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Interview / Archiv | Beitrag vom 24.05.2017

Evangelischer Kirchentag Geschichten von der Zuwendung Gottes zum Einzelnen

Anne Françoise Weber im Gespräch mit Liane von Billerbeck

Auf orangefarbenen Fahnen steht "Du siehst mich"  (dpa/Lino Mirgeler)
"Du siehst mich" ist das Motto des 36. Evangelischen Kirchentags (dpa/Lino Mirgeler)

Eine Online-Petition gegen die Teilnahme eines AfD-Mitglieds, Kritik am Auftritt Barack Obamas mit Angela Merkel – schon im Vorfeld des heute beginnenden Evangelischen Kirchentags gibt es heftige Diskussionen. Er steht unter dem biblischen Motto "Du siehst mich".

Heute Abend beginnt der 36. Evangelische Kirchentag in Berlin: Rund 100.000 Dauerteilnehmer werden erwartet, 2100 Veranstaltungen stehen auf dem Programm. "Du siehst mich" heißt das diesjährige Motto, das überall in der Stadt auf orangenen Plakaten zu sehen ist.

Das Motto des Kirchentags stecke auch einen bestimmten thematischen Rahmen des Programms ab, erläutert unsere Religionsredakteurin Anne Françoise Weber. Es stamme aus dem Alten Testament, dem ersten Buch Mose, und beziehe sich auf die Geschichte um Hagar, der Sklavin von Abrahams Frau Sarah:

"Hagar wird von Sarah schlecht behandelt. Hagar flieht in die Wüste. Und dort spricht ihr dann Gott Mut zu. Und sie antwortet: 'Du bist ein Gott, der mich sieht.' Und das wird dann eben zu 'Du siehst mich' Es ist also eine Geschichte von Flucht, von Unterdrückung. Und von der Zuwendung Gottes zur Einzelnen."

Flucht und Unterdrückung sind Themen-Schwerpunkte 

Das Thema Flucht und Unterdrückung seien immer wieder Schwerpunkte des Kirchentag-Programms. So werde etwa beim heutigen Auftakt auf dem Tempelhofer Feld der Opfer von Flucht und Vertreibung gedacht, unter dem Titel "Verfolgt, geflüchtet , gesehen". Dabei werde ein breiter Bogen von einem ehemaligen Konzentrationslager am Tempelhofer Columbiadamm bis zu den Flüchtlingen von heute gespannt - einige sind noch immer in Teilen des alten Flughafengebäudes untergebracht.   

Leistet Barack Obama Wahlkampfhilfe für die CDU? 

Barack Obama wird am Donnerstag gemeinsam mit Angela Merkel über das Gestalten von Demokratie diskutieren. Kritiker sehen darin eine Art Wahlkampfhilfe für die CDU und die Bundeskanzlerin. Dieser Effekt könne schon eintreten, meint Weber:

Anne Françoise Weber (Deutschlandradio - Bettina Straub)Anne Françoise Weber (Deutschlandradio - Bettina Straub)

"Ich glaube auch, dass die CDU und Frau Merkel sich darüber freuen. Und dass Herr Obama vielleicht auch nicht ganz böse ist. Ich würde trotzdem dem Kirchentags-Team nicht unterstellen, dass sie Obama deswegen eingeladen haben. Ich glaube,m die wollten einfach noch ein bisschen Glamour haben. Es war auch die Rede davon, dass Michelle Obama beim Abschlussgottesdient predigen soll. Das ist nicht geschehen. Jetzt kommt ihr Mann."

Obama sei ja ein engagierter Christ:

"Er kommt aus einer Kirche, die viel Basisarbeit leistet. Und der Kirchentag will sich auch immer noch als Basisbewegung verstehen."

Umstrittene Diskussion mit Anette Schultner von der AfD

Umstritten sei allerdings die geplante Diskussion von Landesbischof Dröge mit Anette Schultner, der Vertreterin der Christen in der AfD:

"Da gab es viel Diskussion im Vorfeld. Der Katholikentag letztes Jahr hatte ja entschieden, keine AfD-Leute aufs Podium zu nehmen. Der Kirchentag hat jetzt gesagt: 'Wir nehmen sie, wenn sie sich nicht menschenfeindlich geäußert haben. Da kam die ganze Parteispitze nicht in Frage. Aber bei Frau Schultner fand man: Die kann man auf die Bühne holen. Es gibt aber eine Online-Petition dagegen." (ue)

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