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Fazit | Beitrag vom 10.10.2020

Europäische Allianz der AkademienSchulterschluss für die Freiheit der Kunst

Jeanine Meerapfel im Gespräch mit Gabi Wuttke

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Jeanine Meerapfel, Präsidentin der Akademie der Künste, steht auf der Terrasse der Akademie am Pariser Platz. (Annette Riedl/dpa)
Die Präsidentin der Berliner Akademie der Künste, Jeanine Meerapfel, lud zur Gründungskonferenz der "Europäischen Allianz der Akademien". (Annette Riedl/dpa)

Auch in Europa geraten Kunst- und Wissenschaftsfreiheit zusehends in Gefahr, wie das Beispiel Ungarn zeigt. Die „Europäische Allianz der Akademien“ will dem entgegenwirken und setzt auf Solidarität: Wird eine Institution bedroht, greifen alle ein.

70 Vertreterinnen und Vertreter europäischer Kunstakademien und Kulturinstitutionen haben die "Europäische Allianz der Akademien" ins Leben gerufen und sich auf ein Manifest verständigt. Bis auf Malta nahmen alle Länder der Europäischen Union sowie Norwegen und Großbritannien an der hybriden Gründungskonferenz teil. Eingeladen hatte die Berliner Akademie der Künste.

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Angesichts von Nationalismus und Rechtspopulismus seien die größten Herausforderungen "die Polarisierung der Gesellschaft und der Versuch, die Solidarität zwischen den Menschen zu zerstören", erklärt Akademiepräsidentin Jeanine Meerapfel. "Wenn wir miteinander solidarisch sind – ich sage es mal extrem –, wird Krieg schwieriger." Ziel sei es, einander beizustehen, "wenn einige von uns bedroht werden", wie zum Beispiel in Ungarn.

Den Spaltungen gemeinsam entgegenwirken

Es geht also einerseits um den "solidarischen Schulterschluss zwischen den europäischen Kulturinstitutionen" und andererseits um ein offenes Europa: Nur über sämtliche Grenzen hinweg könnten sich Kunst, Kultur und Wissenschaften im Sinne der Aufklärung entfalten, sagt Meerapfel. Nur gemeinsam könne man diesen Freiraum bewahren und den aktuellen Bedrohungen und Spaltungen entgegenwirken.

Nun wolle man Politikerinnen und Politiker in ganz Europa dazu aufzurufen, Artikel 13 der Charta der Grundrechte der EU zu verteidigen. Gemeint ist die verbriefte Freiheit der Kunst und der Wissenschaft. Das bedeute natürlich auch, so Meerapfel weiter, die Künstlerinnen und Künstler, die in Gefahr geraten, zu beschützen, und die neu gegründete Allianz zu unterstützen.

Ohne Kunst und Kultur kein Zusammenhalt

Kunst und Kultur sind wesentlich für eine funktionierende Demokratie und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, heißt es im Manifest:

"Wir stehen für die Freiheit der Künste als Voraussetzung unserer kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Lebensform. Die Unabhängigkeit künstlerischer Positionen und Institutionen von politischen, nationalen, religiösen Festschreibungen ist die Grundlage der Demokratie."

(ckr)

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