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Im Gespräch | Beitrag vom 24.04.2021

Fair statt Fast FashionWelche Chancen hat nachhaltige Mode?

Moderation: Katrin Heise

Zwei Arbeiterinnen auf einem Baumwollfeld halten ein Schild hoch auf dem steht "ich habe deine Kleidung gemacht". (Fashion Revolution / Bronwyn Seier)
Die weltweite Kampagne der Organisation Fashion Revolution sorgte für Aufmerksamkeit. (Fashion Revolution / Bronwyn Seier)

Am 24. April 2013 stürzte die Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch ein, mehr als 1100 Menschen starben. Daran erinnert die "Fashion Revolution Week". Sie informiert über Missstände in der Textilbranche und wirbt für nachhaltige Mode. Diskutieren Sie mit!

Der Sommer naht, viele Menschen prüfen ihren Schrank: Was bleibt, was kann weg, was benötige ich neu? Immer mehr beziehen bei ihren Kaufüberlegungen auch die Frage mit ein, unter welchen Bedingungen die Kleidung gefertigt wurde. Hilfestellung bieten dabei verschiedene Siegel. Sie geben Auskunft über den Anbau der Rohstoffe, die Arbeitsbedingungen in den Fabriken sowie die Umweltbelastung bei der Fertigung. 

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Die "Fashion Revolution" nimmt das Rana-Plaza-Unglück vor acht Jahren zum Anlass, um mit einer Aktionswoche vom 19. bis 25. April über die Missstände in der weltweiten Textilindustrie zu informieren und für nachhaltige Mode zu werben. Deren Marktanteil ist noch verschwindend gering; laut einer Studie vom McKinsey liegt er unter einem Prozent.

Ausbeutung in der Textilindustrie

"Unsere Kleidung bringt Menschen in Not, ist schlecht für die Umwelt", sagt Caspar Dohmen. Der Wirtschaftsjournalist beschäftigt sich seit Langem mit der globalen Textilindustrie. Nach dem Rana-Plaza-Unglück seien zwar die Sicherheits- und Brandschutzbedingungen in den Fabriken verbessert worden, so Dohmen, die Ausbeutung sei jedoch geblieben:

"Die großen Markenunternehmen und Händler diktieren nach wie vor die Preise entlang der Lieferkette. Die Bezahlung liegt weit unter dem, was die Menschen zum Überleben brauchen."

So liege der Lohnanteil an einem T-Shirt gerade mal bei einem Prozent. "Produktion bedeutet aber auch Einfluss auf die Umwelt: auf Wasser und Bodenverbrauch, eine Gefährdung durch Gifte zum Beispiel beim Gerben und Färben, aber auch für die Bauern beim Anbau und der Ernte."

Nachhaltigkeitssiegel seien ein erster Schritt, "eine Krücke für eine Übergangszeit". Doch nicht alle hielten, was sie versprechen: "Private Siegel decken nur einen Teil der sozialen und ökologischen Realität ab." Es gebe aber verlässliche und zertifizierte Anbieter für nachhaltige Kleidung, auch für Modebewusste: "Der Jutesack ist längst Klischee; da gibt es richtig gute Sachen."

Slow Fashion statt Fast Fashion

"Wir können uns nicht mehr leisten, Mode zu entwickeln, die in der Tonne landet", sagt Martina Glomb, Professorin für Modedesign an der Hochschule in Hannover. Ihre Philosophie: "Beim Entwurf von Kleidung muss das Ende oder die Wiederverwertung der genutzten Textilien mitgedacht werden."

Nachhaltige Mode zeichne sich nicht nur durch die Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards aus. Es gehe auch im die Vermeidung von Müll, die das Weiterverwerten, Reparieren und Upcyceln von Kleidungsstücken: "In den meisten Kleiderschränken hängt mindestens 40 Prozent Kleidung, die nicht getragen wird", so die Designerin.

Ihr Vorschlag: Kreativ mit dem Vorhandenen umgehen: "Schaut, was ihr verändern könnt, das ist eine tolle Übung. Spaß an Mode und Experiment ist besser, als den immer neuen Styling- und Kaufempfehlungen zu folgen." Ihre Vorstellung von nachhaltiger Mode zeigt Glomb in der Wanderausstellung "Use-less. Slow Fashion gegen Verschwendung und hässliche Kleidung".

(sus)

Fair statt Fast Fashion: Welche Chancen hat nachhaltige Mode?
Darüber spricht Katrin Heise heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit der Professorin für Modedesign Martina Glomb und dem Wirtschaftsjournalisten Caspar Dohmen. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandradiokultur.de.
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