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Im Gespräch | Beitrag vom 30.06.2020

Europa-Park-Gründer Roland Mack"Mein Vater hat mich nie gelobt"

Moderation: Tim Wiese

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Der Unternehmer und Europa-Park-Gründer Roland Mack im Porträt. (Europa-Park / Michael Bode)
Der Unternehmer Roland Mack will seine Kinder mehr loben - sein eigener Vater hat das nie getan. (Europa-Park / Michael Bode)

Als Roland Mack 1975 im badischen Rust den Europa-Park eröffnete, erntete er Spott. Inzwischen kommen jährlich 5,7 Millionen Besucher. Höher, größer, weiter - die Erfolgsstory eines Familienunternehmens.

"Du musst Dir eines merken, du bist nicht wie die anderen."

Diesen Satz hat Roland Mack bis heute nicht vergessen. Er war 13 und wollte wie seine Freunde Fußball spielen. Doch sein Vater gab ihm nicht nur diesen Satz mit auf den Weg, sondern drückte ihm auch ein Reißbrett in die Hand, schickte ihn ins Büro.

"Es hat nicht geschadet"

"Da gab es schon ab und zu auch mal Tränen. Aber im Rückblick muss ich sagen, hat es nicht geschadet. Ich habe mir da schon relativ früh eine Kompetenz angeeignet. Die Berufswahl war damit auch sehr erleichtert."

So sieht es Roland Mack heute, mittlerweile ist er fast 71 Jahre alt. Noch immer kann der gelernte Maschinenbauingenieur nicht von seinem Familienunternehmen lassen. Als Perfektionist achtet er auf kleinste Details, vor allem im Europa-Park.

"Mit meinem geschulten Blick sehe ich doch noch vieles an Kleinigkeiten und Fehlern, die man auch mal spontan beheben kann. Es ist ein Stück weit mein Leben. Das ist mir auch ein Stück weit vererbt. Insofern ist es für mich keine Belastung, sondern es ist eine ständige Herausforderung, wachsam zu bleiben, neugierig zu sein."

Von der Schubkarre bis zur Achterbahn 

Vor 45 Jahren öffnete der Europa-Park Rust seine Tore, ihr Unternehmen gründete die Familie Mack bereits 1780. Baute sie früher Leiterwagen und Schubkarren, spezialisierte man sich später auf das Schaustellergewerbe, brachte Karussells und Zirkuswagen heraus. 1921 folgte die erste Achterbahn aus Holz.

Heute finden die Besucher im Europa-Park über ein Dutzend dieser Anlagen, alle aus eigener Produktion. Wie der Großvater kann auch Roland Mack markante Sätze prägen. Auf die Frage, was eine gute Achterbahn ausmacht, antwortet er gern so: "Es ist eigentlich wie beim Sex. Man muss lange warten, bis man draufkommt. Wenn es dann passiert, ist es schnell vorbei, und man möchte es wiederhaben."

Inspiration aus den USA

Die Idee zum Freizeitpark kam Roland Mack und seinem Vater auf einer gemeinsamen USA-Reise. Um Wasserbahnen, so genannte Monorails, oder eben auch Achterbahnen besser testen und verkaufen zu können, war ein eigener Park vonnöten.

Achterbahn im Gegenlicht. (imago images / imagebroker / Pius Koller)Achterbahn im Europa-Park: Größer, höher, weiter. (imago images / imagebroker / Pius Koller)

1975 wurde die Familie dafür vor allem eines: belächelt. In der Politik und bei den Banken war man "sehr, sehr skeptisch". Die Medien schrieben, "der Pleitegeier schwebt über Rust, die Freizeitruine wächst", erinnert sich Roland Mack.

Doch: "Wir haben alle eines anderen belehrt. Wir hatten in der ersten vollen Saison, 1976, bereits über 600.000 Besucher. Es war ein Volltreffer."

Für einen "Volltreffer" halten Kritiker den Vergnügungspark allerdings immer noch nicht. Bald sechs Millionen Besucher kommen in normalen Jahren - und sorgen Park-Gegnern zufolge für Lärm, Müll und verstopfte Straßen.

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4000 Mitarbeiter in Kurzarbeit

Roland Mack findet auch hier eine klare Antwort. "Die Kommune ist - es gibt keine Industrie, kein Handwerk hier im Ort - zu einer der erfolgreichsten Touristengemeinden weit über Baden-Württemberg hinaus gewachsen. Ich glaube, die Ruster Bevölkerung hat auch ein hohes Maß an Stolz an der Entwicklung. Viele arbeiten bei uns, über 500 Arbeitsplätze, auch das gehört dazu."

Roland Mack im Interview mit Deutschlandfunk Kultur. (Copyright: Horst Kopellstätter)Roland Mack im Interview mit Deutschlandfunk Kultur. (Copyright: Horst Kopellstätter)

Wie sehr die Gemeinde vom Europa-Park anhängig sei, habe man während der Corona-Krise sehen können. Über zwei Monate musste der Park geschlossen bleiben, die täglich bis zu 60.000 Besucher blieben aus:

"Wir mussten 4000 Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. In den ganzen 50 Jahren habe ich noch nie jemand in Kurzarbeit oder in die Arbeitslosigkeit verabschiedet. Wir mussten plötzlich einbremsen, mussten Investitionen zurückstellen, um die Liquidität zu halten."

"Meine Kinder sind der Meinung, ich lobe zu wenig"

Auch wenn derzeit deutlich weniger Besucher als in normalen Zeiten erlaubt sind: Roland Mack ist froh, dass der Park wieder öffnen durfte. Wann er das Unternehmen und die Verantwortung komplett in die Hände seiner Kinder geben wird, dazu macht er noch keine konkreten Aussagen. Loslassen, das fällt ihm schwer.

Eines aber, daran will der 70-Jährige unbedingt noch arbeiten. "Meine Kinder sind der Meinung, ich lobe zu wenig. Das ist ja genau das Problem. Mein Vater hat es mit ins Grab genommen, hat mich nie gelobt. Das hat mir weh getan. Insofern ist da schon eine Korrektur notwendig."

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