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Religionen | Beitrag vom 07.06.2020

Evangelikale Radios in den USAIn Trump we trust

Von Arndt Peltner

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Örtliche religiöse Führer beten während einer "Evangelikale für Trump"-Kundgebung im King Jesus International Institut in Miami (2020). (The Washington Post/ Getty Images/ Scott McIntyre)
Im letzten wie im jetzigen Wahlkampf setzt Trump auf die Evangelikalen als Unterstützer. (The Washington Post/ Getty Images/ Scott McIntyre)

Im konservativen Mississippi, im "Bible Belt" hat US-Präsident Donald Trump viele Anhänger. Hier sitzt eine der führenden Organisationen der fundamentalistischen Evangelikalen und "missioniert" per Radio. Doch "agitieren" trifft es besser.

"And now a warrior for the word of God and the constitution of the United States …" 

So beginnt die Sendung "The Awakening" von Bishop E. W. Jackson, ausgestrahlt auf dem Radionetzwerk "American Family Radio" auf über 180 Stationen im ganzen Land. "American Family Radio" gehört zur "American Family Association", einer christlich-fundamentalistischen Organisation, die 1977 von Don Wildmon in Tupelo im Bundesstaat Mississippi gegründet wurde.

Das Ziel war – und ist – gegen die "Verwahrlosung Amerikas", gegen die, wie sie sagen "Homosexualisierung der Gesellschaft", gegen Pornografie und für die traditionellen christlichen Familienwerte einzutreten.

Vermischung von Religion und Politik

Mississippi ist ein konservativer Bundesstaat in den USA, mitten im "Bible Belt", dem Bibelgürtel der Südstaaten.

Tupelo gilt in dieser Region als etwas liberaler. Bekannt ist die Kleinstadt vor allem als Geburtsort von Elvis Presley. An Elvis kommt man hier nicht vorbei: man begegnet ihm in Statuen und Gedenktafeln, in Bildern und Andenken.

Doch um Elvis Presley geht es weder bei der "American Family Association" noch bei ihrem Radionetzwerk. Dort verbindet man ganz unverblümt Religion mit Politik.

Man dürfe zwar keinen Kandidaten offen unterstützen, aber man spreche viel darüber, wie sich Kandidaten positionierten, erklärt Tim Wildmon, Sohn des Gründers und seit letztem Jahr "Spirtual Adviser" von Donald Trump, Berater in religiösen Fragen.

"Ich wurde vor ein paar Monaten dazu eingeladen, Teil des ‚Faith Advisory Council‘ von Präsident Trump zu sein", berichtet Wildmon. "Es ist keine bezahlte Stelle, es ist vielmehr ein Gremium christlicher Führer aus allen Teilen Amerikas, die vom Präsidenten und seinem Team gefragt wurden, für ihn zu beten – denn er glaubt an Gebete – und ihn auch in Bezug auf uns Christen zu beraten."

Trump als Verteidiger des Christentums

Schon früh im Präsidentschaftswahlkampf 2016 hatten die verschiedenen Gruppen und Gemeinschaften der Christlichen Rechten in den USA auf Donald Trump gesetzt, denn dieser sprach genau das aus, was sie hören wollten:

"So let me state this right up front. In a Trump administration, our Christian heritage will be cherished, protected, defended, like you’ve never seen before".

"Viele Christen hatten Vorbehalte gegen Donald Trump", erzählt Tim Wildmon. "Er war kein Konservativer, er war sicherlich kein Christ im eigentlichen Sinne. Er lebte lange als Playboy, war mehrmals verheiratet und er hatte nicht gerade den besten Charakter. Aber er machte eine Menge Versprechungen im Wahlkampf und viele Christen meinten, er sollte eine Chance bekommen. Gerade im Bezug auf die Einsetzung von Pro-Life Richtern, also Richtern, die gegen Abtreibung sind. Ich kann mich an keinen anderen republikanischen Kandidaten erinnern, der das so offen ansprach. Trump erklärte auch, er werde dieses Land sicherer machen. Das sprach viele christliche Wähler an und er lud uns ein, Teil seiner Regierung zu werden. Das sieht man auch daran, dass er Mike Pence zum Vize-Präsidenten machte."

Vize-Präsident Pence ist ein Evangelikaler

Mike Pence, der sich selbst als "born again Christian" versteht und einer evangelikalen Kirche angehört, ist für Wildmon und andere der direkte Kontaktmann in der Regierung. Mit ihm haben sie jemanden, der ihre Ideen von Ehe, Erziehung und Abtreibung umsetzen kann und das auch macht. Solch einen direkten Draht hatten sie bislang noch nicht ins Weiße Haus.

Dieser Schulterschluss zwischen der Trump-Regierung und den Evangelikalen wird auch deutlich, wenn man sich die Sendungen von "American Family Radio" anhört. So auch in der täglichen Talk Show "Focal Point" mit Bryan Fischer, den das "Southern Poverty Law Center" einmal als jemanden bezeichnete, der offen Hassparolen verbreitet.

Zwei weiße Männer mittleren Alters, ausgestattet mit Headsets, sitzen in einem Rundfunk-Sendestudio, einer davon in rotem Pulli und mit Baseball-Mütze, auf dem Tisch Laptops, Unterlagen und ein Kaffeebecher. (Arndt Peltner)Tim Wildmon (im roten Pulli) während seiner täglichen Sendung beim "American Family Radio". (Arndt Peltner)

Donald Trump wird Tag für Tag in den Sendungen verteidigt und als jemand gepriesen, der für die Christen im Land kämpft. Neben AFR unterhält die Family Association auch noch eine Presseagentur mit täglichen evangelikalen Nachrichten und Sichtweisen, dazu wird ein Newsletter verschickt, der nach eigenen Angaben mehrere Millionen Menschen in den USA erreicht.

"Präsident Trump hätte ohne die evangelikalen, christlichen Stimmen 2016 nicht gewinnen können", meint Tim Wildmon. "Und er weiß, dass das auch für die kommende Wahl so ist."

Trump kann auf Evangelikale bauen

In Zeiten von Covid-19, dem "Social Distancing", dem In-den-eigenen-vier-Wänden-bleiben, sind die weit verbreiteten und viel gehörten Radiosendungen des "American Family Radios" Gold für Donald Trump. Ein offener, direkter Wahlkampf ist derzeit nicht möglich.

Trump hat damit einen Vorteil, denn ein Radionetzwerk, das den Kandidaten der Demokraten derart preisen würde, gibt es nicht. Millionen von Amerikanern schalten ein und hören zu, wie die Evangelikalen der "American Family Association" für ihren Kandidaten ins Feld ziehen, um den "Culture War", den Kulturkrieg in den USA zu gewinnen. Sie sind zum Sprachrohr für Donald Trump geworden.

"Hier ist Brian Fisher mit der ‚Life & Liberty‘-Minute. Eines der andauernden Rätsel in dieser Coronavirus Panik, ist die Weigerung der Gesundheitsbürokraten Hydroxychloroquine oder HCQ als Behandlungsmöglichkeit gegen das Chinesische Virus einzusetzen."

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