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Feiertag - Kirchensendung / Archiv | Beitrag vom 23.12.2007

"Es kommt ein Schiff geladen - ein Lied macht Geschichte"

Von Günter Ruddat, Bochum

"Es kommt ein Schiff geladen" ist ein uraltes Advents- und Weihnachtslied. Der Dichter Daniel Sudermann hat dieses alte Lied vor 400 Jahren wieder entdeckt. Er lässt die Geschichte des Liedes, seine Entstehung und Bedeutung lebendig werden und bringt die alten Worte und die alte Melodie neu zum Klingen.

Es ist früh am Sonntagmorgen,
4. Advent 1626 – mitten im 30-jährigen Krieg.
Der Lehrer und Pfarrer Daniel Sudermann1
begrüßt eine kleine evangelische Gemeinde in Straßburg am Rhein.
Er will heute - kurz vor Weihnachten –
sein neues Advents- und Weihnachtslied vorstellen.


Daniel Sudermann: "Liebe Gottesfreunde,
ich habe eine Entdeckung gemacht - in der benachbarten Klosterbibliothek -
ein altes Marienlied, vergraben unter den Schriften von Johannes Tauler2,
dem verehrten Mystiker vergangener Tage,
von dem ich euch schon oft erzählt habe.
Er schreibt: Christus muss täglich neu in uns geboren werden –
und: Wir sind der Ort, an dem Christus lebendig wird.
Diese Erkenntnis wollte uns Johannes Tauler in seinem Marienlied besonders ans Herz legen.
Sein Leben war sehr bewegt:
Immer wieder war er unterwegs auf dem Rhein zwischen Köln und Basel.
Die Leute in Köln erzählen, er habe das Marienlied, das ich gefunden habe,
den Nonnen von St. Gertraud zu Weihnachten geschenkt.
Das ist fast dreihundert Jahre her - am Heiligabend 13573.
Ein paar Jahre später starb er hier bei uns in Straßburg im Kloster St. Nikolaus.
Dort habe ich diesen "uralten Gesang" gefunden. Er handelt von einem Schiff, das kommt … Ein schönes Lied von einem Weihnachtsschiff.
Ich dachte, das könnten wir gut singen, und habe es für euch "etwas verständlicher gemacht"4. Hört selbst:"


1. Es kommt ein Schiff, geladen
bis an sein' höchsten Bord,
trägt Gottes Sohn voll Gnaden,
des Vaters ewigs Wort.

2. Das Schiff geht still im Triebe,
es trägt ein teure Last;
das Segel ist die Liebe,
der Heilig Geist der Mast.

3. Der Anker haft' auf Erden,
da ist das Schiff am Land.
Das Wort will Fleisch uns werden,
der Sohn ist uns gesandt.

1. Es kommt ein Schiff, geladen
bis an sein' höchsten Bord,
trägt Gottes Sohn voll Gnaden,
des Vaters ewigs Wort.

Daniel Sudermann: "Es kommt ein Schiff …
Hier wird keiner vertröstet, nach dem Motto: "Ein Schiff wird kommen", irgendwann …
Es kommt ein Schiff - es ist bereits unterwegs.
Mach nur die Augen auf,
Sieh: Am Horizont steigt das Weihnachtsschiff herauf.
Hinter dem Horizont deiner Gedanken und Gefühle
steigt es langsam in dein Bewusstsein …
wir stehen am Ufer … im Strom der Zeit,
Weihnachten vor der Tür.
Es kommt ein Schiff, geladen bis an sein höchsten Bord.
Welche Ladung birgt das Schiff? Schätze aus anderen Erdteilen?
Stoffe, Gewürze oder gar Waffen? Welche Passagiere sind an Bord ...
Ein Schiff bringt Menschen zusammen und verbindet Welten.
Schon die ersten Christinnen und Christen haben das Bild auf ihre Gemeinschaft übertragen,
Menschen sitzen in einem Boot, sind aufeinander angewiesen und miteinander verbunden,
das Schiff ein Bild für die Kirche.
Das Schiff ist auch ein altes Zeichen für eine schwangere Frau,
– so wie Maria, die Mutter Jesu.
Das Schiff, von dem das Lied singt, hat es in sich.
Es kommt ein Schiff, geladen/ trägt Gottes Sohn voll Gnaden, heißt es.
Es bringt ein kleines Kind –
ein Kind Gottes, ein Lebenszeichen.
Geborgen in dem Schiff, das für Maria selbst steht.
Ihr Name ist in mancher Überlieferung mit dem Meer verbunden –
Stella maris, Meer(es)stern, (Ave, maris stella), wird er manchmal übersetzt.
Sie trägt das Kind Gottes in ihrem Leib
wie ein Schiff seine kostbare Fracht im Schiffsbauch.
An Land warten dagegen alle auf andere Dinge:
Waffen für einen neuen Krieg, Schmiergeld für neue Geschäfte,
kostbare Güter, deren Verkauf reich macht …
Mit dem Schiff – so kann man das Lied deuten - kommt Gott selbst:
Gott kommt, seine Menschlichkeit zu zeigen,
Gott kommt, seine Gnade anzusagen und auszubreiten.
Gott kommt, sein Wort zu halten, des Vaters ewigs Wort.
eine neue Zeit kündigt sich an – durch alle Zeiten:
Das Kind im Schiffsbauch, Jesus, steht dafür. Es wird den Menschen zeigen:
Ich bin bei dir alle Tage, gerade dann, wenn dein Lebensschiff zu kentern droht."


Die Gemeinde lauscht aufmerksam. Sie braucht diese Worte nötig …
denn mitten in den Wirren des 30-jährigen Krieges sind die Menschen verzweifelt,
Angst um das nackte Überleben macht sich überall breit,
da ist es gut, an Nähe und Zuwendung erinnert zu werden,
da ist es gut, Vertrauen zu entwickeln, es wird einen neuen Anfang geben,
das Schiff der Hoffnung ist schon unterwegs.

Daniel Sudermann: "Das Weihnachtsschiff kommt,
beharrlich kommt es auf uns zu,
kraftvoll teilt es die Wellen,
das Segel ist schon zu erkennen,
der starke Mast reckt sich zum Himmel.
Noch ist das Schiff nicht gelandet,
noch ist das Schiff nicht im Hafen angekommen.
Aber es kommt – in unsere Welt, in unseren Alltag."


2. Das Schiff geht still im Triebe,
es trägt ein teure Last;
das Segel ist die Liebe,
der Heilig Geist der Mast.

Daniel Sudermann: "Leise nähert sich das Schiff, keine Schiffssirene kündigt von seinem Kommen,
keine Billigangebote und Marktschreier sind an Bord.
Die Ladung des Schiffes will in aller Ruhe entdeckt werden.
Eine kostbare Ladung, die voller Leben steckt und für alle Menschen der Welt da ist.
An Bord genug Trost für alle, die traurig sind.
An Bord die Kraft des Friedens, der gut ist für alle.
Es ist die Liebe selbst, die das Schiff vorantreibt.
Denn: Das Segel ist die Liebe. Und Liebe macht sich fest -
Das Segel ist festgemacht an einem besonderen Mast –
Der heilig Geist der Mast.
Ein frischer Wind füllt die Segel, der Mast gibt ihnen Halt …
in allen Stürmen, in aller Unruhe, in allem Auf und Ab des Lebens."


3. Der Anker haft' auf Erden,
da ist das Schiff am Land.
Das Wort will Fleisch uns werden,
der Sohn ist uns gesandt.

Daniel Sudermann: "Liebe Freundinnen und Freunde,
die Anker lichten, die Leinen losmachen, zu neuen Ufern aufbrechen…
Mich beschleicht Sehnsucht bei diesen Gedanken – die Sehnsucht nach Veränderung.
Und ich fühle mich an meine Hoffnung erinnert - die Hoffnung auf einen Neuanfang.
Das Lied spricht von dem, was danach kommt:
Endlich vor Anker gehen, nach langer und unruhiger Fahrt in einen Hafen einlaufen, sein Lebensschiff festmachen können, auch das sind Bilder einer tiefen Sehnsucht – Sehnsucht nach einem Zuhause, irgendwann und irgendwo möchten wir ankommen, zur Ruhe kommen, ein Ziel erreichen – Sehnsucht nach Heimat.
Das Bild des Ankers steht deshalb für die Hoffnung.
Die ersten Christen haben dieses Zeichen aufgenommen - in Zeiten schlimmer Verfolgungen, sie haben dem Anker eine besondere Spitze gegeben und einen Querbalken unter den Ankerring gesetzt.
So entsteht das Ankerkreuz, das sie schon früh als verborgenes Zeichen benutzt haben, gerade angesichts des Todes setzten sie es auf ihre Gräber und Sarkophage.
Christus ist der Anker der Gläubigen, Christus ist ihre Hoffnung.
Ein starkes Symbol für den Glauben – denn einer der beiden Ankerarme gräbt sich tief in den Grund und gibt Halt in bewegten Zeiten, an stürmischen Orten.
Wenn der Anker ausgebracht ist, dann ist das Schiff angekommen.
Der Anker haft' auf Erden, da ist das Schiff am Land.
Gottes Liebe macht sich fest, leib-haftig auf Erden,
Das Wort will Fleisch uns werden, der Sohn ist uns gesandt.
Gottes Wort bleibt nicht nur leeres Gerede, sagt das Lied.
Sondern Gott besucht die Menschen in Jesus Christus, einem Menschen aus Fleisch und Blut, Gottes Wort wird lebendig mitten in der Welt.
Wenn wir Advent feiern, dann erwarten wir genau dieses Kommen Gottes.
Dass er in die Welt kommt und dass wir ihn spüren können.
Das ist dann Weihnachten, die Menschwerdung Gottes.
Und das ist keine erledigte Geschichte aus längst vergangenen Tagen –
früher einmal passiert und ohne Bedeutung für heute.
Das Lied will uns gerade daran erinnern, das Schiff kommt auf uns zu, hier und heute,
wo Menschen sich in der Tiefe anrühren lassen, sich ansprechen lassen.
Darauf hat Johannes Tauler vertraut, als er sein Lied dichtete –
und auch ich bin davon überzeugt."


So spricht Daniel Sudermann von seinem Glauben,
von dem , was er am Anfang des Johannesevangeliums liest:
"Und das Wort ward Fleisch
und wohnte unter uns,
und wir sahen seine Herrlichkeit
als des eingeborenen Sohnes; vom Vater,
voller Gnade und Wahrheit." (Johannes 1,14)

Still ist die Gemeinde in Gedanken den ersten drei Versen des Liedes gefolgt,
von dem Schiff, das kommt …
Dann stimmen alle in das Lied ein und singen den vierten Vers gemeinsam:

4. Zu Bethlehem geboren
im Stall ein Kindelein,
gibt sich für uns verloren;
gelobet muss es sein.

Gerade ist der vierte Vers verklungen, da unterbricht Daniel Sudermann den Gesang.

Daniel Sudermann: "Hört zu, Freunde, hier habe ich eingegriffen,
damit aus dem alten Lied vom Schiff etwas Neues wird,
damit aus dem Marienlied ein Lied von Christus wird.
Und ihr werdet sehen, die Worte haben es in sich.
Zu Bethlehem geboren
Das Lied nimmt uns mit auf die Reise,
gerade noch am Ufer des Rheins… entdecken wir auf einmal:
wir sind mitten in Bethlehem,
das Lied zieht uns hinein in die Geschichte des Gottesvolkes, Bethlehem, die Stadt Davids,
das Lied zieht uns hinein in die Geburt, wir sind dabei wie werdende Mütter und Väter,
wir erleben eine Geburt, eine Mensch-Werdung, die sich schon lange angekündigt hat.
Und das nicht an irgendeinem Ort, sondern in Bethlehem –
Bethlehem, das bedeutet so viel wie "Haus des Brotes" oder "Brothausen".
Wir sind angekommen, wo das Brot ein Zuhause hat, Brot für alle, Brot für die Welt,
wo kein Mangel herrscht an all dem, was wir zum Leben brauchen,
genug für alle, sogar mehr als genug."


Die Gemeinde wird unruhig. Brot, ausreichend Nahrung für alle. Das klingt nach Paradies, das ist weit entfernt von dem, was sie kennen und erleben.
Denn: Überall hungern die Menschen, verhungern die Kinder,
überall zerstören Krieg und Gewalt Häuser und Hütten,
überall werden Ernten vernichtet, Brunnen vergiftet und Böden verseucht.
Da ist das Bild von "Brothausen", von Bethlehem ein wunderschönes Hoffnungsbild –
aber kann das alles überhaupt wahr werden/ oder ist das nur fromme Vertröstung?

Daniel Sudermann: "Wenn wir singen "zu Bethlehem" geboren, dann sollen wir an dieses schöne Bild vom Haus des Brotes denken.
Es kann unsere Einstellung verändern. Denn wir leben oft nach dem Motto:
Teile nicht und rechne auch nicht damit, dass andere auf einmal mit dir teilen.
Und meistens meinen wir es nicht wörtlich, wenn wir beten:
Unser täglich Brot gib uns heute.
Das Bild vom Haus des Brotes erinnert uns daran, dass es anders geht, dass wir das Geld für Gerechtigkeit und damit für den Erhalt von Frieden und für Nahrung statt für Waffen ausgeben können.
Wir haben die Wahl.
Und diese andere Einstellung habe ich noch durch eine weitere Änderung unterstrichen:
"Im Stall ein Kindelein".
In der alten Vorlage des Liedes hieß es:
"es liegt hier in der Krippen das hübsche Kindelein".
Was nützt uns denn so ein süßliches Weihnachtswiegenlied?
Das ist doch schnell wieder vergessen, gewogen und zu leicht befunden…
Das ist doch schnell wieder weggepackt, bis zum nächsten Jahr.
Im Stall ein Kindelein, das macht dagegen deutlich:
Jesus wird ganz unten geboren, Gott wird Mensch draußen vor der Tür,
da wo keine menschenwürdige Unterkunft uns erwartet,
da wo baufällige Behausungen Not-Unterkunft bieten.
Geboren im Stall, an der Seite von Menschen, die ganz unten sind.
Und er kann immer wieder neu geboren werden:
an jedem Ort, in jedem Menschen, ganz gleich wo auf der Welt.
Ich möchte euch allen diese Seite von Advent und Weihnachten zeigen,
die mehr ist als schöne Dekoration, sondern vielmehr eine unbehagliche und unbequeme Wirklichkeit.
In der alten Lied-Vorlage heißt es weiter:
"sein Gesicht leucht wie ein Spiegel".
Das ist ein schöner Gedanke.
Wir können uns im Angesicht dieses Kindes, im Angesicht Gottes
wie in einem Spiegel erkennen, das Kind entdecken, Jesus anschauen, uns selbst als Menschen daran entwickeln.
Bei diesem Blick in den Spiegel muss niemand entsetzt vor sich selbst erschrecken,
das Kind lächelt uns an …
da muss sich niemand unsäglich ängstigen, das Kind streckt uns die Hand entgegen …
Aus diesem Spiegel scheint nur Barmherzigkeit zurück.
Und das, Freundinnen und Freunde, wollte ich noch deutlicher machen:
Ich wollte, dass es ein Christuslied wird.
Ob es hier vielleicht heißen könnte:
Er ist uns Bruder worden …?, fragte ich mich.
Damit keiner uns Menschen voneinander trennt und auch nicht von Gott,
damit keiner uns in oben und unten, in Himmel und Hölle, in Herr und Knecht einteilt.
Gott stellt sich an unsere Seite
wie einer von uns, wie Bruder oder Schwester. -
Aber auch das war mir noch zu schwach,
mir wollte keine passende Zeile einfallen.
Da habe ich das Papier beiseite gelegt
und habe in meinem Lieblingsevangelium geblättert.
Ihr kennt es ja…
das Evangelium, wie es Johannes erinnert und erzählt.
Und da bin ich im 3. Kapitel an einem Vers hängen geblieben:"


"Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab,
damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben."
(Joh 3,16)

Daniel Sudermann: "Freundinnen und Freunde, da fiel es mir wie Schuppen von den Augen:
Zu Bethlehem geboren/ im Stall ein Kindelein, gibt sich für uns verloren…
So muss es heißen!
Da wo wir uns aufgeben, weil so genannte Sachzwänge uns dazu zwingen,
da wo wir uns verlieren, weil wir schreckliche Schicksalsschläge erleiden,
da wo wir verlassen und verzweifelt sind im Angesicht von Schuld und Sterben,
da kommt Gott auf uns zu – als kleines Kind,
da kommt Jesus auf uns zu – der Mann aus Nazareth.
Er ist mir nahe unter allen Umständen…
Er kennt mich bis in die Untiefen meines Lebens…
Er schaut mich an und hält mir eine neue Sicht vor Augen,
Gelobet muss er sein…
das Kind im Stall… gelobet muss es sein.
Lob ist angesagt.
Wo wir von Lob reden, da dreht es sich allerdings meist nur um uns selbst,
wir wollen gelobt werden und groß da stehen.
Wer will sich schon klein machen.
Da wo wir von Lob reden, da kommen die anderen meist zu kurz.
Darum fragt euch doch einmal im Stillen:
Hast du heute schon gelobt? Jemand anderen gelobt, gar Gott gelobt?
Und wenn wir ehrlich sind, wie selten kommt da ein Lob über unsere Lippen:
Das hast du gut gemacht!
Und das gilt nicht nur bei unseren Kindern, in der Familie,
unter Freunden oder bei der Arbeit,
sondern auch in all unseren anderen Beziehungen!
Ihr kennt ja das Lied: "Gott loben, das ist unser Amt".
Ich denke, Gott weiß, was er uns da zumutet, wozu er uns Mut macht,
nicht nur Gott und die Welt ins Gebet zu nehmen, sondern erst recht auch ins Lob,
weil wir das im Grunde unseres Herzens brauchen.
Wir gehen miteinander in die Schule des Lobens – gerade zu Weihnachten,
das fängt damit an, die Menschen mit den Augen Gottes sehen zu lernen.
Loben – da wird Menschen Mut gemacht, zum Leben, zum Lieben,
loben – da lasse ich mich auf Gott ein, auf seine Liebe zum Leben,
Leid und Tod sind dabei nicht ausgeschlossen, sondern gerade eingeschlossen
und in ihrer Tiefe wahrgenommen.
Ihr merkt, wie viel ich in meinen Gedanken und Gefühlen
Johannes und seinem Evangelium, Johannes Tauler und seinen Predigten verdanke,
die uns ja beide einprägen wollen:
Gottes Geburt im Stall ist ein Gleichnis dafür,
dass Gott in uns selbst Mensch wird,
dass Gott bei uns ist, jeden Tag, und deshalb ist alle Tage Weihnachten.
Unser Weg mit Jesus geht auch nach Weihnachten weiter –
unser Weg führt uns über Karfreitag, über den Mann am Kreuz hinaus,
hin zu Christus, der am Ostermorgen aus dem Tod aufersteht.
Von Jesus Christus lernen wir,
das Leben in seiner ganzen Weite vor Augen zu haben,
er kommt ins Boot, steigt ins Schiff des Lebens…
und da verändert sich etwas, da werden Menschen heil,
da kann eine Frau aufatmen, die andere verurteilen,
da kann ein Mann jemanden zu sich einladen,
der von anderen verachtet und ausgegrenzt wird,
da werden Kinder in die Mitte gestellt, die sonst nicht zählen.
Es kommt ein Schiff, das die Welt verändert…, das Weihnachtsschiff.
Da hat die Welt nicht nur zu Weihnachten ein neues Gesicht.
Maria hat das gespürt und davon gesungen, als sie mit Jesus schwanger war,
Christinnen und Christen haben das zu allen Zeiten gespürt und davon gesungen.
und ich lade euch heute ein, in dieses Lied des Lebens einzustimmen:"

4. Zu Bethlehem geboren
im Stall ein Kindelein,
gibt sich für uns verloren;
gelobet muß es sein.

5. Und wer dies Kind mit Freuden
umfangen, küssen will,
muss vorher mit ihm leiden
groß Pein und Marter viel,

6. danach mit ihm auch sterben
und geistlich auferstehn,
das ewig Leben erben,
wie an ihm ist geschehn.


Anmerkungen:
1 (1550-1631)
2 (1300-1361, gestorben 16.6.1361)
3 Eine entsprechende Legende erzählt Johannes Hatzfeld: Uns kommt ein Schiff gefahren, in: G. Paulsen (Hg): Weihnachtsgeschichten aus Köln, Husum (1980) ²1983, 15-18.
4 So Daniel Sudermann in einer 1640 veröffentlichten Liedersammlung. Ihm selbst lag wohl eine um 1450 zu datierende Handschrift vor. Näheres zur Entstehungsgeschichte des Liedes: Paul Alpers/ Markus Jenny: in: JbLH 1 (1965), 147-152. Erst Ende des 19. Jh. wurde das Lied zum zweiten Mal entdeckt und vor allem von der Jugendbewegung verbreitet.

Musik:
Daniel Sudermann – Es kommt ein Schiff, geladen (David Plüss, Martin Falk)
Arcangelo Corelli – Christmas Concerto, Vivace (Hans Jürgen Hufeisen)

Feiertag

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