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Im Gespräch | Beitrag vom 08.09.2020

Ex-Korrespondent Friedbert MeurerTurbulente Jahre in London

Moderation: Britta Bürger

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Zahlreiche Menschen auf einem Platz in London. (Unsplash/abi ismail)
Fünf jahrelang konnte Friedbert Meurer als Korrespondent das Wesen der Briten erkunden. (Unsplash/abi ismail)

Fünf Jahre Ausnahmezustand: Drei verschiedene Premierminister, drei Wahlen und schließlich der Brexit. Über diesen Politthriller in Großbritannien hat Friedbert Meurer täglich berichtet. Und: Er traf sein Musikidol Pete Townshend in London.

"Ich habe es als meine Aufgabe empfunden, zu erklären, warum die Briten anders ticken und zu sagen, jetzt habt nicht so eine Angst vor Johnson – das ist kein Monster." So beschreibt Friedbert Meurer seine Rolle als Auslandskorrespondent, die stark vom Brexit geprägt war. Für seine Nachfolgerin vermutet er allerdings, dass nicht der Brexit, sondern Schottland und ein zweites Referendum zum Hauptthema werde.

Die BBC als Vorbild

In den fünf Jahren als Korrespondent hat Meurer die Briten besser verstehen gelernt. Deren emotionale Kontrolle wäre der größte Unterschied zu Deutschen. Als Journalist hat Friedbert Meurer natürlich auch auf die BBC geschaut. Gerade die Art der Interviewführung hat ihn fasziniert.

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"Was ich mir bei der BBC abgeschaut habe, ist die Fähigkeit, von den Moderatoren, lebhafte, kritische, kontroverse Interviews zu führen. Es sind keine Emotionen hörbar. Das ist lebendig. Aber sie werden nie erleben, dass jemand aus der Reserve gelockt wird. Immer cool, immer souverän, immer klar."

Warum wählten die Briten den Brexit?

Mit dem Brexit hatte Friedbert Meurer nicht gerechnet. Jahrelang hat er sich mit der Frage beschäftigt, was die Briten bewegt, die für den Brexit gestimmt haben. Lösen konnte er diese Frage nur teilweise. Auf der Suche nach einer Antwort ist ihm bewusst geworden, dass die Sozialisation eine ganz wichtige Rolle spielte. Die Bedeutung der EU für die Deutschen sei ganz stark durch den Zweiten Weltkrieg geprägt. In Großbritannien hätte man einen ganz anderen Fokus.

Porträt von Friedbert Meurer an seinem Schreibtisch. (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Das Interview mit dem Gründer der Brexit-Partei Nigel Farage sei die größte Herausforderung gewesen, so Friedbert Meurer. (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)
"Offenbar haben die Briten es nicht für nötig erachtet, etwas aus ihrer Geschichte auszuradieren." Stattdessen seien sie vielmehr stolz auf ihre Geschichte. Und dieser Stolz auf die eigene Geschichte und Identität habe eine große Rolle bei der Brexit-Entscheidung gespielt. Nachdem Friedbert Meurer das Brexit-Gezerre aus nächster Nähe verfolgt hat, ist er dennoch optimistisch, dass es zu einer Einigung mit der EU kommt. Die Drohung eines "No Deal", das wäre ein Bluff von Boris Johnson.
 

"Das Interview mit Nigel Farage war das schwierigste"

In seiner Zeit als Auslandskorrespondent ist Friedbert Meurer nah an die wichtigen Polit-Protagonisten des Landes herangekommen. Er traf die ehemalige Premierministerin Theresa May, auch den Gründer der Brexit-Partei Nigel Farage. "Er ist rhetorisch genial. Wirklich mit allen Wassern gewaschen. Mein Englisch ist mit den Jahren immer besser gewesen, aber es ist ja immer ein kleines Handicap, wenn man nicht als Native-Speaker so ein Interview führt. Ich glaube, das war das schwierigste Interview."

Sein persönliches Highlight war jedoch die Begegnung mit seinem Musikidol Pete Townshend. Den Gründer von "The Who" traf Friedbert Meurer, als der sein neues Buch vorstellte. "Wir haben uns so gut wie gar nicht über den Roman unterhalten." Pete Townshend hat das offensichtlich nicht gestört. Noch heute erinnert Friedbert Meurer ein gemeinsames Foto an dieses Interview. Pete Townshend blickt dabei freundlich in die Kamera.

(jud)

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