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Kompressor | Beitrag vom 25.09.2015

Fachmesse in BerlinSo parkt die Menschheit der Zukunft

Von Jürgen Stratmann

Viele Autos stehen am 2. Juni 2015 in Jena (Thüringen) auf einem Parkplatz (picture alliance / dpa / Sebastian Kahnert)
Ein gewöhnlicher Parkplatz in Jena. Wie kann der ruhende Verkehr optimiert werden? (picture alliance / dpa / Sebastian Kahnert)

Parkhäuser für Menschen, für Fahrräder, für Autos und digitale Innovationen: Auf der 17. Parken-Messe wird das Parken in der Welt von morgen verhandelt - und nebenbei die Frage beantwortet: Kann das alles auch sexy sein?

Dass die Branche in der öffentlichen Wahrnehmung bisher vernachlässigt wurde, beruht ganz sicher: auf Unkenntnis! Denn sie ist es doch, die sie entdeckt und gestaltet: jene Ruhezonen, ohne die keine menschliche Ansiedlung in der entwickelten Welt existieren könnte, sie schafft: PARK-Raum.

Und gerade jetzt - sind sich Experten einig - an der Schwelle einer ..

... "fernen Zukunft, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat", ...

... herrscht Aufbruchstimmung. Deutlich zu spüren: bei der Eröffnungsveranstaltung der 17. Parken-Messe im Berliner Estrel-Hotel, wo das Parken in der Welt von morgen verhandelt werden sollte. Entsprechend waren auch Gäste aus aller Welt gekommen ...

Englisch - oder sowas

"The guy from North-Korea, is he around? And I saw someone from Taiwan?"

Selbst Nordkorea, Taiwan waren vertreten. Man referierte - entsprechend - auf Englisch. Oder sowas, natürlich auch die Deutschen Vertreter:

"For us, the Dschörmen Parking Association - 'Bundesverband Parken', this event offers an exzellent opportunity, to wide our horissonts, and deal intensively whith concepts and views from other countrys!"

Globale Konzepte, totale Vernetzung, Digitalisierung, Apps und Facebook - Zauberworte, die Referenten aus Politik und Wirtschaft beim Messe begleitendem Experten Kongress inspirierten - so träumte etwa Bundesverkehrs-Staatssekretär Norbert Barthle von Vehikeln:

... "mit denen man vor ein Parkhaus fahren kann, dort das Auto verlässt, seinem Auto per Handy den Befehl gibt: bitte einparken! Dann fährt das Auto in das Parkhaus, sucht sich eine Parklücke, und wartet, bis der Besitzer das Auto wieder vor das Parkhaus zurückruft, und ich kann dann automatisch - mit dem Handy! - die Parkgebühren bezahlen. Das ist meine Vision."

Parkhaus als ein menschenleeres Mausoleum

Das Parkhaus der Zukunft als eine Art menschenleeres Mausoleum eines wirklich in sich ruhenden Verkehrs? Nur: wenn mir zwischendurch das Handy geklaut wird, wie finde ich dann mein  Auto wieder? Es gibt jedenfalls noch viele offene Fragen, auch wenn einige von den Ausstellern in der Parken-Messehalle heute schon beantwortet werden können - etwa die Frage:

"Kann Parken sexy werden?"
"Nee, sexy, hab ich im Kopf keine Bilder!"
"Man sagt ja auch, ruhender Verkehr - und Sex?"
"Geht nicht - Parken ist etwas, was man nicht beiseite bringen kann, aber man kann's bequemer machen, indem wir sagen, wir müssen nicht zum Parkautomaten rennen, geh einfach weiter, du zahlst am Monatsende!"

Und dass sich das Auto selbst eine Parklücke sucht?

"... ist möglich! Dass man sich freie Parkplätze anzeigen und sich dort hin navigieren lässt, anhand von Laser-Erkennung das Auto von selbst dorthin fahren lässt...

Digitale Parkplatz-Suchsysteme verringere Innenstadtverkehr

Und diese digitalen Parkplatzsuch-Systeme würden auch den Innenstadtverkehr deutlich verringern, denn noch gurke JEDER! - statistisch gesehen - durchschnittlich 15 bis 30 Minuten parkplatzsuchend durchs Viertel - das müsse man sich mal vorstellen!

"Can you imagine, our customers spend several days of the year sitting in their cars while looking for a parking lot ..."

Übers Jahr zusammengerechnet verbringe man ganze Tage auf Parkplatz-Pirsch. Nur: nähme der Verkehr beispielsweise durch digitale Parklücken-Finder-Apps wirklich ab? Oder würde Mutti ohne die "Wo-soll-ich-denn-da-Parken"-Panik nicht sofort wieder im SUV zum Shoppen fahren?

Eine echte Alternative dagegen:

"Das ist ein Doppelstock-Parker zum Abstellen von Fahrrädern in zwei Ebenen. Die untere Ebene ist klar: Fahrrad in die Schiene reinstellen, anschließen - Thema erledigt! Hier haben wir eine Situation: Obere Einstellung! Fahrrad anheben, Fahrrad sichern, jetzt: ein Finger anheben, den Rest macht die Gasfeder - Sache von zwei Minuten."

"Und gibt es schon richtige Fahrradparkhäuser?"

"Wenn Sie zum Beispiel nach Bernau in das Fahrradparkhaus gehen, dort haben wir 500 Fahrräder - in 3 Ebenen - plus 58 Fahrradboxen, zweigeschossig, in die ich auch meine mitgeführten Utensilien, Regenbekleidung, Helm, Rucksack - blick und diebstahlsicher unterbringen kann!"

Parkhäuser für Fahrräder? Ist das eine Idee! Aber ein Stand wirbt mit dem Slogan:

"'Wir bauen 'Parkhäuser für Menschen'. Ein Parkhaus mit Format: heller, freundlicher, ohne Stützen."

Der ruhende Verkehr der Zukunft soll ruhiger werden

Klingt schon relativ wohnlich - trotzdem: wen soll man da parken? Verwandtenbesuch, den Partner, den man anders ...

"... nicht beiseite bringen kann ..."
"Daran haben wir gar nicht gedacht!!" (lacht sich kaputt)

Wie auch immer: er soll bequemer, ja, ruhiger werden, der ruhende Verkehr der Zukunft - dank digitaler Helferlein! - seien wir also gespannt auf die unendlichen Möglichkeiten des Parkraums von morgen, auf:

"Parking in the world of tomorow!"

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(Deutschlandradio Kultur, Kompressor, 18.09.2015)

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(Deutschlandradio Kultur, Länderreport, 21.07.2015)

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(Deutschlandradio Kultur, Lesart, 23.04.2015)

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