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Kulturnachrichten

Mittwoch, 16. Juli 2014

"Es wäre eine Ehre für Berlin" - Debatte um Auszeichnung für Herta Müller

"Der Regierende Bürgermeister scheint sie nicht sonderlich zu mögen"

So kommentiert Ernest Wichner die Entscheidung des Berliner Senats, der Nobelpreisträgerin die Ehrenbürgerwürde nicht zu verleihen. Der Leiter des Berliner Literaturhauses sagte im Deutschlandradio Kultur: "Ich nehme an, dass die eine Fraktion, in diesem Fall wohl die CDU, das vorgeschlagen hat. Und die SPD - aus Eifersucht oder aus Einfallslosigkeit, weil sie nicht selbst darauf gekommen sind - Nein gesagt hat."

Nach Zeitungsberichten hatte der CDU-Abgeordnete Michael Braun die Nobelpreisträgerin vorgeschlagen. "Berliner Kulturschaffende" hätten sich dafür eingesetzt, so wird der Politiker zitiert. Ernest Wichner, der einer der langjährigen und engsten Wegbegleiter Herta Müllers ist, gehört nicht zu dieser Inititative: "Ich habe das auch erst heute aus der Zeitung erfahren."

Für Herta Müller sei eine solche Ehrung nicht von Bedeutung, so der Leiter des Literaturhauses, aber für die Stadt: "Ich als Bürger meine, es wäre schon eine Ehre für Berlin", sagte Wichner. "Wolf Biermann hat die Ehrenbürgerwürde - da könnte Herta Müller sie auch bekommen."

Die Senatskanzlei wollte sich bisher nicht äußern. Die Ehrenbürgerwürde verleiht der Senat im Einvernehmen mit dem Abgeordnetenhaus an Persönlichkeiten, die sich in hervorragender Weise um die Stadt verdient gemacht haben.

Letzter Rettungsversuch für das SWR-Sinfonieorchester in Baden-Baden gescheitert

Auf einer Finanzierungskonferenz kamen heute in Freiburg nicht genügend Zusagen für die Einrichtung einer Stiftung zusammen

"Es fehlt an der Bereitschaft, dauerhaft das dafür nötige Geld zu geben", sagte SWR-Intendant Peter Boudgoust. Auch habe sich kein Träger für einen Weiterbetrieb des Ensembles mit seinen 98 Mitgliedern gefunden. Die Entscheidung bedeutet, dass jetzt der Beschluss des SWR-Rundfunkrats von 2012 weiter vorangetrieben wird, die Orchester Freiburg/Baden-Baden und Stuttgart von 2016 an zu verschmelzen. Die Fusion am Standort Stuttgart soll fünf Millionen Euro im Jahr einsparen.

Entscheidung gegen Aufbau-Verleger

Kein Schadenersatz für Bernd Lunkewitz

Das Oberlandesgericht Frankfurt sei nicht der
sicheren Überzeugung, dass die ehemaligen DDR-Verlage Aufbau sowie Rütten & Loening der Treuhand nach der Wende nicht gehört hätten und sie diese deshalb 1991 nicht an Lunkewitz verkaufen dürfen.

Lunkewitz stünde nach Auffassung des OLG aber auch dann kein
Schadenersatz zu, wenn die Treuhand die Verlage nicht hätte verkaufen dürfen. Denn die Verkaufsverträge seien weder nichtig, noch habe die Treuhand Aufklärungspflichten verletzt oder den Käufer vorsätzlich sittenwidrig geschädigt. Das OLG hat mit seiner Entscheidung ein Urteil des Landgerichts Frankfurt von 2011 bestätigt. Das OLG-Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig. Der Kläger kann Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof einlegen.

Lunkewitz' jahrelanger Rechtsstreit mit der früheren Treuhand um die wahren Eigentumsrechte am Aufbau-Verlag, einst größter
Literaturverlag der DDR, hatte 2008 in die Insolvenz geführt.
Immobilieninvestor und Geschäftsführer Matthias Koch hatte den Verlag im selben Jahr übernommen und aus der Insolvenz geführt.

Leipziger Stadtrat beschließt Aus für Einheitsdenkmal

In Leipzig wird es in absehbarer Zeit kein Freiheits- und Einheitsdenkmal geben

Fast 25 Jahre nach der friedlichen Revolution votierte der Stadtrat heute mit großer und parteiübergreifender Mehrheit für das vorläufige Aus des Projekts. Die 70 Abgeordneten reagierten damit auf einen monatelangen Streit um das Denkmal. Zugleich hoben die Stadträte ihren früheren Beschluss zum Ort des Denkmals auf: Eine künftige Erinnerung an den Herbst 1989 muss nun nicht mehr auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz realisiert werden. Grundsätzlich will die Stadt aber an der Idee eines Freiheits- und Einheitsdenkmals festhalten.

Estnischer Komponist Arvo Pärt erhält den diesjährigen "Praemium Imperiale"

Die Auszeichnung gilt als weltweit wichtigster Kunstpreis, vergleichbar dem Nobelpreis

Der 78-jährige Arvo Pärt vereine in einer besonderen Art und Weise in der zeitgenössischen Musik die unterschiedlichen Strömungen in Europa, sagte Klaus-Dieter Lehmann, deutscher Repräsentant der Japan Art Association dem Deutschlandradio Kultur. Außerdem sei Pärt ein Künstler, der "nicht im stillen Kämmerlein arbeitet, sondern seine Musik mit einer Botschaft versieht". Weitere Preisträger sind der afrikanische Dramatiker Athol Fugard, der französische Maler Martial Raysse, der italienische Bildhauer Giuseppe Penone und US-Architekt Steven Holl. Die Preise werden am 15. Oktober in Tokio vergeben.

Sprinkleranlage im Berliner Ensemble richtet Riesenschaden an

Bei Reparaturarbeiten im Berliner Ensemble am Dienstag hat die ausgelöste Sprinkleranlage binnen weniger Minuten die Bühne des Theaters unter Wasser gesetzt

Mehrere zehntausend Liter Wasser hätten sich über Dekorationen, einen teuren Flügel, den roten Samtvorhang aus der "Dreigroschenoper" sowie die Bühnenmaschinerie ergossen, teilte das Theater heute mit. Beschädigt worden seien auch die Tontechnik und dutzende Scheinwerfer. Der historische Zuschauerraum wurde verschont. Die Mitarbeiter arbeiteten auf Hochtouren, um den Schaden zu beheben und den Bühnenraum trocken zu legen. In einer Mitteilung bat das BE die "Theatergötter" darum, den Beginn der neuen Spielzeit Ende August und die Premiere von Leander Haußmanns "Woyzeck"-Inszenierung am 6. September sicher zu stellen.

Elsner und Vogel beim Filmfest Locarno

Deutscher Regisseur Thomas Arslan ist Jury-Mitglied

Beim traditionsreichen Filmfestival von Locarno haben zwei Filme mit deutscher Beteiligung Weltprempiere: "A Blast" des griechischen Regisseurs Syllas Tzoumerkas und "Dos Disparos" des Argentiniers Martín Rejtman.

Deutsche Schauspiel-Stars wie Hannelore Elsner, Benno Führmann und Jürgen Vogel sind ebenfalls dabei. Armin Mueller-Stahl wird während der Film-Tage für sein Lebenswerk ein Ehrenleopard verliehen.

Das Festival auf der Schweizer Seite des Lago Maggiore zeigt vom 6. bis 16. August mehr als 250 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme. Eröffnungsfilm auf der Piazza Grande ist "Lucy" des französischen Regisseurs Luc Besson mit den Scarlett Johansson und
Morgan Freeman.

Jury-Mitglied für den Hauptwettbewerb ist der deutsche Regisseur Thomas Arslan. Carlo Chatrian, der das nach Cannes, Berlin und Venedig viertwichtigste europäische Filmfestival als künstlerischer Direktor leitet, baut, wie schon im Vorjahr, auf die Anziehungskraft großer Namen: berühmte Schauspieler wie die US-Amerikanerinnen Mia Farrow und Melanie Griffith, die Engländerin Helen Mirren und die Französin Juliette Binoche, dazu Regie-Stars wie der Schwede Lasse Hallström und der Franzose Tony Gatlif.

Chatrian betonte bei der Präsentation des Programms am Mittwoch in Bern, dass sein Augenmerk vor allem den Zuschauern gelte. Das
Festival sehe das Publikum in der Hauptrolle. Das diesjährige Angebot des Festivals in Locarno rege zu vielen Diskussionen an, denn, so Chatrian, es "spiegelt die Vielfalt der heutigen Welt, greift die brisanten Themen der Gegenwart ebenso auf wie die nicht verheilten Wunden, stellt existenzielle Fragen und wirft ein neues Licht auf die Vergangenheit".

Bundeskabinett bringt Grundgesetzänderung auf den Weg

Die Änderungen betreffen nur die Wissenschaft - nicht die Schulpolitik

Das Bundeskabinett hat beschlossen, dass das Kooperationsverbot von Bund und Ländern in der Bildung gelockert werden soll. Die Regierungskoalition von Union und SPD will damit erreichen, dass der Bund künftig auch dauerhaft Vorhaben von "überregionaler Bedeutung" an Hochschulen fördern kann. Bislang war dies nur zeitlich befristet möglich. Für die Änderung der Verfassung ist sowohl im Bundestag als auch im Bundesrat eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich.

Christoph Stölzl: Einwanderungsmuseum ist ein "politischer Willensakt"

Präsident der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und Gründungsdirektor des Deutschen Historischen Museums in Berlin, Christoph Stölzl, meldet sich in der Debatte um ein Einwanderungsmuseum zu Wort

Rund ein Fünftel der Deutschen hat einen Migrationshintergrund. Die Forderung nach einem Einwanderungsmuseum, das die Migrationsgeschichte würdigt, wird daher immer wieder erhoben. "Die Frage ist, ob man ein Museum braucht, ob das Museum heute noch die richtige Form ist, um etwas zu popularisieren", sagte Christoph Stölzl im Deutschlandradio Kultur. Fraglich sei auch, so Stölzl, ob die Einwanderungsgruppen aus den verschiedenen Ländern "überhaupt unter einem Dach sein wollen". Ein Museum von dieser Größenordnung sei ein politischer Willensakt, die Idee des Deutschen Historischen Museums habe damals Helmut Kohl machtvoll in die Hand genommen und die Finanzierung gesichert.

Direktor des American Institute for Contemporary German Studies: TTIP wird „Mammut-Aufgabe"

Jackson Janes, Direktor des American Institute for Contemporary German Studies in Washington DC, hält es für „sehr gewagt", alles innerhalb der kommenden eineinhalb Jahre „unter Dach und Fach zu bekommen"

Im Deutschlandradio Kultur sagte Janes, die US-Bürger hätten zwar Verständnis für die Ängste der EU-Bürger vor Chlor-Hühnchen, gentechnisch veränderten Lebensmitteln oder einem Abbau der Kultur-Subventionen. Doch in seinen Augen gebe es derzeit „ein Vorbeireden daran, was wirklich eine Gefahr ist und was nicht". Es gehe in den Verhandlungen nicht um „die Homogenität in den Abmachungen, sondern um die Anerkennung von Standards, die sich einigermaßen überlappen". Janes sagte weiter: Es gelte vor allem, Schnittmengen zu finden und nicht nur zu äußern, was nicht akzeptabel sei. Diese Schnittmengen müssten deutlich erkennbar gemacht werden, andernfalls sei das TTIP den Bürgern nicht vermittelbar. Sehr viel hänge davon ab, ob die führenden Politiker der Verhandlungsländer die Bedeutung des TTIP vermitteln könnten.

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