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Lesart / Archiv | Beitrag vom 26.09.2016

F. Scott und Zelda FitzgeraldGlamourös in den Untergang

Edelgard Abenstein im Gespräch mit Jörg Magenau

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F. Scott Fitzgerald mit seiner Ehefrau Zelda und dem gemeinsamen Kind (imago / ZUMA / Keystone)
F. Scott Fitzgerald mit seiner Ehefrau Zelda und der gemeinsamen Tochter Frances Scottie (imago / ZUMA / Keystone)

Sie sind das wohl glamouröseste Paar der Literaturgeschichte: F. Scott Fitzgerald und seine Ehefrau Zelda. Das Leben war ihre Bühne - so dass sie selbst zu Figuren wurden, über die geschrieben wurde.

Über Nacht wird er mit seinem Meisterwerk "Der große Gatsby" weltberühmt; und obendrein verdient F. Scott Fitzgerald damit eine Menge Geld. Er und seine Frau Zelda hätten etwas ganz und gar Einzigartiges verkörpert, sagt unsere Kritikerin Edelgard Abenstein: Beide waren Schriftsteller und standen zugleich "glamourmäßig ganz oben". Ein Jahrzehnt lang führen die beiden ein wildes Leben, mit ausschweifenden Partys, Reisen und Alkoholexzessen - bis Zelda als Dauerpatientin in einer Nervenklinik landet und er mit 44 Jahren an Alkoholsucht stirbt.

Filmstill aus "The Great Gatsby" von Jack Clayton mit Robert Redford und Mia Farrow (1974) (imago/AGD)"The Great Gatsby" wurde mehrfach verfilmt: Hier spielen Robert Redford mit Mia Farrow die Hauptrollen (imago/AGD)

Doch zuvor machten sie aus ihrem Leben eine Bühne, sie seien wie "ungezogene Kinder" gewesen, sagt Abenstein: "Und dabei zuzusehen macht viel Spaß." Er habe sein Leben benutzt, um Stoffe für seine Romane zu finden. Sie stand in seinem Schatten, habe aber schnell gelernt und die Kunst der Selbstinszenierung perfekt beherrscht.

Nun erscheint ein neues Buch von Zelda Fitzgerald: "Himbeeren mit Sahne im Ritz". Rasante Erzählungen, in deren Zentrum ehrgeizige, begabte Heldinnen stehen, die für ihre Selbstinszenierung einen hohen Preis bezahlen. "Genau wie die Autorin selbst", so Abenstein.

Die Geschichten sind im englischsprachigen Raum zum Teil schon bekannt und veröffentlicht  – aber ehemals unter Scott F. Fitzgeralds Namen. Das Paar habe, berichtet unsere Kritikerin,  zehn Mal so viel Honorar bekommen, wenn die Story unter seinem Namen und nicht unter ihrem lief.

Zelda Fitzgerald: "Himbeeren mit Sahne im Ritz"
Manesse Verlag 2016
224 Seiten, 24,95 Euro

Immer wieder wird auch völlig Unbekanntes von den Fitzgeralds ausgegraben. Im vergangenen Jahr erschien "Die Straße der Pfirsiche". In dem Buch beschreibt Scott einen "Road Trip" mit Zelda drei Monate nach ihrer Hochzeit.

F. Sott Fitzgerald: "Die Straße der Pfirsiche"
Aufbau Verlag 2015
157 Seiten, 16,95 Euro

Beide lieferten auch Stoff für Romane. Soeben erschienen ist Stewart O' Nans Buch "Westlich des Sunset", in dem dieser die letzten drei Jahre in F. Scott Fitzgeralds Leben beschreibt.

Stewart O' Nan: "Westlich des Sunset"
Rowohlt Verlag 2016
416 Seiten, 19,95 Euro

Auch Emily Waltons Werk "Der Sommer, in dem F. S. Fitzgerald beinahe einen Kellner zersägte" ist druckfrisch. F. S. ist hier auf dem Höhepunkt seines Ruhms – doch der Weg nach unten deutet sich schon an.

Emily Walton: "Der Sommer, in dem F. S. Fitzgerald beinahe einen Kellner zersägte"
Braumüller Verlag 2016
168 Seiten, 19,90 Euro

Andere Autoren haben Zelda Fitzgerald in den Mittelpunkt ihrer Geschichten gestellt.

Gilles Leroy: "Alabama Song"
Kein & Aber 2008
240 Seiten, 19,90 Euro

Katrin Boese: "Zelda Fitzgerald - So leben, dass ich frei atmen kann"
AvivA Verlag 2010
260 Seiten, 19,50 Euro

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