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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 17.04.2009

Es begann mit einem Eishockeyspiel

Vor 40 Jahren wurde in der CSSR KP-Parteichef Alexander Dubcek durch Gustáv Husák abgelöst

Von Doris Liebermann

Alexander Dubcek, tschechoslowakischer Politiker und Leitfigur des Prager Frühlings von 1968 (AP)
Alexander Dubcek, tschechoslowakischer Politiker und Leitfigur des Prager Frühlings von 1968 (AP)

Ausgelöst durch den Sieg der Tschechoslowakei über die Sowjetunion bei der Eishockey-Weltmeisterschaft 1969, brechen die Reformer in Prag auf Druck der Sowjetunion auseinander. KP-Parteichef Alexander Dubcek wird durch Gustáv Husák ersetzt - mit bitteren Konsequenzen für hunderttausende Menschen.

Acht Monate nach dem militärischen Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die Tschechoslowakei vom August 1968 war es soweit: Parteichef Alexander Dubcek musste seinen Rücktritt verkünden. Sein Nachfolger im Amt wurde Gustav Husák. Wie Dubcek war auch der damals 56 Jahre alte Husák Slowake. Husák war Ende des Zweiten Weltkrieges ein Führer des slowakischen Nationalaufstandes gewesen. 1951 wurde er verhaftet und 1954 wegen sogenanntem "bürgerlichem Nationalismus" zu lebenslanger Haft verurteilt. 1960 wurde er amnestiert, 1963 rehabilitiert. Trotz seiner eigenen bitteren Erfahrungen mit dem Stalinismus war Husák Moskau-hörig, und er hatte sich bereits heimlich mit Breschnew getroffen. Vergeblich versuchte Dubcek, Husáks Wahl zu verhindern, aber außer ihm war nur noch ein einziges Mitglied des Parteipräsidiums an diesem 17. April 1969 nicht für Husák. 19 Stimmen wurden insgesamt abgegeben. Der tschechoslowakische Staatspräsident Ludvík Svoboda gab den Führungswechsel bekannt:

"Der Name Dubcek wird auf immer mit der Nach-Januar-Politik verbunden bleiben, mit der die politischen Reformen in der CSSR im vergangenen Jahr eingeleitet wurden. ... In der gegenwärtigen Lage brauchen wir eine energische Persönlichkeit, die unsere Partei führen und uns alle aus der jetzigen Krise herausholen kann."

Dubceks Ablösung war im März 1969 ein neuer Zusammenstoß zwischen der tschechoslowakischen Bevölkerung und den Sowjets vorausgegangen. Grund waren die Eishockey-Weltmeisterschaften, die damals in Schweden stattfanden. Am 21. März gewann die Tschechoslowakei 2:0 gegen die Sowjetunion und am 28. März erneut mit 4:3. Die Begeisterung der Tschechoslowaken war grenzenlos.

150.000 Menschen feierten auf den Prager Straßen. Dabei ging es um mehr als nur um Sport: Es war wie eine Revanche für die Okkupation, antisowjetische Untertöne waren nicht zu überhören. Steine flogen in die Schaufenster des sowjetischen Aeroflot-Büros in Prag. Die Sowjets forderten das Militär auf einzugreifen, die Polizei bekam die Situation wieder in den Griff. Der sowjetische Oberbefehlshaber, Marschall Gretschko kam zusammen mit dem stellvertretenden sowjetischen Außenminister Semjonow nach Prag. Sie kündigten an, 8000 weitere Soldaten in die Tschechoslowakei zu verlegen und setzten Dubcek unter Druck, die "Konterrevolution" zu enthaupten. Dieser sagte in seiner letzten Fernsehansprache:

"Entweder wir können Frieden und Ordnung in unserem Lande sicherstellen und alle antisozialistischen und antisowjetischen Aktionen verhindern, oder wir kommen dorthin, wo wir im August waren."

Die Gruppe der Reformer fiel auseinander. Dubcek konnte den sowjetischen Forderungen nicht mehr standhalten: Fürchtete er doch, dass es bei nächster Gelegenheit zu einem Blutbad im Lande kommen würde. Am 12. April kündigte er dem Parteipräsidium offiziell seinen Rücktritt an. Anders als befürchtet, kam es durch Dubceks Ablösung zu keinen neuen Ausschreitungen.

In seiner ersten Fernsehansprache am 17. April 1969 sagte Gustav Husák:

"Es ist uns bisher nicht gelungen, aus der Krisensituation einen Ausweg zu finden. Unsere Wirtschaft ist in dieser Zeit geschwächt worden, und wir konnten nicht mehr in Ruhe arbeiten. All diese Ereignisse haben uns gezwungen, Änderungen in der Parteiführung vorzunehmen, auf parteipolitischer Ebene wird es jedoch keine Änderungen geben. Betroffen wurden einzig die Methoden der Ausführung der Nach-Januar-Politik und nicht die Reformpolitik als solche."

Entgegen dieser Ankündigung begann unter dem neuen KP-Chef eine breit angelegte Säuberung, die hunderttausende Menschen in der Tschechoslowakei ihre bürgerliche Existenz kostete. Auch Dubcek wurde nach einem kurzen Intermezzo als Botschafter in der Türkei 1970 aus der Partei ausgeschlossen und zur Unperson erklärt - bis zum Herbst 1989, als er während der "Samtenen Revolution" eine triumphale Rückkehr nach Prag feierte.

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