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Interview / Archiv | Beitrag vom 01.03.2018

Ex-Goldman-Sachs-Manager Thomas MayerDie Serie "Bad Banks" im Realitäts-Check

Thomas Mayer im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Filmstill aus der ZDF-Serie "Bad Banks" (Letterbox/Sammy Hart)
Szene aus "Bad Banks": Der Druck unter den Bankern ist hoch. (Letterbox/Sammy Hart)

Koksende Banker, Kundengespräche im Striplokal, skrupellose Geldgeschäfte: Das ist das Leben der Banker - zumindest wie "Bad Banks" es zeigt. Der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank und Ex-Goldman-Sachs-Manager Thomas Mayer hat sich die TV-Serie angeschaut.

Tumultartige Szenen vor den Geldautomaten: Es gibt kein Cash mehr. Die Szene erinnert an die Pleite von Lehmann Brothers, als Banker entlassen wurden, und ihre letzten Habseligkeiten aus ihren Büros holten. Die Serie "Bad Banks" nimmt diese Szene am Anfang vorweg und springt dann ein halbes Jahr zurück, steigt ein in das Leben der jungen Bankerin Jana Liekam (gespielt von Paula Beer).

"Der Alltag ist nicht ganz so wild"

"Die Serie macht Spaß", sagt Thomas Mayer. "Aber ich muss sagen, der Alltag sieht nicht ganz so wild aus, wie es in dem Film dargestellt wird." Mayer kennt diese Welt. Er arbeitete bei der US-Investmentbank Goldman Sachs, war einst Chefvolkswirt der Deutschen Bank, derzeit baut er für die Vermögensverwaltung Flossbach von Storch AG in Köln eine Denkfabrik auf. Ein Klassiker sei natürlich das Klischee des Kokain-schnupfenden Bankers. "Ich habe das nie erlebt", stellt Mayer klar. Es werde durchaus vieles richtig angerissen, aber zugleich filmisch überhöht.

Hören Sie auch unsere Serien-Kritik von Michael Meyer, der zudem mit dem Regisseur Christian Schwochow und der Produzentin Lisa Blumenberg gesprochen hat.

Was ist eigentlich ein Cat Bond?

"Man sollte – genauso wie bei House of Cards – nicht denken, dass die Realität genauso abläuft." Und dann spricht der Volkswirt aus ihm: "Man würde sich wünschen, dass der Zuschauer mehr darüber erfährt, was da tatsächlich vor sich geht." Er habe den Eindruck, dass keiner so richtig verstehen werde, worum es eigentlich geht, wenn Stichworte wie "Cat Bonds" fallen und von Bilanzfälschungen die Rede ist.

Die Realität ist männerdominiert

Im Zentrum der Serie steht das Duell zweier Frauen: Die junge Bankerin Liekam gegen ihre über 20 Jahre ältere Ex-Chefin Christelle LeBlanc, gespielt von Desirée Nosbusch. "Es gab immer starke Frauen", meint Thomas Mayer zum Geschlechterverhältnis in der Branche, "von daher ist 'die Jana' nicht ganz unbekannt, aber der Wandel hin zu mehr Beteiligung von Frauen ist sehr sehr langsam und sehr sehr schwierig. Es ist immer noch ein ganz stark männerdominiertes Geschäft."

Die beiden Protagonistinnen in "Bad Banks" stehen sich in ihrer Skrupellosigkeit und in ihrem Ehrgeiz beim Kampf um Macht, Geld und Position in nichts nach. Es gebe durchaus viel Druck, sagt Mayer, dennoch habe er weniger Intrigen erlebt, als dort gezeigt würden. "Man weiß eigentlich ziemlich genau, woran man ist. Die Geschäfte klappen oder sie klappen nicht."

"Was ist Gier?"

Auch um die Gier der Banker geht es in der Serie. "Was ist Gier?", relativiert Mayer in Bezug auf seine Branche. "Jeder möchte einen guten Job machen", sagt Mayer. "Das Interessante bei der Geldbranche ist, dass der Erfolgsmaßstab am Ende Geld ist." Es gebe viele reiche Leute, die gar nicht mehr arbeiten müssten. "Aber das machen sie gar nicht für das Geld per se, sondern, weil sie in diesem Geschäft drin sind, weil sie was erreichen möchten."

Bad Banks (Regie: Christian Schwochow)
Donnerstag ab 20 Uhr 15 auf ARTE, ab Samstag dann im ZDF.
Alle Folgen sind auch in der ARTE- und der ZDF-Mediathek verfügbar.

(uz)

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