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Kulturnachrichten

Sonntag, 18. März 2018

Ex-"Tatort"-Kommisar Jochen Senf gestorben

Als Kommisar Max Palu ermittelte er im "Tatort"-Saarland

Jochen Senf ging 17 Jahre lang als "Tatort"-Kommissar Max Palu im Saarland auf Verbrecherjagd. Nun ist der Schauspieler im Alter von 76 Jahren in Berlin gestorben. Er kochte gerne, trank gerne Rotwein und nahm sein Rennrad mit ins Büro: "Salü Palu" hieß die erste Tatort-Folge am 24. Januar 1988. Der glatzköpfige Max Palu war unter den ARD-Kommissaren eine echte Type. "Ich spiele den Kommissar so, wie ich selbst bin", sagte er, als er mit 45 Jahren mit dem "Tatort" anfing. Palu war seine erste große Fernsehrolle. Außerdem arbeitete er als Hörspieldramaturg, Krimiautor, gründete ein Kinder- und Jugendtheater und war in Kinoproduktionen zu sehen, etwa 2015 in "Unser letzter Sommer". Senf engagierte sich für Terre des Femmes als Schirmherr einer Kampagne gegen häusliche Gewalt gegen Frauen. Zuletzt lebte Senf in Berlin. Dort war er vor einigen Jahren in der Komödie am Kurfürstendamm zu sehen.

Ägyptische Zensur kassiert Theateraufführung

Theaterstück thematisiert Gefühl von Unterdrückung vor dem Volksaufstand 2011

Nur wenige Stunden vor seiner geplanten Premiere am Sonntag in Kairo hat die staatliche Zensur in Ägypten die Aufführung eines Theaterstücks verboten. Regisseur Ahmed al-Attar sagte daraufhin die Vorstellungen von "Vor der Revolution" ab. Wie von den Zensoren gefordert fünf Szenen zu entfernen, würde das Stück entstellen, sagte Al-Attar. Das Theaterstück für zwei Schauspieler thematisiert das Gefühl von Unterdrückung und Stagnation in Ägypten vor dem Volksaufstand von 2011. Es sollte in einem Theater mit 100 Sitzplätzen an sechs Abenden im Rahmen des Innenstadtfestivals für zeitgenössische Kunst aufgeführt werden. Das Festival wird überwiegend von ausländischen Kulturinstituten, Botschaften und der Unesco unterstützt.Der für Sozialsatiren bekannte und in Europa anerkannte Autor, zugleich Manager und künstlerischer Direktor des Festivals, hat für Montag eine zweite Sitzung des Zensurkomitees beantragt. Er hofft, dass das Stück doch noch ohne die vorgeschlagenen Streichungen gezeigt werden darf.

Yücel: "Die wollten mich zum Verstummen bringen"

Journalist Deniz Yücel gibt erstes Interview nach Freilassung

Der aus türkischer Haft freigekommene Journalist Deniz Yücel hat der Bundesregierung für ihre Unterstützung gedankt, sie aber zugleich für ihre zurückliegende Türkei-Politik kritisiert. "Grundsätzlich denke ich, dass die Regierung von Angela Merkel alle progressiven und demokratischen Kräfte in der Türkei zweimal verraten hat", sagte Yücel in einem Interview, das in den Zeitungen "Die Welt" und "taz" erschien. So habe Merkels Regierung einerseits im Jahr 2005 "den Türken klargemacht: Ihr kommt nicht in die EU, völlig egal, was ihr tut". Damals hätten die Zeichen in der Türkei noch auf Europäisierung gestanden, sagte Yücel. In dem ersten Interview nach seiner Freilassung gibt Yücel auch ausführlich Auskunft über sein privates Befinden und die Folgen der Inhaftierung. Es gehe ihm sehr gut, betonte der 44-Jährige. Seine Frau, seine Anwälte und die "FreeDeniz"-Solidarität seien ihm in Gefängnis eine große Stütze gewesen. Im Gefängnis sei er ein letztes Mal wütend gewesen, betonte Yücel: "Aber als ich vor das Gefängnistor trat, war das vorbei. Damit ist nichts vergessen und schon gar nicht vergeben. Aber meine Wut habe ich im Gefängnis gelassen." Für ihn gehöre es dazu, "sich nicht fertig machen zu lassen: nicht verbittert rauszukommen".

Leipziger Buchmesse endet mit Besucherrückgang

Winterwetter hinderte Besucher bei der An- und Abreise

Die Leipziger Buchmesse hat 2018 weniger Besucher angezogen als noch im Vorjahr. Insgesamt besuchten 271.000 Menschen das Messegelände und die Veranstaltungen in der Stadt, wie die Veranstalter mitteilten. Im vergangenen Jahr waren es 285.000 gewesen. Ein Grund für den Rückgang dürfte die Rückkehr des Winters gewesen sein. Am Samstag fielen in Leipzig rund zehn Zentimeter Neuschnee, der Hauptbahnhof war zeitweise komplett gesperrt. Auf der Buchmesse präsentierten sich mehr als 2.600 Aussteller aus 46 Ländern. Gastland war Rumänien. Auch die Comicmesse "Manga-Comic-Con" hatte wieder ihren Platz auf dem Branchentreff. Prägendes Thema der Messe war die Kontroverse um Meinungsfreiheit und den Umgang mit rechten Publizisten. Tumulte wie auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2017 blieben dabei weitgehend aus.

Berliner Autor Michael Rutschky ist tot

"Meister der Beiläufigkeit" und "Alltagsmythenerkunder" wurde 74 Jahre alt

Der Essayist, Autor und Fotograf Michael Rutschky starb nach längerer Krankheit in Berlin, wie die Deutsche Presse-Agentur aus dem nahen Umfeld des Autors erfuhr. Zuletzt waren von ihm 2017 die Tagebuchaufzeichnungen "In die neue Zeit" erschienen. Darin berichtet er über seine Sicht auf die deutsche Umbruchphase 1988 bis 1992. Rutschky, geboren am 25. Mai 1943 und aufgewachsen im hessischen Spangenberg, galt lange als Teil der Westberliner Bohème. Er studierte Soziologie, Literatur und Philosophie. Der Buchautor ("Wie wir Amerikaner wurden"; "Das Merkbuch. Eine Vatergeschichte.") arbeitete auch für Zeitungen und Zeitschriften, etwa für "Merkur" und "Transatlantik", sowie für Radio und Fernsehen. Erst als Rutschky 1997 den Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste Berlin-Brandenburg erhielt, wurde sein Werk breiter gewürdigt. Seine langjährige Frau, die Publizistin Katharina Rutschky ("Schwarze Pädagogik"), war 2010 gestorben.

Tellkamp unterzeichnet "Erklärung 2018"

Gegen "illegale Masseneinwanderung"

Mehrere Autoren fordern in der "Erklärung 2018", "dass die rechtsstaatliche Ordnung an den Grenzen unseres Landes wiederhergestellt wird". Zu den Unterzeichnern der im Internet veröffentlichten Erklärung gehört der Dresdner Schriftsteller Uwe Tellkamp, dessen Kritik an der Flüchtlingspolitik vorige Woche eine Kontroverse ausgelöst hatte. Initiatorin der "Erklärung 2018" ist die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld. Zu den Unterzeichnern zählen weitere prominente Autoren wie Henryk M. Broder und Thilo Sarrazin.

Ermittlungen gegen Datenanalysefirma

Die Firma soll Facebook-Daten für Trump-Wahlkampf nutzbar gemacht haben

Die Staatsanwaltschaft des US-Bundesstaates Massachusetts hat Ermittlungen gegen die Datenanalysefirma Cambridge Analytica eingeleitet. Anlass dafür seien Berichte, Cambridge Analytica habe private Information von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern ausgewertet und mit den Analyse-Ergebnissen den Wahlkampf von Donald Trump unterstützt. "New York Times" und "Observer" hatten zuvor über die Kooperation von Trumps Wahlkampfteam mit Cambridge Analytica berichtet. Facebook hatte am Freitag mitgeteilt, dass es die Kooperation mit der Analysefirma wegen Verletzung der Datenschutzbestimmungen beende.Laut "Observer" hat Cambridge Analytica Daten von Facebook-Mitgliedern ohne deren Zustimmung genutzt, um ein Programm zu erstellen, mit dem Wahlentscheidungen vorhergesagt und beeinflusst werden können.

Gertrud-Eysoldt-Ring für Sophie Rois

Sie wird für ihre Rolle als Hexe in Goethes "Faust" ausgezeichnet

Die Schauspielerin Sophie Rois ist mit dem Gertrud-Eysoldt-Ring geehrt worden. Sie erhalte den mit 10 000 Euro dotierten Preis auch "als ausdrückliche Würdigung für ihr langjähriges Bekenntnis zum Ensembletheater an der Berliner Volksbühne", heißt es in der Begründung der Jury. Das Gremium attestierte der Schauspielerin "Professionalität, inhaltliche Unbestechlichkeit und ungeheuren Spielwitz". Die Auszeichnung, die als einer der bedeutendsten Theaterpreise im deutschsprachigen Raum gilt, wurde der 56-Jährigen im hessischen Bensheim überreicht. Rois gehörte seit 1993 zum festen Ensemble der Volksbühne. Nach der Ernennung des umstrittenen neuen Intendanten Chris Dercon reichte sie die Kündigung ein.

Vorwürfe gegen Oscar-Präsidenten

Academy untersucht Anschuldigungen der sexuellen Belästigung

Dem Präsidenten der Oscar-Academy, John Bailey, wird sexuelle Belästigung vorgeworfen. Das berichtet exklusiv das Branchenblatt "Variety". Danach habe die Academy Untersuchungen zu drei Anschuldigungen eingeleitet. In einem Statement heiß es, die Academy behandle alle Beschwerden vertraulich, um alle Parteien zu schützen. Man werde sich nicht weiter äußern, bis die vollständige Überprüfung abgeschlossen sei. John Bailey, der seit August 2017 Präsident der Institution ist, hat als Kameramann unter anderem in dem Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" mitgewirkt. Die Amtszeit des Präsidenten beträgt regulär vier Jahre.

Kettensägen-Kunstaktion in Athen

Deutscher Künstler zersägt vergoldete Holztafel auf Athener Syntagma-Platz

Der deutsche Maler und Installationskünstler Winfried Muthesius hat am Athener Syntagma-Platz mit einer Kettensäge eines seiner Werke, eine zweimal zwei Meter große goldfarbene Holztafel, zersägt. Die Aktion beobachteten Hunderte Passanten, die Sägegeräusche waren weit über den Syntagma-Platz hinaus zu hören. "Ich mache damit auf die Umweltzerstörung aber auch auf die Gefahren für die Demokratie aufmerksam", erklärte Muthesius. Menschenrechte würden "ausgehöhlt, politische und soziale Systeme geraten ins Wanken und antidemokratische Ideen leben wieder auf". Die Späne und die zersägten Kleinteile der Bildtafel aus Muthesius' Serie "Golden Field" sollen im Athener Numismatischen Museum ausgestellt werden. Dann sollen sie verbrannt und die Asche ins Ägäische Meer geworfen werden.

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Fazit

"Staatssicherheitstheater"Ein Ventil für Gegenwartsekel
Drei Männer lesen einen Stadtplan Berlin, den sie auf den Rücken eines vierten Mannes gelegt haben, der vor ihnen sitzt. (Harald Hauswald/Volksbühne Berlin)

In Leander Haußmanns "Staatssicherheitstheater" sieht unser Kritiker viele Männer mit Handtäschchen in krustigen Klamotten. Deren Stasi-Tätigkeit taugt Haußmann, um Abscheu über die Gegenwart auszudrücken. Doch mit dem Jahr 2018 hat das wenig zu tun.Mehr

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