Seit 14:05 Uhr Kompressor
Donnerstag, 29.10.2020
 
Seit 14:05 Uhr Kompressor

Interview / Archiv | Beitrag vom 03.01.2020

Eskalation zwischen Iran und USAEine bitterernste Drohung an den Westen

Omid Nouripour im Gespräch mit Ute Welty

Beitrag hören Podcast abonnieren
Portrait des Politikers Omid Nouripour (Grüne) während der Bundespressekonferenz zum Thema Iran-Abkommen, 2018 in Berlin. (imago images / Metodi Popow)
Grünen-Politiker Omid Nouripour warnt davor, Irans Drohungen nicht ernst zu nehmen. (imago images / Metodi Popow)

Es wird gefährlich im Konflikt zwischen USA und Iran. Der grüne Außenpolitiker Omid Nouripour hält Vergeltungsschläge nach der Tötung des iranischen Generalmajors Soleimani für möglich. Aber auch deutsche Truppen könnten zur Zielscheibe werden.

Im Konflikt zwischen den USA und Iran ist der iranische Generalmajor Qassem Soleimani bei einem US-Raketenangriff in Bagdad getötet worden. Soleimani galt als Irans Top-General – gefürchtet und gehasst in Ländern wie Syrien und Irak mit überwiegend sunnitischen Muslimen. Ayatollah Ali Chamenei, geistliches Oberhaupt der Schiiten in Iran, hat nun Rache angekündigt.

Nach Meinung des Grünen-Politikers Omid Nouripour sollten die USA diese Drohung "bitterernst" nehmen. Es sei der Beginn "einer massiven Eskalation zwischen Iran und den Amerikanern in der Region und wird möglicherweise auch Europa betreffen". Für die Iraner sei dies eine klare Kriegserklärung durch die USA.

Soleimani war faktisch der zweite Mann im Staat

Die Möglichkeit von Vergeltungsschlägen im Fall einer weiteren Eskalation ist nach Ansicht von Nouripour gegeben: Da Soleimani ein so aggressiver Stratege gewesen sei, seien die iranischen Streitkräfte "an so vielen Orten" präsent und dicht dran an den amerikanischen Truppen wie auch an den deutschen, die in Bagdad stationiert seien.

Soleimani sei enorm einflussreich gewesen und "faktisch die zweite Person im Land hinter Chamenei", betont Nouripour, der außenpolitischer Sprecher der Bundesfraktion von Bündnis '90/Die Grünen ist. Er sei der Kopf hinter allen Operationen in Ländern wie dem Libanon und dem Irak gewesen – und entsprechend verhasst bei der sunnitischen Bevölkerung dort, weil er mit zahlreichen Kriegsverbrechen in Verbindung gebracht werde. Sein Tod sei für Iran mit Gesichtsverlust verbunden – deshalb sei mit entsprechenden Reaktionen zu rechnen.

(mkn)

Interview

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur