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Kompressor | Beitrag vom 07.11.2014

Experimentelles Radio vor 25 JahrenWie 14 Tage zu früh die Mauer fiel

Radiomacher Uli Schueppel über eine visionäre Sendung vom 24. Oktober 1989

Moderation: Susanne Burg

Uli Schueppel, deutscher Filmregisseur und Dokumentarfilmer im Studio 9 von Deutschlandradio Kultur, aufgenommen am 07.11.2014. (Deutschlandradio / Cara Wuchold)
Uli Schueppel, deutscher Filmregisseur und Dokumentarfilmer im Studio 9 von Deutschlandradio Kultur (Deutschlandradio / Cara Wuchold)

Radiomacher wagen selten Zukunftsprognosen. Doch genau das ist am 24. Oktober 1989 im Radio 100 geschehen: Moderator Uli Schueppel verkündete damals in einer fiktiven dpa-Meldung die Öffnung der innerdeutschen Grenze. Er erzählt, was danach geschah.

Es war ein Scherz, aus dem bald Realität wurde: Bereits am 24. Oktober 1989 wurde im Radio 100, dem ersten Privatsender in West-Berlin, die Öffnung der innerdeutschen Grenze verkündet. Moderator Uli Schueppel verlas damals in der nächtlichen Slime-Line-Show folgende fiktive Meldung:

"Wir müssen hier kurz mal unterbrechen. Im Nebenraum laufen die Ticker rund. Ich muss Euch unbedingt die brandheißeste dpa-Meldung durchgeben: 'Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen in Ost-Berlin verlautet wurde, hat die SED-Führung in geheimer Sitzung die völlige Öffnung der innerdeutschen Grenze in beide Richtungen beschlossen'."

In der experimentellen Kult-Sendung habe es bestimmte Freiräume gegeben, erinnerte sich Uli Schueppel im Deutschlandradio Kultur:

"Wir haben uns überlegt: Was ist das Absurdeste, was man sich im Moment eigentlich vorstellen konnte? Aber dass trotzdem irgendwo noch halbwegs denkbar ist. Und dann sind wir auf den Mauerfall gekommen."

Überraschung, Unglauben und Zweifel

Diese Meldung habe durchaus der seinerzeit von Günter Schabowski verlesenen Mitteilung geähnelt, meinte Schueppel. Nach der Bekanntgabe der fiktiven Meldung hätten die Hörer anrufen können. Dabei hätten sich Reaktionen von Überraschung, Unglauben und Zweifel ergeben:

"Bei der realen Situation des Mauerfalls gab es auch diese Zweifel. Deshalb sind die Leute ja erst einmal eher vorsichtig an die Grenze gegangen. Was mir aber gefallen hat, ist diese Idee von Radio, dass viele dann eigentlich auf das Spiel eingegangen sind. Dadurch entstand etwas ganz Besonderes: so ein abenteuerliches Radio."

Beim Wiederhören der alten Aufnahmen habe er empfunden, dass dies das Ende des alten West-Berlin gewesen sei, so Schueppel:

"Als ich diese Sendung zum ersten Mal nach so vielen Jahren wiederhörte, spiegelte sich darin so viel von West-Berlin: Diese Naivität, diese Spielfreude, so weit wie möglich zu gehen. Wir haben als Künstler immer wieder sucht, dieses Gebilde Stadt, das umringt ist von einer Grenze, aufzubrechen."

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