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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 27.07.2015

Exotischer Garten von BouknadelMarokkos grünes Paradies

Von Stephan Ehlert

Exotische Pflanzen wie den Eukalyptus findet man in den Jardins Exotiques de Bouknadel. (picture alliance / dpa / Hinrich Bäsemann)
Exotische Pflanzen wie den Eukalyptus findet man in den Jardins Exotiques de Bouknadel. (picture alliance / dpa / Hinrich Bäsemann)

In Bouknadel, rund 15 Kilometer nördlich der marokkanischen Hauptstadt Rabat, hat der französische Gartenbauer Marcel Francois eine wahre Oase geschaffen: Seine "Jardins Exotiques" sind eine begehbare botanische Sammlung – und zugleich bieten sie Erholung für die hitzegeplagten Hauptstädter.

Sie laufen im Dauerbetrieb, die Wassersprenger und Nebeldüsen in den Gärten von Bouknadel. Nicht nur die Böden werden feucht gehalten, an manchen Stellen verbreiten Düsen auch noch in zehn Metern Höhe Wassernebel – wegen der Luftfeuchtigkeit, sagt Gartendirektor Brahim Haddane während eines Rundgangs.

"Wir gehen schließlich nach Brasilien, und im Amazonas ist es auch schwül und warm", meint Direktor Haddane.

Brasilien in Marokko? Genau das war die Idee des Gründers der exotischen Gärten von Bouknadel. Vor 65 Jahren begann der französische Gartenbauer Marcel Francois in der Ortschaft Bouknadel damit, seine botanische  Sammlung so einzupflanzen, dass Besucher seines Parks Einblicke in insgesamt 13 verschiedene Landschaftstypen gewannen.

Pflanzen aus aller Welt

Also nicht nur Brasilien - von Polynesien über Andalusien und den Kongo bis nach Lateinamerika reicht die Palette – von der Yukka Elefantipes, einer Palme mit Elefantenfüßen bis zum Eucalyptus Zitriodora, dessen Früchte Mücken fern halten.  Selbst einen Japanischen Steingarten mit Bonsai-Bäumen ließ der Eigentümer anlegen. Seine Verehrer nennen ihn bis heute Monsieur Marcel:

"Das war ein wunderbarer Mann, eine wandelnde Bibliothek, ein Weiser, jemand, der alles in die Hand nahm."

Der Landschaftsarchitekt Cherki Merzaq hat den alten Mann noch gekannt. Im Jahr 2000 starb der Gartenbauprofessor, Hundertjährig. Seitdem kümmert sich die königliche Umweltstiftung  mit 45 Angestellten um die Gärten von Bouknadel. Merzaq ist einer dieser Angestellten.

Jedes Jahr begrüßen sie rund 350 Schulklassen und bis zu 120.000 sonstige Besucher – so wie diese Touristin mit ihren zwei Söhnen:  

"Das fühlt sich sehr gut an hier. Wir sind gekommen, um den Kindern Marokkos Pflanzenreichtum zu zeigen."

Flucht vor der Sommerhitze

Nur dass die wenigsten der mehr als 350 Pflanzenarten in den Jardins Exotiques aus Marokko stammen, deswegen heißt es ja exotische Gärten. Wie eine grüne Oase breiten sie sich 15 Kilometer nördlich der marokkanischen Hauptstadt aus – ein wohl einzigartiges Paradies, vor allem für die Menschen, die vor der mörderischen Sommerhitze in der Stadt geflohen sind und einmal fern von Abgasgestank und Verkehrslärm durchatmen wollen:

"Es gibt einen Temperaturunterschied von zehn Grad zwischen der bewaldeten Zone hier und außerhalb – das können Sie fühlen, es ist nicht so heiß wie außerhalb der Gärten."

UND hier lärmt nur der afrikanische Bülbül  - wenn nicht gerade ein Gärtner auf dem Traktor vorbeifährt. Einziger Nachteil der Gärten von Bouknadel ist ihre Lage  - ohne Bus oder Taxi kommt man hier nicht hin. Es sei denn, sagt Direktor Haddane, man kann fliegen:  

"Die Zugvögel rasten hier auf ihrem Weg von Europa nach Afrika, eine Woche oder einen Monat, denn hier finden sie Nahrung und Wasser."

Die Zugvögel haben es gut, sie müssen auch keinen Eintritt bezahlen. Doch der ist überschaubar: Touristen zahlen für den Besuch der exotischen Gärten von Bouknadel nur 2 Euro. 

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