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Tonart | Beitrag vom 18.12.2017

Erykah Badu kuratiert "Fela-Kuti-Box "Kommerzialisierung eines politischen Musikers?

Thorsten Bednarz im Gespräch mit Martin Böttcher

Fela Kuti während eines Konzertes im Jahr 1984. (imago/Future Image/ R. Keuntje)
Fela Kuti während eines Konzertes im Jahr 1984. (imago/Future Image/ R. Keuntje)

Fela Kuti war in den 1970er- und 1980er-Jahren ein radikaler Musikaktivist und der einflussreichste nigerianische Musiker. Pünktlich zu Weihnachten ist jetzt erneut eine Vinyl-Box mit seiner Musik erschienen, zusammengestellt von der Soul-Sängerin Erykah Badu.

Fela Kuti war der einflussreichste nigerianische Musiker, ein radikaler Musikaktivist und Begründer des Afrobeats, sagte Musikkritiker Thorsten Bednarz im Deutschlandfunk Kultur. Schon in den 70er-Jahren sei er regelmäßig durch Europa und Nordamerika getourt und begründete ein neues, modernes Bild der westafrikanischen Musik. Das sei eine Mischung aus Highlife mit viel Soul und Funk gewesen, die vor allem von der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA aufgegriffen worden sei, so Bednarz. 

"Weil sich viele von dem amerikanischen politischen System nicht angenommen sahen, wurde das afrikanische kulturelle Erbe von ihnen neu entdeckt und entwickelt und da kam dieser nigerianische Rebell, der sich von niemandem etwas sagen ließ, gerade recht.

Man könnte knapp sagen: Fela Kuti war in seiner politischen und musikalischen Darstellung der perfekte Soundtrack für die Black Panther-Bewegung und weil er auch politisch in Nigeria immer sehr radikal auftrat, seine eigene Republik gründete (eine Art Hippie-Kommune), die dann von Bulldozern platt gewalzt wurde, da wurde er schnell zu einer Ikone und auch zum Märtyrer."

Seine Musik sei dementsprechend radikal gewesen. Sie war laut, sie hatte die Energie des Rocks gepaart mit westafrikanischen Rythmen, die Stücke waren lang und es wurde viel improvisiert, sagte Thorsten Bednarz.

"Oft genug stand das Publikum damals im Saal und war völlig überfordert. Die einen konnten damit überhaupt nichts anfangen, die anderen vergötterten ihn beinahe – dazwischen gab es nicht viel."

"Tagelang nur noch Musik von Fela Kuti gehört"

Die Box ist nun zum 20 Todestag von Fela Kutis erschienen. Genau im selben Jahr 1997 erschien auch Erykah Badus Debütalbum Baduizm. Das ist Zufall, dennoch gibt es Verbindendes zwischen den beiden, erläuterte Bednarz.  

"Erykah Badu beschreibt in den Liner-Notes ganz schön, wie sie einst mit Tony Allen, Flea und Damon Albarn in dessen Londoner Studio für die Aufnahmen von Rocket, Juice and The Moon gejammt hat und ganz besonderen Eindruck auf sie machte Tony Allen, der langjährige Drummer von Fela Kuti. Und danach hat sie wohl tagelang nur noch Musik von Fela Kuti gehört. Sie beschreibt auch, wie sie diese Musik hört – nicht etwa als Playlist, sondern Song für Song in Dauerschleife, bis sie jede winzige Kleinigkeit aufgenommen und entschlüsselt hat."

Vier Boxen in nur wenigen Jahren

Die jetzt erschienene Box ist bereits die vierte mit Material von Fela Kuti. Bereits 2010 gab es eine CD-Box mit dem kompletten Katalog aller Alben auf 26 CDs und parallel dazu auch alle in Neuauflage als Vinyl. Kurz danach war der Katalog zu einer anderen Plattenfirma gewechselt, die das Material ebenfalls 2013 und 2016 noch einmal auf den Markt brachte, so Bednarz über die zurückliegenden Veröffentlichungen.

"Eigentlich müsste es jetzt langsam mal jeder komplett haben, der diese Musik mag und ob man mit ein paar neuen Fotos und neuen, kleinen Anmerkungen solche opulenten Boxen verkaufen kann, möchte ich mal anzweifeln, auch wenn die mit ca. 100 Euro erstaunlich günstig auf den Markt kommt. Man betont ja auch, dass man die originalen Cover der nigerianischen Ausgaben rekonstruiert hat, dass man die Platten alle neu von den alten nigerianischen Platten gemastert hat – auch da dürften die Unterschiede zu uns bekannten ausgaben eher marginal sein."

Insgesamt sei das eine der typischen Boxen, die man zu Weihnachten veröffentlicht, um den Katalog der Plattenfirma noch einmal zu vermarkten, so das Fazit von Thorsten Bednarz.

"Auf mich wirkt das alles nur wie eine große neue Marketingstrategie. Ich sag es mal so flapsig, wie Erykah Badu es selbst schreibt: sie kann auf dem Klo Musik hören… Und bei aller Wertschätzung Erykah Badus und aller Diskussion über den Musiker – das hat die Musik von Fela Kuti nicht verdient."

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20. Todestag von Fela Kuti - Der unbekannte Superstar des Afrobeats
(Deutschlandfunk Kultur, Kompressor, 02.08.2017)

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