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Konzert / Archiv | Beitrag vom 24.12.2020

Euroradio WeihnachtsspecialFestliche Klänge aus aller Welt

Moderation: Volker Michael

Ein Weihnachtsbaum voller Flaggen vieler Länder am Checkpoint Charly in Berlin. (imago images / photothek / Ute Grabowsky)
Weihnachten wird in ganz Europa gefeiert, wenn auch mit unterschiedlichen Traditionen und Musiken. (imago images / photothek / Ute Grabowsky)

Ein lettischer Folk-Rocker feiert eine martialische Messe, in Kanada erklingt Weihnachtsmusik der Wyanotte und in Dänemark ist ein "Theater der Stimmen" in Aktion - eine bunte Mischung weihnachtlicher Klänge.

Am Heiligen Abend bringen wir Ihnen einen Ausschnitt aus dem Angebot von Euroradio, aus dem "Christmas Music Day". Der findet traditionell am vierten Advent statt. Dieses Jahr ist vieles anders, doch besonders groß waren die Anstrengungen, irgendeine Art von Live-Musik anzubieten. Möglichst sogar Gesang.

Viele Rundfunkstationen mussten auf Aufnahmen der Vorjahre zurückgreifen, doch hier und da gab es frische Aufführungen, wenn auch ohne Publikum.

Aktuelle Produktionen

Wir haben Ihnen drei Spielorte herausgesucht, an denen wirklich neue Produktionen entstanden sind. Das sind zum Schluss das Studio 1 des Lettischen Rundfunks in Riga, im Zentrum des Programms steht eine Aufnahme aus  der Kirche "La Visitation-du-Sault-au-Récollet" im kanadischen Montreal und zu Beginn aus der Trinitatiskirche in Kopenhagen.

Renaissance und Barock zu Beginn

Im dänischen Beitrag singt das Vokalensemble Theatre of Voices unter Leitung von Paul Hillier. Das ist ein internationales Ensemble, seine Basis hat es aber seit vielen Jahren in Kopenhagen.

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In der Trinitatiskirche gab es Musik von William Byrd, Jan Pieterszoon Sweelinck, Thomas Tallis und Robert White - westeuropäische Renaissance- und Barockmusik also. Im Wechsel erklingt Orgelmusik mit der norwegischen Organistin Ingvild Ruud.

Ein Weihnachtslied der kanadischen Wyanotte

Das kanadische Ensemble La Nef und zwei Sopransolistinnen erinnern im Konzert aus Montreal an die fünf Bevölkerungsgruppen, die vor ca. 380 Jahren die Stadt Montreal gegründet und seitdem bewohnt haben – die autochthonen Menschen und Einwanderer aus Westeuropa.

Eine Sängerin steht neben einigen Musikern im Altarraum einer hochbarocken Kirche, die viel goldnene Schmuck auf weißem Putz bietet. (EBU / Michel Pinault)Das Ensemble La Nef in der Kirche "La Visitation-du-Sault-au-Récollet", Montreal/Kanada am 8.12.2020 . (EBU / Michel Pinault)

Das Programm beginnt mit einem Weihnachtslied in der Sprache der Wyandotte, die von den französischen Kolonisatoren Huron genannt wurden.

Folk-Rock meets Renaissance

Es ist überwiegend alte Musik, die Sie aus dem Beitrag der Stadt lettischen Hauptstadt Riga hören können. Im Finale gibt es einen Teil einer zeitgenössischen Komposition von Uģis Prauliņš. Der ist kein klassischer, sondern ein Folk-Rock-Musiker. Entsprechend stilübergreifend klingt auch seine Musik.

Die Mitwirkenden bei Uģis Prauliņš' Stück Messe und Zwischenspiele nach Johannes Ockeghems "L'homme armée" im Studio 1 von Radio Latvija am 14.12.2020 (Daniels Joffe/Radio Latvija/EBU)Die Mitwirkenden bei Uģis Prauliņš' Stück Messe und Zwischenspiele nach Johannes Ockeghems "L'homme armée" im Studio 1 von Radio Latvija am 14.12.2020 (Daniels Joffe/Radio Latvija/EBU)

Zuvor erklingt weihnachtliche Musik aller fünf Gründungsethnien der kanadischen Stadt Montreal: aus Frankreich, England, Schottland, Irland und von autochthonen Menschen Kanadas.

Eine der Melodien ist wahrscheinlich italienischer Herkunft und wurde vom Jesuitenpriester Jean de Brébeuf aufgeschrieben, der die Sprache der Wyandotte gelernt hatte, um sie zu missionieren: "Jesus ahatonnia – Jesus ist geboren".

Wucht und ostinater Gleichklang

Höhepunkt war die Uraufführung eines Werks, das der Musiker und Komponist Uģis Prauliņš verfasst hat - in Anlehnung an die Messe "L’homme armée" vom Renaissancekomponisten Johannes Ockeghem. Im Studio 1 des Lettischen Rundfunks spielten der Komponist an den Keyboards, der Organist Janis Pelsche und das Ensemble Ars Antiqua Riga.

Uģis Prauliņš kommt vom Folk-Rock her, er hat also keine Scheu vor ostinaten Figuren, gleichbleibenden Rhythmen und klanglicher Wucht.

Zu seinem Stück hat er folgenden Kommentar geliefert. "Als Ockeghem L'homme armé schrieb, war die Welt ständig von Krieg, Hungersnot und Elend geplagt. Wann immer die Menschen eine Messe in der Kirche abhielten - unter einem Dach, unter Menschen, mit Musik, mit dem heiligen Wort - war das wie eine Atempause, manchmal die letzte Atempause für jemanden, der im Begriff war, in den Krieg zu ziehen. Glaube und Hoffnung halfen diesen Menschen, die Schwierigkeiten, den Hunger und die Verwirrung zu ertragen."

Trinitatiskirche Kopenhagen
Aufzeichnung vom 19. Dezember 2020

Vokalwerke und Orgelmusik von William Byrd, Thomas Tallis und Jan Pieterszoon Sweelinck

Yngvild Ruud, Orgel
Theatre of Voices
Leitung: Paul Hillier

Kirche "La Visitation-du-Sault-au-Récollet", Montreal
Aufzeichnung vom 8. Dezember 2020

Traditionelle Weihnachtslieder und Musik der fünf Gründungsgemeinschaften der kanadischen Stadt Montreal - Musik der indigenen Ethnien, aus Frankreich, Irland, Schottland und England

Meredith Hall, Sopran
Donna Kanerahtenha:wi Jacobs, Sopran
Ensemble La Nef:
Sylvain Bergeron, Erzlaute, Barockgitarre und Leitung
Alex Kehler, Violine und Nyckelharpa
Robin Grenon, Harfen
Grégoire Jeay, Block- und Traversflöte
Marie-Laurence Primeau, Viola da gamba
Andrew Wells-Oberegger, Schlagzeug

Studio 1 von Radio Latvija, Riga
Aufzeichnung vom 14. Dezember 2020

Uģis Prauliņš
"Interludes" (inspiriert von der Missa "L’homme armé" von Johannes Ockeghem)

Uģis Prauliņš, Keyboards
Jānis Pelše, Orgel
Ars Antiqua Riga:
Rūdolfs Bērtiņs, Tenor/Bariton
Jānis Kurševs, Tenor
Normunds Ķirsis, Tenor
Vitālijs Stankevičs, Bass
Pēteris Vaickovskis, Bariton
Kaspars Majors, Alt-Sackbut (Barockposaune)
Vairis Nartišs, Tenor-Sackbut (Barockposaune)

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