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Religionen / Archiv | Beitrag vom 24.07.2016

ExorzismusMit Teufelsaustreibern gegen Wahrsager

Von Thomas Migge

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Diese Zierinitiale als Deckfarbenmalerei mit Gold zeigt eine Teufelsaustreibung, aufgenommen in Stralsund in einer Handschrift mit dem Titel Liber ordinarius (= Regelungen für liturgische Handlungen) aus dem 15. Jahrhundert (picture alliance / ZB / Stefan Sauer)
Teufelsaustreibung - dargestellt in einer Malerei aus dem 15. Jahrhundert. (picture alliance / ZB / Stefan Sauer)

Die römische päpstliche Hochschule bietet Exorzismus-Kurse gegen den Hang vieler Italiener an, Wahrsager und Kartenleger aufzusuchen. Kritiker werfen der Kirche vor, dass ihre Teufelsaustreiber selbst nicht mehr als Scharlatane seien.

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Die beiden gehören zum italienischen Heer von Kartenlegern, die in Italien im Fernsehen, auf Straßen und Plätzen und bei sich daheim Kunden empfangen - und kräftig abkassieren. Dem italienischen Sektenforschungsinstitut GRIS zufolge gibt es in Italien mindestens 15.000 Kartenleger. Ganz zu schweigen von zahllosen Magiern, Zauberern, Hexern und so weiter. Jeder sechste Italiener sucht mindestens ein Mal im Jahr Beistand bei solchen Scharlatanen. Tendenz steigend, klagt Italiens prominenter Wissenschaftsjournalist Piero Angela vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen RAI:

"Der Einfluss dieser Leute auf die Bevölkerung wächst. Und deshalb ist es sehr gut, dass sich jetzt auch die katholische Kirche dieses Problems annimmt. Auf ihre Weise. Klar. Daran mag man glauben oder nicht, aber dass auch sie jetzt etwas dagegen unternimmt, zeigt wie dramatisch die Situation in Italien geworden ist."

Seminar zur Bekämpfung von Scharlatanen

Und so bietet die Päpstliche Hochschule Regina Apostolorum in Rom neuerdings einen einwöchigen Kurs zur Bekämpfung von Scharlatanen an. Das Seminar beginnt zwar allmorgendlich mit einem Gebet, es richtet sich nicht nur an Geistliche. Einschreiben können sich auch Psychologen, Psychiater, Lehrer, Juristen und besorgte Bürger. Wie etwa Carla Manzini aus Rom:

"Ich besitze einen Schönheitssalon und zu mir kommen immer mehr junge Leute in völliger existentieller Desorientierung. Die berichten mir davon, dass sie sich immer öfter an diese Scharlatane wenden. Um ihnen ein wenig helfen zu können besuche ich dieses Kurs."

Während der Kurstage wird über das Phänomen Magie in all seinen Varianten aufgeklärt: soziologisch, medizinisch, psychologisch und historisch. Konkret bekämpfen könne die Kirche Scharlatanerie aber einzig und allein mit Gebeten und Exorzismusriten, erklärt Padre Gabriele Amorth, Doyen der italienischen Teufelsaustreiber:

"Es existiert ein übernatürliches Wissen, mit dem sich Exorzisten auskennen, und mit dem sich diese Pest des Zauberglaubens austreiben lässt. Zauberglaube ist des Teufels, und den kann man nur mit Teufelsaustreibungen bekämpfen. Also mit dem Wort Gottes."

Besessen vom Belzebub

Wer regelmäßig Zauberer aller Art aufsucht oder gar von ihnen abhängig ist, könnte vom Bösen verführt oder sogar besessen sein, meint Luigi Negri, Exorzist und Erzbischof von Ferrara. Auch er unterrichtet bei dem neuen Kurs in Rom:

"Genau hier liegt das Problem: eine christliche Kirche, die sich nicht bewusst ist, dass sie eine möglichst objektive Sicht der Dinge in die Welt tragen muss, kann diese Attacken des Bösen auf die Menschen nicht wirksam bekämpfen."

Gegen jede mögliche Form der Verführung und des Besessenseins durch Belzebub, davon sind die Organisatoren des Kurses überzeugt, helfen die Worte entweder des alten Exorzismusrituals von 1614 oder die der neuen Version von 1998. Worte, die immer auf die gleiche Weise zur Anwendung kommen: in Latein oder in Italienisch.

Wichtig zu wissen ist in diesem Zusammenhang, dass die katholische Kirche bei jeder Form von Exorzismus inzwischen nur noch zusammen mit Fachlaien, wie etwa Medizinern, tätig wird. Bevorzugt wählt man daher Experten, die mit der Kirche nicht viel zu tun haben. Mit diesem Vorgehen will man sich aus der Schusslinie jener Kritiker zu bringen, die auch den offiziell von der Kirche akzeptierten Teufelsaustreibern vorwerfen, nichts anderes als Gauner oder Zauberer zu sein.

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