Dienstag, 20.11.2018
 

Kulturnachrichten

Montag, 29. Oktober 2018

Eva Menasse wird neue Stadtschreiberin in Mainz

Jury würdigt ihr Engagement gegen Diskriminierung und rechte Hetze

Die in Wien geborene Romanautorin Eva Menasse (u.a. "Quasikristalle", 2013) gewinnt den Preis des Mainzer Stadtschreibers. Die Entscheidung für den zum 35. Mal vergebenen Literaturpreis verband die Jury mit der Würdigung für "eine große Menschenerzählerin, die mit feiner Empathie und scharfsinnigem Humor über fragile Beziehungen schreibt". Sie gestalte ihre Figuren mit großer sprachlicher Präzision und beschreibe Situationen mit feinsten Nuancen. Zugleich mische sich Eva Menasse öffentlich ein, streite wirkungsvoll für Grundrechte im digitalen Zeitalter und wende sich engagiert gegen Diskriminierung und rechte Hetze. Der gemeinsame Preis von ZDF, 3sat und der Stadt Mainz besteht zu einem Teil aus der Option in der Stadtschreiberwohnung am Mainzer Dom zu wohnen, zum anderen Teil aus einem Preisgeld von 12 500 Euro. Die Auszeichnung soll voraussichtlich Anfang März 2019 überreicht werden. Eva Menasse werde Nachfolgerin der aktuellen Stadtdschreiberin Anna Katharina Hahn, teilte die Stadt Mainz mit.

DOK Leipzig-Festivalchefin: Frauenquote ein Erfolg

Zeit reif, sich als Kulturinstitution für Geschlechtergerechtigkeit einzusetzen

Die Einführung einer Frauenquote beim Dokumentarfilmfestival DOK Leipzig ist aus Sicht der Direktorin ein Erfolg. Das Ziel von mindestens 40 Prozent Filmen unter weiblicher Regie im Deutschen Wettbewerb sei sogar übertroffen worden, erklärte Leena Pasanen zur Eröffnung von DOK Leipzig. Das Festival hatte die Quote in diesem Jahr eingeführt. Die Zeit sei reif, sich als Kulturinstitution für Geschlechtergerechtigkeit stark zu machen, erklärte die Festivaldirektorin. DOK Leipzig steht in diesem Jahr unter dem Motto "Fordert das Unmögliche". In den Sonderreihen liegt der Schwerpunkt auf Filmen, die Umbrüche und Hoffnungen in Vergangenheit und Gegenwart thematisieren. Bis zum 4. November werden insgesamt 306 Filme aus 50 Ländern gezeigt.

China erlaubt zum Teil Handel mit Wildtierprodukten

Nashorn- und Tigerprodukte für Krankenhäuser und kulturellen Austausch

China will den Handel mit Körperteilen bedrohter Tierarten wie Nashörner und Tiger erlauben. Ausnahmen beim bisherigen Verkaufsverbot solle es etwa zu Heilzwecken, für die Forschung und aus kulturellen Gründen geben, erklärte der Staatsrat in Peking. China beteuerte, der Handel solle streng reguliert werden. So können Puder von Nashorn-Hörnern und Tigerknochen nur an Krankenhäusern genutzt werden, die offiziell von der Behörde für Traditionelle Chinesische Medizin zertifiziert sind. Die Behörden für Tourismus und kulturelles Vermächtnis sollen die Verwendung von Nashorn- oder Tigerprodukten für einen "vorübergehenden kulturellen Austausch" genehmigen müssen. Dennoch befürchten Tierschützer, dass der legalisierte Handel als Deckmantel für illegale Geschäfte dienen wird. Die Neuregelung werde "Nachfrage erzeugen, die nach dem Verbot bereits zurückgegangen war", erklärte Margret Kinnaird vom World Wildlife Fund (WWF). China hatte 1993 den Handel mit Nashorn-Hörnern und Tigerknochen verboten, konnte aber laut Umweltschützern einen florierenden Schwarzmarkt mit über Vietnam eingeführten Produkten nicht verhindern.

Deutscher Preis für Denkmalschutz vergeben

Höchste Auszeichnung auf diesem Gebiet in Deutschland

Mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz sind in diesem Jahr elf Persönlichkeiten und fünf Vereine für ihr Engagement für den Erhalt des baulichen und archäologischen Kulturerbes ausgezeichnet worden. Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD), die auch Präsidentin des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz ist, überreichte die Preise im französischen Straßburg. Der Deutsche Preis für Denkmalschutz ist die höchste Auszeichnung auf diesem Gebiet in Deutschland und wird in vier Kategorien verliehen. Silberne Halbkugeln erhielten in diesem Jahr Vereine aus Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Niedersachsen. Außerdem wurden unter anderem Architekturtheoretiker Jerzy Ilkosz und eine Reihe von Journalisten von ZDF, RBB und der Süddeutschen Zeitung geehrt. Der Internetpreis ging an die Herausgeber des Online-Magazins für Baukultur, moderne-regional.de, Karin Berkemann, Daniel Bartetzko und Julius C. Reinsberg.

11. Berlin Biennale: Kuratorinnen-Team vorgestellt

Das gemischtgeschlechtliche Team identifiziere sich als weiblich

Die Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst hat die Kuratorinnen für die 11. Ausgabe der Kunstschau bekannt gegeben. Das generationsübergreifende vierköpfige Team wird aus drei Frauen und einem Mann bestehen: María Berríos, Renata Cervetto, Lisette Lagnado und Agustín Pérez Rubio. Laut einer Pressemitteilung identifiziere sich das Team als weiblich und setze auf eine Zusammenarbeit, in der jede einzelne Stimme der kuratorisch Verantwortlichen zum Ausdruck komme. Die 11. Ausgabe der Biennale wird im Sommer 2020 stattfinden. Die Kulturstiftung des Bundes bleibt mit drei Millionen Euro Hauptförderer des Kunstevents.

Studie: Ost- und Westeuropäer denken anders

Befragung auch zu Religionstoleranz und Gefühl kultureller Überlegenheit

In ihrer Haltung zu zentralen gesellschaftlichen Fragen unterscheiden sich Ost- und Westeuropäer deutlich. Zu diesem Ergebnis kommt das US-Forschungsinstitut Pew Research Center nach Umfragen mit rund 60.000 Erwachsenen in 34 Ländern. Als Folge von Europas Trennung nach dem 2.Weltkrieg gebe es noch immer große Unterschiede zu den Einstellungen zu Religion, Minderheiten und sozialen Themen, wie gleichgeschlechtliche Ehe und legale Abtreibung, so die Analysten. In Tschechien könnten sich zum Beispiel nur 12 Prozent vorstellen einen Muslim als neues Familienmitglied zu akzeptieren. Am Offensten waren dagegen Niederländer mit 88 Prozent. Deutschland lag diesbezüglich mit 55 Prozent im Mittelfeld. Für jüdische Familienmitglieder zeigten sich die Befragten generell aufgeschlossener. Große Gegensätze zwischen Ost und West gebe es bei der Einstellung gleichgeschlechtlicher Ehen. Neun von zehn Russen seien gegen gleichgeschlechtliche Ehen. In den meisten Ländern Westeuropas sind dagegen solche Partnerschaften im Gesetz vorgesehen. In Deutschland sind 75 Prozent der Befragten dafür.

Kirche mit Gedenktag für Missbrauchsopfer

Katholische Bischöfe folgen Anregung des Papstes

Die katholischen Bischöfe in Deutschland richten einen eigenen Gedenktag für Opfer sexuellen Missbrauchs ein. Damit wollten sie eine Anregung von Papst Franziskus aufgreifen, teilte die Deutsche Bischofskonferenz in Bonn mit. Der Gedenktag soll im zeitlichen Umfeld des vom Europarat initiierten "Europäischen Tages zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch" begangen werden. Dieser findet jeweils am 18. November statt. Der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz Stephan Ackermann rief alle Katholiken dazu auf, für die Opfer sexuellen Missbrauchs zu beten. "Indem wir öffentlich für die Opfer beten, wollen wir unsere Solidarität mit ihnen zum Ausdruck bringen. Zugleich soll dadurch die Sensibilität für die Thematik wachgehalten und die Kultur der Achtsamkeit gefördert werden." Für die katholische Kirche in Deutschland war im September eine Studie über sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch Geistliche vorgestellt worden. In den kirchlichen Akten der Jahre 1946 bis 2014 hatten die Forscher Hinweise auf 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe und auf rund 1.670 beschuldigte Priester, Diakone und Ordensleute gefunden.

Jazzpreis Berlin für Axel Dörner

Trompeter steht für experimentelle Musik

Der Trompeter Axel Dörner erhält den Jazzpreis Berlin 2019. Auf Grundlage des zeitgenössischen Jazz habe Dörner eine neue Klangsprache auf seinem Instrument entwickelt, teilten das Land Berlin und der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) als Auslober des Preises mit. Ihm gehe es nicht um den Klang seines Instrumentes, sondern um Klang an sich. In Arnhem studierte Dörner zunächst Klavier, später, ab 1991, kam als Student der Musikhochschule Köln die Trompete dazu. Seit 1994 lebt Dörner in Berlin und gehört zur Szene der zeitgenössischen und experimentellen Musik. Zu seinen aufsehenerregenden Projekten gehört die Neuinterpretation der Kompositionen von Thelonious Monk, die er u.a. mit dem Pianisten Alexander von Schlippenbach einspielte. Axel Dörner wird der mit 15. 000 Euro dotierte Preis am 27. Juni 2019 bei einem Konzert im RBB überreicht.

Petersglocke im Kölner Dom läutet wieder

"Dicker Pitter" war aus Schutz demontiert worden

Eine der größten freischwingenden Glocken der Welt "Der dicke Pitter" des Kölner Doms wird wieder klingen. Nachdem 2016 Experten festgestellt hatten, dass nur eine neue Aufhängung drohende Risse an der Glocke verhindern könnte, war sie abgebaut worden. Mittlerweile sei die neue Aufhängung montiert, teilte die Dombauhütte mit und die St. Petersglocke werde zu Allerheiligen am Donnerstag erstmals wieder läuten. Die riesige, 24 Tonnen schwere Glocke war 1923 als Ersatz für ihre Vorgängerin – die Kaiserglocke - gegossenen worden. Diese war im Ersten Weltkrieg zu Kanonen umgeschmolzen worden.

Sascha Macht wird neuer Burgschreiber in Beeskow

Zur Aufgabe gehört schreibend die Identität der Region zu schärfen

Neuer Burgschreiber in Beeskow (Oder-Spree) wird der in Leipzig lebende Autor Sascha Macht. Mit seiner kraftvollen Sprache, seinem unverwechselbaren Sound und seiner Ironie habe er die Jury überzeugen können, teilte die Burg Beeskow mit. Macht werde während seines fünfmonatigen Aufenthaltes neben anderen Werken die sogenannten Burgprotokolle verfassen, in denen Eindrücke aus der Stadt und der Region reflektiert werden. Zudem solle der künftige Burgschreiber neben der eigenen literarischen Arbeit u.a. auch für Lesungen und Gespräche zur Verfügung stehen und sich in das gesellschaftliche Leben im Landkreis aktiv einbringen. Neben freier Logis erhält Macht ein Stipendium mit monatlich 750 Euro. Stadt und Landkreis finanzieren werden. Sein Amt tritt der 32-jährige Macht am kommenden Samstag an.

Liedermacher Ingo Insterburg ist tot

Erfolge gemeinsam mit Karl Dall

Der Liedermacher und Sänger Ingo Insterburg ("Ich liebte ein Mädchen") ist tot. Ende der 1960er hatte er gemeinsam mit Comedian Karl Dall, dem Schauspieler Jürgen Barz und dem Autor Peter Ehlebracht die Band Insterburg & Co gegründet und kultivierte mit der Komikergruppe den zeittypischen Blödelhumor. Das Ensemble erlangte Kultstatus mit einem neuen Typ von Unterhaltung auf der Bühne und war Vorbild für Comedians wie Otto und Mike Krüger. Insterburg trat später auch als Solokünstler auf, er war zudem Maler und schrieb Gedichte. Bis zum Frühjahr sei er auf Tournee gewesen, teilte sein langjähriger Musik-Manager Frank Nietschmit der Deutschen Presse-Agentur mit. Ingo Insterburg starb am vergangenen Samstag im Alter von 84 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit in Berlin.

Catherine Deneuve versteigert Saint Laurent Kleidung

Schauspielstar wurde Jahrzehnte vom legendären Modeschöpfer eingekleidet

Rund 300 Kleidungsstücke der französischen Schauspielerin Catherine Deneuve des Modedesigners Yves Saint Laurent sollen vom Auktionshaus Christie's versteigert werden. Die Kleider seien "Kreationen eines so talentierten Mannes", schrieb Deneuve in einer Mitteilung über ihren langjährigen Freund. Er habe "nur gearbeitet, um Frauen zu den Allerschönsten zu machen". Und sie trenne sich "nicht ohne Melancholie" von ihrem Haus in der Normandie, wo sie die Kleidung bisher aufbewahrte. Mehr als 40 Jahre lang kleidete Yves Saint Laurent die Schauspielerin ein, zum Teil mit eigens für sie entworfenen Kleidern und Accessoires. Christie's liess verlauten, dass die Auktion im Januar am Rande der Haute-Couture-Modenschauen in Paris stattfinden sollen. Deneuves Garderobe werde in den Räumlichkeiten des Auktionshauses und auch über das Internet versteigert.

Festakt zum Geburtstag des Kulturstaatsminister-Amtes

Berlin feiert 20-jähriges Bestehen des Amtes des Kulturstaatsministers

Das Amt des Kulturstaatsministers wird 20 Jahre alt. Zum Festakt am Montag im Berliner Humboldt-Forum wird neben Amtsinhaberin Monika Grütters auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) zu einer Rede erwartet. Mit Gründung des Amtes des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sei eine Kultur der Verständigung in der Gesellschaft "auf höchster Bundesebene verankert worden", heißt es in der Einladung. Eingeführt wurde das Amt, das ans Kanzleramt angegliedert ist, 1998 vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Erster Kulturstaatsminister war Michael Naumann (SPD). Der Bund fördert über das Amt kulturelle Einrichtungen und Projekte mit überregionaler Bedeutung. Die Kulturhoheit liegt in Deutschland bei den Bundesländern.

Studie: Berufsschulen fehlen viele Lehrer

Bis 2030 werden an Berufsschulen rund 60.000 neue Lehrkräfte benötigt

Rund 60.000 Lehrkräfte werden bis zum Jahr 2030 benötigt. Davon geht eine in Gütersloh veröffentlichte Studie des Bildungsforschers Klaus Klemm im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervor. Fast die Hälfte der aktuell etwa 125.000 Berufsschullehrer werde bis 2030 in Rente gehen. Neu ausgebildete Kräfte könnten die Lücke aber bei weitem nicht schließen. Die Berufsschulen treffe der Lehrermangel bereits seit Längerem besonders hart. Sie seien heute schon in hohem Maße auf Seiten- und Quereinsteiger angewiesen. Diese verfügen zwar im Allgemeinen über einen Hochschulabschluss, aber eben nicht fürs Lehramt. Jörg Dräger vom Stiftungssvorstand sprach von alarmierenden Zahlen. Ein Mangel an Berufsschullehrern schwäche das Ausbildungssystem. "Das nimmt Jugendlichen wichtige Bildungschancen und schadet der Wirtschaft." Da die Lücke sich erst in einigen Jahren besonders gravierend auftun werde, bleibe noch Zeit für eine bundesweite Strategie. Vor allem müsse es deutlich mehr Studienplätze für Berufsschullehrer geben.

Filmfest DOK Leipzig beginnt

Motto "Fordert das Unmögliche!" mit Schwerpunkt auf 1968

Das 61. Filmfest DOK Leipzig wird am Montagabend mit dem Film "Meeting Gorbachev" von Werner Herzog ("Fitzcarraldo") eröffnet. Mit Co-Regisseur André Singer hat Herzog ein Porträt des einstigen sowjetischen Staatsoberhaupts geschaffen. Michail Gorbatschow hatte den Lauf der Geschichte des 20.
Jahrhunderts maßgeblich beeinflusst. Das Festival widmet sich bis zum 4. November den Umbrüchen und Hoffnungen in Vergangenheit und Gegenwart.
Insgesamt werden während der Festivalwoche 306 Filme aus 50 Ländern gezeigt, weniger als letztes Jahr. Dafür dürfen sich die diesjährigen Preisträger über gestiegene Prämien freuen. Nach Angaben der Festivalleitung werden Preisgelder in Höhe von mehr als 78 000 Euro vergeben. Die Verleihung der goldenen und silbernen Tauben findet am Samstagabend statt. Für die 160 Filme in der offiziellen Auswahl gilt bei der Regie erstmals eine Frauenquote von 40 Prozent.

Kulturnachrichten hören

Oktober 2018
MO DI MI DO FR SA SO
1 2 3 4 5 6 7
8 9 10 11 12 13 14
15 16 17 18 19 20 21
22 23 24 25 26 27 28
29 30 31 1 2 3 4

Fazit

weitere Beiträge

Kompressor

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur