sie mit 82 Jahren ein neues Album heraus – und überrascht mit Coverversionen.

Ihre Fans können es kaum fassen.

"Ist das Fairuz?! Unglaublich!"

Amal aus Kairo ist völlig hingerissen.

"Unfassbar, sie sieht aus wie früher."

Die Ägypterin sieht auf ihrem Handy zum ersten Mal das neueste Musikvideo der berühmten Diva aus dem Libanon.

Sieben Jahre lang gab es von Fairuz keinen neuen Song mehr. Jetzt ist die 82-Jährige wieder bei Aufnahmen im Studio zu sehen: immer noch eine elegante Erscheinung. Ihre Stimme ist noch ein wenig tiefer geworden als früher. Amal ist gerührt.

"Ihre Stimme ist schön. Auch nach all den Jahren. Ja, Fairuz ist eben Fairuz."

"Fairuz veränderte die arabische Kultur"

In der gesamten arabischen Welt gilt die Sängerin als eine Klasse für sich. Vor 60 Jahren hatte sie ihren ersten großen Bühnenauftritt und wurde schnell zum Star. Nicht nur wegen ihrer einzigartigen Stimme, wie die Pariser Musikwissenschaftlerin Dorsaf Hamdadi erklärt. Sie ist in Tunesien mit Fairuz-Liedern aufgewachsen und hat als Sängerin schon selbst Fairuz interpretiert.

"Sie ist nicht nur einfach eine Musikerin: Fairuz hat eine Revolution angeführt, eine, die den ästhetischen Code von Musik veränderte. Zu Beginn waren ihre Lieder noch sehr klassisch, so wie man es etwa von der berühmten Umm Kalthoum aus Ägypten kannte. Aber nach etwa zehn Jahren war sie mit den Rahbani-Brüdern zusammen, die für sie komponierten. Und zusammen mit den Leuten um sie herum veränderte Fairuz die arabische Kultur. Es war damals auch noch mutig zu sagen: Wir Libanesen existieren in der arabischen und der gesamten Welt. Fairuz ist deshalb für die Libanesen Kulturgut, eine Ikone."

So wie dieses Liebeslied gehören auch andere Jahrzehnte alte Songs von Fairuz bis heute zum täglichen Repertoire arabischsprachiger Radioprogramme. Zu ihnen summen junge und alte Cafébesucher mit, egal ob in Bagdad, Dubai oder Rabat.

Abseits der Bühne machte sich Fairuz jedoch zeitlebens rar. Nur selten gab sie Interviews und schaffte es, sich auch in Krisenzeiten wie dem Libanon-Krieg nicht vor einen politischen Karren spannen zu lassen. Die syrisch-orthodoxe Christin wurde zur Identifikationsfigur für alle Araber.

Mit ihrem neuen Album gelingt Fairuz zwei Monate vor ihrem 83. Geburtstag noch mal ein Überraschungscoup. "Bebalee", so der Titel, "In meinen Gedanken". Es sind andere große Sänger, die ihr da wohl durch den Kopf gingen, der französische Chansonnier Gilbert Bécaud und John Lennon zum Beispiel. Mit "Yemkeen" produzierte Fairuz eine arabische Cover-Version von "Imagine".

Dorsaf Hamdani sieht darin eine Botschaft.

"'Imagine' passt sehr gut zu den heutigen Ereignissen auf der Welt. Das ist ein Ruf nach Frieden. Das war eine sehr kluge Weise, zu ihren Fans zurückzukehren."

Sie klingt jazziger und relaxter

Doch dieser Meinung sind längst nicht alle, sagt Abdo Wazen, Leiter des Feuilletons der pan-arabischen Tageszeitung "Al Hayat".

"Fairuz ist eine große Sängerin. Aber ich glaube, dass es sehr unterschiedliche Reaktionen geben wird. Manche Fans stellen die Frage, ob es wirklich nötig war, dass Fairuz in ihren letzten Jahren noch Neues singt und dann auch noch Cover-Songs von anderen internationalen Größen, Französisches, Englisches. Und tatsächlich sind diese Lieder stimmlich nicht mehr ganz auf dem alten Niveau von Fairuz, als sie zu einem arabischen Symbol geworden ist."

Die Legende möge lieber Legende bleiben, lässt sich aus dieser Kritik herauslesen. Aber Fairuz hat sich das Recht genommen, auf ihre alten Tage noch mal Neues zu probieren: sie klingt dabei jazziger, relaxter, global und arabisch zugleich. Abdo Wazen ist sich deshalb sicher:

"Auf jeden Fall ist die Veröffentlichung des Albums ein Ereignis, denn die Stimme von Fairuz ist immer noch schön und stark."

Mehr zum Thema

Syrischer Arzt im Flüchtlingsheim - Der einsame Brückenbauer
(Deutschlandfunk Kultur, Länderreport, 01.06.2016)

Renaissance des Erzählens in Beirut - Homosexualität und Politik statt Mythen und Märchen
(Deutschlandfunk Kultur, Lesart, 20.09.2017)

"Fabrik" in Beirut - Deutscher Pavillon geht erstmals auf Weltreise
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 03.04.2017)

Tonart

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur