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Interview / Archiv | Beitrag vom 13.04.2012

"Es geht um die Menschen"

"Brot für die Welt" und andere karitative Organisationen setzen Engagement in Nordkorea fort

Rainer Lang im Gespräch mit Christopher Ricke

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Eine Spendenbüchse der Hilfsorganisation "Brot für die Welt" (AP)
Eine Spendenbüchse der Hilfsorganisation "Brot für die Welt" (AP)

Trotz der aggressiven Rhetorik der nordkoreanischen Führung und des jüngsten Raketenversuchs bemühen sich christliche Hilfsorganisationen auch weiterhin, den Menschen in Nordkorea zu helfen. Diese Hilfe, so Rainer Lang von "Brot für die Welt", muss auch in Krisenzeiten fortgesetzt werden.

Christopher Ricke: Nordkorea und die Rakete, ein kommunistisches Regime, das nach der Atombombe greift und gleichzeitig sein Volk hungern lässt. Die Menschen in Nordkorea können nichts für ihr Regime, sie brauchen dringend Hilfe. "Brot für die Welt" engagiert sich an der Seite von Caritas International in Nordkorea. Ich spreche jetzt mit Rainer Lang von "Brot für die Welt" – grüß Gott, Herr Lang!

Rainer Lang: Guten Tag!

Ricke: Was machen Sie denn mit deutschen Spendengeldern in Nordkorea?

Lang: Ja, also "Brot für die Welt" und die Schwesterorganisation "Diakonie Katastrophenhilfe" unterstützen gerade ein Projekt von Caritas. Da geht es darum, dass Familien, in denen Mitglieder erkrankt sind an Hepatitis und Tuberkulose, eine gesunde Ernährung erhalten. Diese Familien können sich mit unserer Hilfe Gewächshäuser errichten, in denen sie Gemüse anbauen können. Das ist ganz wichtig für den Gesundheitszustand von kranken Menschen, dass die eben auch Gemüse, Vitamine in ausreichendem Maß bekommen. Das gibt es eben in dem Land nicht.

Ricke: Auch gesunde Menschen hungern in Nordkorea. Was berichten denn Ihre Mitarbeiter im Land über die generelle Versorgungslage?

Lang: Ja, das ist seit Jahren eine große Sorge von uns, der ständige Hunger der Menschen, sie haben nicht genügend Nahrungsmittel zur Verfügung. Kollegen von mir haben berichtet, als sie im Land waren, dass die Menschen dort eben zurückgreifen müssen darauf, dass sie Blätter sammeln und die kochen und zu einem Brei verarbeiten, weil sie sonst keine andere Nahrungsmittel haben, Kinder sehr stark mangel- und unterernährt. Deshalb ist es eben für uns als evangelisches Hilfswerk ein großes Anliegen, diesen Menschen zu helfen, weil ja bekannt ist, wenn Kinder an Mangel- und Unterernährung leiden, ist ihre ganze Entwicklung gefährdet, das hat Auswirkungen bis ins Erwachsenenalter. Also die Menschen in Nordkorea leiden sehr stark und brauchen Unterstützung.

Ricke: Jetzt bringt aber das Regime angekündigte Hilfslieferungen in Gefahr – muss man aus Nächstenliebe trotzdem helfen, auch wenn die Regierung wieder und wieder gegen alle Regeln verstößt?

Lang: Ja, also es geht um die Menschen, und das ist wichtig zu betonen. Bei allen politischen Krisen, also was auf politischer Ebene geschieht, die Menschen brauchen unsere Hilfe, und diese Menschen auf dem Land in Nordkorea, die bekommen eben gar keine richtigen Informationen über die politischen Zustände, und denen geht es vor allem ums Überleben. Die müssen darum kämpfen, dass sie jeden Tag etwas zu essen haben, dass sie ihre Kinder ernähren können, und wir wissen aus vielen Gebieten, wie schlimm das ist, wie auch die Eltern sich Sorgen machen, dass ihre Kinder überleben. Deshalb werben wir auch dafür, die Menschen trotz aller politischen Krisen in Nordkorea nicht zu vergessen und weiterhin zu unterstützen.

Ricke: In Nordkorea gibt es Christenverfolgung. Auf einer Liste der Länder, in denen Christen verfolgt werden, steht Nordkorea ganz oben, noch vor Afghanistan und Saudi-Arabien. Wie kann man als christliches Hilfswerk in einem solchen Umfeld überhaupt arbeiten?

Lang: Ja, also glücklicherweise hatten wir als christliche Hilfswerke bisher Zugang zum Land, konnten unsere Hilfsmaßnahmen leisten. Es ist eben als Hilfswerk dann auch möglich, weil natürlich auch – es ist vorher erwähnt worden – Lebensmittel werden als Hebel von den USA eingesetzt, die nordkoreanische Regierung weiß auch natürlich über die extreme Hungersituation. Und glücklicherweise können wir als christliche Hilfsorganisationen weiterhin arbeiten, und das ist für die Menschen sehr wichtig.

Ricke: Rainer Lang von "Brot für die Welt", vielen Dank, Herr Lang!

Lang: Ich danke Ihnen!


Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.


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