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Tonart | Beitrag vom 03.01.2018

Etnika aus La VallettaSo klingt die Kulturhauptstadt 2018

Oliver Degabriele im Gespräch mit Carsten Beyer

Eine Straße in Valletta - links und rechts parken Autos. (Jan-Christoph-Kitzler)
Eine Straße in Valletta. (Jan-Christoph-Kitzler)

Ursprünglich war die Band Etnika eine Art Forschungsprojekt, das traditionelle maltesische Musik und Instrumente vor dem Vergessen bewahren wollte. Heute ist sie eine der führenden Folkbands des Landes und macht "Trip-Folk", wie Bassist Oliver Degabriele erklärt.

Die maltesische Hauptstadt Valletta ist neben dem friesischen Leeuwarden die Kulturhauptstadt 2018. Viele Musiker auf Malta nutzen diese Gelegenheit, nicht etwa um den "großen Durchbruch" zu schaffen, sondern vielmehr um die Entwicklung zu feiern, die die maltesische Kultur in den letzten Jahren gemacht hat. 

"Maltesische Musiker behaupten sich schon die letzten 20 Jahre mit ihrer Musik in der Welt", erklärte Oliver Degabriele, der Bassist der Band Etnika aus Valletta, im Deutschlandfunk Kultur. Die Frage nach den typischen Merkmalen maltesischer Musik sei nicht leicht zu beantworten, so der Bassist:

"Malta war viele Jahre lang eine Kolonie und ist erst seit etwa den letzten 50 Jahren unabhängig. Wir sind immer noch dabei, unsere eigene Identität zu entdecken, aber meiner Meinung nach ist die maltesische Musik ein Mix. Ein Mix aus Kulturen rund um das Mediterrane, aus Nordafrika und Südeuropa. In der maltesischen Musik kommt all das zusammen."

Auch die maltesische Musiklandschaft sei stark vom englischsprachigen Pop beeinflusst. Dennoch gebe es in den letzten Jahren verstärkt die Tendenz zur Selbstreflektion unter maltesischen Musikern.

"Wir machen uns Gedanken darüber, was maltesische Musik überhaupt ist und was sie besonders macht. Und wir überlegen uns, welche musikalischen Einflüsse die Musik braucht, um zu etwas Einzigartigem zu werden."

Den traditionellen Għana-Gesang wiederentdeckt

Ein starker Einfluss sei der Għana-Gesang, der traditionelle maltesische Volksgesang, so Degabriele.
 
"Früher war der Għana-Gesang die typische Unterhaltungsmusik in Bars und überall auf der Insel. Heute ist es wohl eher Show als Alltag. Aber es gibt eine Art Wiederentdeckung. Die Musiker gehen wieder bewusster mit dem traditionellen Gesang um und lassen sich und ihre Musik wieder stärker davon beeinflussen. Der Għana-Gesang findet also zurück in die maltesische Kultur."

Die Band Etnika war ursprünglich ein Forschungsprojekt. Etnika verwendete unbekannte Instrumente, wie die Tanbur oder die Zumara, um sie auf diese Weise wieder ins Gedächtnis zu rufen.  

"Wir wollten den Instrumenten eine Bühne zu geben. Das ist mittlerweile aber fast 20 Jahre her. Heute benutzen wir zwar dieselben Instrumente, aber unser Fokus liegt eher auf dem Aspekt der Identität: Was macht uns maltesisch? Und was wollen wir durch unsere Musik ausdrücken? Es geht uns heute mehr um die Musik an sich." 

Trip-Folk als neues Genre

Den neuen Klang ihrer Musik bezeichnet die Band als "Trip-Folk".
 
"Als Band kommen wir musikalisch aus sehr unterschiedlichen Bereichen", so Degabriele.

"Ich persönlich komme aus dem Jazz, andere Musiker haben einen Flamenco- oder Pop-Einfluss. Als wir uns für das neue Album zusammengesetzt haben, wollten wir zusätzlich mit analogen Klängen und Synthesizern arbeiten. Dieser neue, tiefe Sound mit den langsamen Beats, hat uns sehr an 'Trip–Hop' erinnert. Also haben wir uns entschieden, 'Trip-Folk' zum neuen Genre für unsere Musik zu machen."

 

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