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Fazit / Archiv | Beitrag vom 05.05.2011

Facelifting durch schräge Fenster

Anbau des Felix-Nussbaum-Hauses in Osnabrück eröffnet

Von Susanne Schrammar

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US-Architekt Daniel Libeskind vor dem von ihm entworfenen Anbau des Felix-Nussbaum-Hauses in Osnabrück. (picture alliance / dpa)
US-Architekt Daniel Libeskind vor dem von ihm entworfenen Anbau des Felix-Nussbaum-Hauses in Osnabrück. (picture alliance / dpa)

Dem 1998 eröffneten Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück fehlte es schon bald an Platz für Veranstaltungen, Aufenthaltsräumen und Garderoben. Abhilfe schafft nun der von Daniel Libeskind entworfene Anbau - und ändert zugleich den Gesamteindruck des Museums in positiver Weise.

Die mit glänzenden Stahlträgern eingefasste Glastür am Eingang kippt seitlich weg und ist übergroß. In den schrägen Fenstern, die wie ein riesiger Blitz durch den dunkelgrauen Kubus jagen, spiegelt sich das Heger Tor,– ein historischer Triumphbogen zum Gedenken an die Schlacht von Waterloo, der auf der anderen Straßenseite steht.

Vor wenigen Sekunden posierte Daniel Libeskind noch vor seinem futuristischen Gebäude für die Fotografen. Jetzt steht der amerikanisch-jüdische Stararchitekt im Inneren des neuen Erweiterungsbaus des Felix-Nussbaum Hauses in Osnabrück. Der quirlige Mann mit der schwarzen Brille zeigt auf die rautenförmigen Fenster, die den künftigen Eingangsbereich mit Licht fluten.

"Sie sehen die Spiegelungen und die kaleidoskopartigen Prismen. Es ist eine neue Energie, nicht mehr nur die negativ besetzen Schlitze in der Wand der Vergangenheit, es ist die positive Ausstrahlung der Zukunft und ich denke, das ist angemessen, dass Felix Nussbaum eine Zukunft hat, dass die Stadt eine Zukunft hat, dass es nicht nur um die Vergangenheit geht."

Mehr als 170 Bilder und Dokumente, fast das gesamte Werk des niedersächsischen Malers, der der Neuen Sachlichkeit zugeordnet wird, sind im Felix-Nussbaum-Haus ausgestellt. 13 Jahre nach der Eröffnung hat Architekt Libeskind seinem ersten Museumsbau ein komplett neues Gesicht verpasst.

Noch immer wirkt der moderne Gebäudekomplex wie ein Fremdkörper in der Osnabrücker Altstadt. Doch der Erweiterungsbau verbindet jetzt geschickt den vornehmen Sandsteinpalast des kulturgeschichtlichen Museums nebenan mit dem kantigen Beton des Nussbaum-Hauses. Museumsdirektorin Inge Jähner:

"Was Libeskind hier geschaffen hat, das ist wirklich wesentlich mehr als nur ein Anbau. Es ist ein so prägnanter städtebaulicher Akzent, dass er eigentlich ein ganzes Museumsareal schafft. Sonst konnte man das Nussbaum-Haus eigentlich kaum sehen, also Libeskind ist jetzt wirklich richtig in den Stadtraum eingerückt."

Als das Felix-Nussbaum-Haus Mitte der 90er-Jahre geplant wurde, waren die 14,6 Millionen D-Mark Kosten nahezu komplett in Ausstellungsräume investiert worden. Was fehlte, sagt Direktorin Jähner, war die Infrastruktur. Im labyrinthartigen Gebäude gab es zu wenig Platz für Garderoben, nur ein winziges Café und keine Räume für Vorträge und Veranstaltungen. Ein Manko, das häufig kritisiert wurde.

Künftig werden, wie heute Abend zur Eröffnung des Anbaus, auch Konzerte im Felix-Nussbaum-Haus stattfinden. Der knapp drei Millionen Euro teure Erweiterungsbau – finanziert u.a. mit Mitteln des Landes Niedersachsen und der niedersächsischen Sparkassenstiftung - nimmt Besucher zudem sehr viel gastfreundlicher auf und bietet auch endlich Platz für Museumsshop, eine Bibliothek, eine Mediathek und eine Lounge.

Inge Jähner: "Und das sind Dinge, die wir dringend brauchen, um auch immer wieder Leben in das Felix-Nussbaum-Haus zu holen. Denn das Felix-Nussbaum-Haus ist sicherlich ein Punkt für internationale Gäste, aber die Region möchte ja auch immer wieder neue Anreize bekommen, das Haus zu besuchen, insofern haben wir also hier jetzt einen Bereich geschaffen, der es uns erlaubt, auch ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm auf die Beine zu stellen."

Dem Museumsanbau ging in Osnabrück eine lange politische Debatte voraus. Dass der Architekt nun mit dem Erweiterungsbau auch Mängel seines ersten Entwurfs beheben musste, soll ihn geärgert haben. Heute, bei der Eröffnung, ließ sich der 64-Jährige jedoch nichts anmerken. Geschichte, sagt Daniel Libeskind, komme niemals an ein Ende. Deshalb sei es auch selbstverständlich, ein Museum als "wachsende Institution" zu erweitern.

"Es ist eine sehr aufregende Sache für einen Architekten, zu sehen, wie sich ein Museum entwickelt, und es für Menschen erreichbarer zu machen. Und ich hoffe, dies wird einen Beitrag leisten für die wunderschöne Stadt Osnabrück mit seinen Monumenten, Kirchen und Plätzen und wir werden dies zu einer besonderen Attraktion machen im Herzen der Stadt."

In einer Videoinstallation wird ein nackter weiblicher Körper im Wasser dargestellt. Um die Hüfte trägt die Frau einen Hula-Hoop-Reifen aus Stacheldraht. Ein Symbol für die Verletzbarkeit der menschlichen Würde und genau das ist auch Thema der Eröffnungsausstellung. Werke Albrecht Dürers aus dem Bestand des Kulturgeschichtlichen Museums werden denen von Felix Nussbaum gegenüber gestellt.

Er selbst kenne jedes einzelne Bild Nussbaums in- und auswendig, sagt Architekt Libeskind. Als Kind von Holocaust-Überlebenden spüre er eine besondere Verbindung zu dem von den Nazis Getöteten. Das Museum – ein vergleichsweise bescheidenes Gebäude – sei vielleicht das, was ihm am meisten bedeute.

"So, to me this is, even it's a very modest, small project, very close to my heart."

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