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Interview | Beitrag vom 11.07.2019

Facebook-Posting von Deutschlandfunk Kultur"Ist das rassistisch? Nein!"

Maurice Wojach im Gespräch mit Axel Flemming

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Screenshot des Facebook-Posts der "Checkliste" zu einem Radiofeature über Privilegien von Deutschlandfunk Kultur (Screenshot Facebook / Deutschlandradio)
Heftig diskutiert: das Posting einer Checkliste zu einem Radiofeature über Privilegien von Deutschlandfunk Kultur. (Screenshot Facebook / Deutschlandradio)

Hautfarbe, Geschlecht, sexuelle Orientierung – aus solchen angeborenen Merkmalen können Vor- und Nachteile entstehen. Eine Checkliste, gepostet von Deutschlandfunk Kultur, fragte Privilegien ab - und das sorgt für Aufregung im Netz.

"Psychologie und Privilegien – Die unangenehme Wahrheit sozialer Ungerechtigkeit", so lautet der Titel eines Radiofeatures im Deutschlandfunk Kultur. Es geht darin unter anderem um Checklisten, die bestimmte Privilegien abfragen – beispielsweise Hautfarbe, Geschlecht, sexuelle Orientierung oder körperliche Beeinträchtigung, also vor allem solche Merkmale des Menschen, die quasi mit der Geburt mitgegeben werden.

Kein Pranger

So eine Checkliste entwarf die Social-Media-Redaktion von Deutschlandfunk Kultur und postete sie in Verbindung mit einem Link zu diesem Radiobeitrag. 

Es ginge darum, Privilegierten ihre gesellschaftliche Stellung bewusst zu machen, erklärt Maurice Wojach, Social-Media-Redakteur von Deutschlandfunk Kultur.

Die Kommentare waren teils heftig ausgefallen. Einige fühlten sich angegriffen, zum Beispiel in ihrem beruflichen Erfolg. "Uns geht es nicht darum, diese Menschen anzuprangern, sondern den Blick zu schärfen", sagt Wojach. Die Kernthese des Beitrags: Die eigenen Privilegien werden gesellschaftlich als individuelle Leistung wahrgenommen. Auch diese Diskrepanz solle zur Diskussion gestellt werden, so Wojach weiter.

"Es kommen auch immer wieder Kommentare nach dem Motto: ‚Ich bin weiß, ich bin hetero, soll ich mich dafür schämen?‘", berichtet Wojach aus der Redaktion. Oder dazu, "dass Privilegien als etwas empfunden werden, dass quasi selbst verschuldet unmoralisch ist."

"Die Gesellschaft teilt Menschen ein"

Diskutiert werde auf Facebook und auch auf Twitter. Hier bezeichnete die Journalistin Judith Sevinc Basad die Checkliste als "unfassbar paternalistisch, rassistisch und sexistisch." Genau dieses Gefühl wolle man ebenfalls diskutieren.

Diesen Vorwurf weist die Social-Media-Redaktion des Deutschlandfunk Kultur allerdings von sich. "Nein, das ist natürlich nicht rassistisch, es ist ja nicht die Checkliste, die nach Geschlecht, nach Hautfarbe und anderen Merkmalen einteilt, bevorteilt, benachteiligt, es ist die Gesellschaft", macht Wojach deutlich. Zum Teil passiere das unbewusst. Es gehe darum, Privilegien und rassistische Tendenzen zu diskutieren, und nicht darum, diese zu bedienen.

(cwu)

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