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Kulturnachrichten

Dienstag, 7. August 2018

Experte sieht keine Tendenz zu sprachlicher Verrohung

Provokante Wortbildungen habe es schon immer gegeben

Trotz umstrittener Äußerungen von Politikern sieht der neue Chef des Instituts für Deutsche Sprache keine Verrohung der Sprache. Provokante Wortbildungen habe es schon immer gegeben - allerdings hätten sie nicht zu so intensiven gesellschaftlichen Diskussionen wie heute geführt, sagte der Professor für Angewandte Sprachwissenschaft und Computerlinguistik, Henning Lobin, der Deutschen Presse-Agentur in Mannheim. "Die Echokammer des Internets sorgt für Zuspitzung - eine Änderung der sprachlichen Kultur sehe ich aber nicht." Schon in den 1960er Jahren sei etwa der Begriff des Vaterlandsverräters gegen Linke angewendet worden. Damals hätten aber Kontrollmechanismen in den Printmedien eine breite Diskussion verhindert.

Europäischer Gerichtshof stärkt Online-Urheberrecht

Zustimmung der Urheber von Fotos muss bei jeder Veröffentlichung erfolgen

Im Internet frei zugängliche Fotos dürfen nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes nicht ohne Zustimmung des Fotografen auf anderen Websites gezeigt werden. Die Richter stellten sich damit im Streit um ein Bild, das eine Schülerin in Nordrhein-Westfalen auf die Homepage ihrer Schule gestellt hatte, auf die Seite des Fotografen. Durch die Veröffentlichung auf einer anderen Seite werde das Bild einem neuen Publikum zugänglich gemacht und dafür sei die Zustimmung des Urhebers nötig, schrieben die Richter. Dass die Nutzung des Bildes zuvor nicht eingeschränkt wurde, spiele dafür keine Rolle. Fotos die mittels Hyperlinks auf die Seiten verweise, auf der Bilder ursprünglich veröffentlicht wurden seien allerdings von dem Urteil ausgenommen: Dies trage zum guten Funktionieren des Internets bei. Die Schülerin hatte das Foto von der Homepage eines Reisemagazins heruntergeladen. Der Fotograf hatte dagegen geklagt und geltend gemacht, dass er das Nutzungsrecht nur dem Magazin gewährt habe.

documenta-Künstler Oguibe verhandelt über Obelisk

Zukünftiger Standort des Kunstwerks in Kassel noch ungewiss

Der documenta-Künstler Olu Oguibe will am Mittwoch Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle treffen, um über den Verbleib seines Kunstwerks Obelisk zu verhandeln. Das sagte Oguibe bei einem öffentlichen Treffen von Kunstschaffenden und Bürgern in der Innenstadt. Mehr als 100 Menschen demonstrierten dort für die Freiheit der Kunst und für den Erhalt des Obelisken. Die Steinsäule, die sich mit dem Thema Flucht beschäftigt, ist ein umstrittenes Kunstwerk der vergangenen documenta. Die Stadt will es kaufen, aber die Verhandlungen scheiterten zuletzt an der Standortfrage. Viele Unterstützer wünschten sich, dass sein Kunstwerk auf dem Königsplatz in der Innenstadt bleiben soll, betonte Oguibe. Die Stadt will das Kunstwerk aber vor das künftige documenta-Institut verlegen, das allerdings noch nicht gebaut ist. Bei einer Spendenaktion waren in Kassel 126 000 Euro für den Ankauf des Kunstwerks gesammelt worden. Obwohl ursprünglich 600 000 Euro als Kaufpreis das Ziel gewesen waren, hatte Oguibe sich bereit erklärt, der Stadt das Kunstwerk zu überlassen - eine Einigung in der Standortfrage vorausgesetzt.

Neue Hoffnung für Filmorchester Babelsberg

Erhöhung der Fördermittel in Aussicht

Das drohende Aus für das Filmorchester Babelsberg scheint abgewendet. Bei einem Gespräch mit der brandenburgischen Kulturstaatssekretärin Ulrike Gutheil und dem Potsdamer Baudezernenten Bernd Rubelt habe das Land zugesagt, den Fortbestand des renommierten Orchesters auch mit einer Erhöhung der Fördermittel zu sichern, sagte Intendant Klaus-Peter Beyer. Beyer hatte zuvor Alarm geschlagen, weil das Orchester wegen Bauarbeiten auf einem Gelände neben dem Tonstudio keine Produktionen mehr einspielen könne. Damit falle die finanzielle Grundlage des Orchesters weg. In Gesprächen mit dem Investor soll nun zunächst versucht werden, die Produktionszeiten im Studio des Filmorchesters mit den Bauarbeiten abzustimmen, sagte der Sprecher des Kulturministeriums, Martin Sand. Über den Ausgleich eventueller Einahmeverluste solle zu einem späteren Zeitpunkt verhandelt werden.

Laschet sagt Teilnahme an Ruhrtriennale ab

Grund ist die Haltung der neuen Intendantin Stefanie Carp zu Israel

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet hat seine Teilnahme an der Ruhrtriennale abgesagt. Grund ist die Haltung der neuen Intendantin Stefanie Carp zu Israel. Laschet habe seine Entscheidung bereits getroffen, nachdem die 62-Jährige im Juni eine zunächst ausgeladene israelkritische Popband wiedereingeladen habe, bestätigte Regierungssprecher Christian Wiermer. Der CDU-Politiker will demnach weder an der Premiere noch an einer Aufführung teilnehmen. Seine Absage ist ein Ausrufezeichen in der seit Wochen schwelenden Antisemitismus-Debatte rund um die renommierte Ruhrtriennale und ihre umstrittene Intendantin. Das Land ist Mitbegründer und wichtiger Geldgeber des Kulturfestivals. Entzündet hatte sich der Streit an der Ein-, Aus- und Wiedereinladung der schottischen Band "Young Fathers". Sie steht der BDS-Bewegung nahe, die für einen Boykott Israels eintritt. Nachdem Carp deswegen zum Rapport in den Kulturausschuss des Düsseldorfer Landtags musste, hatte sie parteiübergreifend erneut für Kopfschütteln und Irritationen gesorgt.

Private Briefe der letzten deutschen Kaiserin zu sehen

Sie waren zufällig in einem verschlossenen Schrank entdeckt worden

Etwa 1000 wiederentdeckte Briefe der letzten deutschen Kaiserin Auguste Victoria - Ehefrau von Kaiser Wilhelm II. - sind im Potsdamer Neuen Palais der Öffentlichkeit präsentiert worden. Die aus ihrer Zeit als Kronprinzessin stammenden Schriftstücke waren durch Zufall in Zusammenhang mit dem Aufbau der bereits seit Mitte Juni laufenden Ausstellung "Kaiserdämmerung. Das neue Palais zwischen Monarchie und Republik" im Neuen Palais in einem verschlossenen Schrank entdeckt worden. In der Schau werden sie nun noch bis November gezeigt. In zwei Transportkisten befanden sich teils geöffnete, teils noch versiegelte Korrespondenzen aus den Jahren zwischen 1883 und 1889 an enge Familienmitglieder und weitere Verwandte.

Studie: Drei von vier Kindern lesen Bücher

Kinder zögen sich trotz Digitalisierung nicht in die virtuelle Welt zurück

Drei Viertel aller Kinder zwischen vier und 13 Jahren lesen einer repräsentativen Umfrage zufolge mehrmals in der Woche Bücher oder Zeitschriften. Der Kinder-Medien-Studie 2018 zufolge, die sechs Medienhäuser in Berlin vorstellten, ist Gedrucktes dabei "unersetzlich". Elektronische Endgeräte und Lesemedien spielten in keinem Alter eine besondere Rolle, hieß es. Die Kinder zögen sich trotz Digitalisierung nicht in die virtuelle Welt zurück. Sie wüchsen vielmehr in die Dualität von analogen und digitalen Medien- und Freizeitaktivitäten hinein und seien "smart genug, beide Welten exzellent zu managen", hieß es. Sie wollten sowohl draußen spielen als auch digital unterwegs sein.

Hermann Kesten-Preis für Gioconda Belli

Nicaraguanische Autorin sei "eine mächtige Stimme für die Freiheit des Wortes"

Der Hermann Kesten-Preis des deutschen PEN-Zentrums geht 2018 an die nicaraguanische Schriftstellerin Gioconda Belli. Sie sei "eine mächtige Stimme für die Freiheit des Wortes", betonte die Schriftstellervereinigung in Darmstadt. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 15. November in Darmstadt verliehen. Dies gelte auch für den mit 3.000 Euro dotierten Hermann Kesten-Förderpreis, den die regierungskritische ungarische Onlinezeitschrift "Direkt36" erhält. Der Preis ist nach dem Schriftsteller und ehemaligen PEN-Präsidenten Hermann Kesten benannt. Damit werden Persönlichkeiten gewürdigt, die sich im Sinne der Charta des internationalen PEN in besonderer Weise für verfolgte und inhaftierte Schriftsteller und Journalisten einsetzen. Zu den Preisträgern gehören Günter Grass, Anna Politkowskaja, Liu Xiaobo sowie Can Dündar und Erdem Gül.

Medien: Klavierbauer Steinway bald chinesisch?

China Poly Group prüft Gebot

Beim legendären Klavierbauer Steinway könnten einem Medienbericht zufolge künftig Chinesen den Ton angeben. Das staatliche Konglomerat China Poly Group prüfe ein Gebot für das von Finanzinvestor John Paulson kontrollierte Musik-Unternehmen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider. Die Übernahmepläne seien aber noch nicht fortgeschritten. Auch könnten weitere Firmen Interesse anmelden. Steinway Musical Instruments ist vor allem für seine Flügel und Klaviere bekannt, die von legendären Musikern wie dem chinesischen Konzertpianisten Lang Lang gespielt werden. Paulsons Beteiligungsgesellschaft hatte den Traditionskonzern 2013 für rund 512 Millionen Dollar übernommen. Steinway, Paulson und die China Poly Group äußerten sich zunächst nicht zu dem Bericht.

Rapper Chefket findet Özil-Debatte unverständlich

Klare politische Aussage sei von Özil nicht zu erwarten gewesen

Der Rapper Chefket, der selbst türkische Wurzeln hat, findet die Debatte um den zurückgetretenen Fußball-Nationalspieler Mesut Özil übertrieben. "Grundsätzlich ist es mir unverständlich, wie man Fußballer auf so eine Empore heben kann, dass sie von dort aus regelrechte Staatskrisen auslösen", sagte der gebürtige Heidenheimer und Sohn türkischer Einwanderer, dem "Südkurier". "Leute wie Özil haben sich nicht mehr selbst die Schuhe zugebunden, seit sie 15 sind. Wie soll man von denen eine klare politische Aussage erwarten?". Das Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Erdogan halte er zwar auch für falsch, sagte der 36-Jährige. "Aber es ist lächerlich, Mesut Özil die Schuld daran zu geben, dass Deutschland so früh ausgeschieden ist."

Matthew Sweeney ist tot

Irischer Lyriker wurde 66 Jahre alt

Der irische Lyriker Matthew Sweeney ist im Alter von 66 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Das teilte sein deutscher Verlag Hanser Berlin mit. Matthew Sweeney gehörte zu den bedeutendsten Lyrikern des Landes. Er wurde 1952 im County Donegal geboren und veröffentlichte seit den 1980er Jahren Gedichtbände und Kinderbücher. Neben vielen anderen Auszeichnungen erhielt er für seinen Band "Horse Music" 2014 den Pigott Poetry Prize. Für seinen Stil fand er selbst den Begriff des "alternativen Realismus". Seine Gedichte erschienen auch in deutscher Übersetzung, etwa 2008 der Auswahlband "Rosa Milch" und 2017 "Hund und Mond", beide in der Übersetzung von Jan Wagner.

Robert Redford will mit Schauspielerei aufhören

81-Jähriger ist seit 60 Jahren im Geschäft

Robert Redford will seine Schauspielkarriere beenden. Das sagte der 81-Jährige der US-Zeitschrift "Entertainment Weekly". Nach seinem neuen Film "The Old Man and The Gun", der in den USA im Herbst heraus kommt, wolle er sich "in Richtung Ruhestand bewegen". Schließlich schauspiele er bereits, seit er 21 Jahre alt war, sagte der Oscar-Preisträger weiter. Ob er als Regisseur weiterarbeiten will, sagte Redford nicht.

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