Seit 20:00 Uhr Nachrichten

Freitag, 28.02.2020
 
Seit 20:00 Uhr Nachrichten

Fazit | Beitrag vom 03.11.2019

Erstaufführung von Penelope Skinners "Linda"Psychologisches Drama mit grandiosen Frauenfiguren

Stefan Keim im Gespräch mit Marietta Schwarz

Beitrag hören Podcast abonnieren
Auf dem Bild: Sophia Schiller, Claudia Hübbecker. (Düsseldorfer Schauspielhaus/ Sandra Then)
In dem psychologischen Drama brilliert Claudia Hübbecker (r.) als Marketingmanagerin Linda, die unter dem Konkurrenzdruck leidet. (Düsseldorfer Schauspielhaus/ Sandra Then)

Der britischen Dramatikerin Penelope Skinner gelang mit "Linda" der große Durchbruch. Nun feierte im Düsseldorfer Schauspielhaus die deutsche Erstaufführung Premiere. Unser Kritiker Stefan Keim ist begeistert von dieser psychologischen Versuchsanordnung.

Die Titelfigur Linda ist 55 Jahre alt, schön und erfolgreich und passt immer noch in die Klamotten von früher. Sie betreut als Marketingmanagerin in einem Kosmetikkonzern eine Werbekampagne, die Frauen über 50 mehr Mut zur Schönheit vermitteln soll. Doch plötzlich ist ihr Erfolg bedroht - von der nachrückenden Frauengeneration genauso wie von der männlichen Konkurrenz.

Das Stück der britischen Dramatikerin Penelope Skinner wurde in London und New York gefeiert, nun fand im Düsseldorfer Schauspielhaus die deutschsprachige Erstaufführung statt - inszeniert von Regisseur Marius von Mayenburg.

Unser Kritiker Stefan Keim zeigt sich begeistert: "Ein hochinteressantes Thema mit grandiosen Frauenfiguren." Vor allem die Hauptdarstellerin Claudia Hübbecker sei die perfekte Besetzung für Linda in diesem psychologischen Drama, in dem es durchaus ein paar Pointen und ein paar Momente gebe, in denen man einen Schlag in den Magen verspüre und lachen müsse.

Messe-Ästhetik

"Es geht um Gleichstellung, um Feminismus, um Geschlechterrollen und darum, wieviel sich jetzt wirklich gewandelt hat", sagt Keim. Die Männerfiguren seien alle hart am Rande der Karikatur, die Frauenrollen hingegen sehr gut ausgearbeitet.

Regisseur von Mayenburg habe das Stück sehr geschickt inszeniert und keine realistische Bühne in das kleine Haus des Düsseldorfer Schauspielhauses gestellt, sondern das Geschehen abstrahiert und in eine Messe-Ästhetik verpackt. Dadurch wirke das Ganze wie eine psychologische Versuchsanordnung. "Es ist schon wirklich ein sehr guter Abend", lautet das Gesamturteil.

(ckr)

"Linda" von Penelope Skinner am Düsseldorfer Schauspielhaus
Regie: Marius von Mayenburg
Bühne: Stéphane Laimé
Kostüm: Almut Eppinger
Musik: Nils Ostendorf
Licht: Konstantin Sonneson
Dramaturgie: Frederik Tidén

Mehr zum Thema

Trump-Satire an der Berliner Schaubühne - Ein Weltdespot im Strampelanzug
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 03.06.2017)

Aufbruch ins Weltall - Der letzte Mensch auf dem Mars
(Deutschlandfunk Kultur, Hörspiel, 29.03.2017)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsGendern können wir nur dank ihr
Die US-Theoretikerin Judith Butler (picture alliance/ZUMA Press)

In der "taz" wird Judith Butler gefeiert, sie sei die "berühmteste lebende Philosophin der Welt". Das Buch, das den Grundstein für ihre Karriere legte, ist vor 30 Jahren erschienen: Danach war in der Geschlechterdebatte nichts mehr wie zuvor.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 21Ende der Lieblingssongs: Musik im Schauspiel
Szene aus "Hätte klappen können - ein patriotischer Liederabend" im Maxim Gorki Theater Berlin (imago/Drama-Berlin.de/ Barbara Braun)

Es ist unübersehbar: Immer mehr Theaterinszenierungen setzen auf Livemusik. Eine sichere Bank für Musiker – aber ist es künstlerisch wirklich immer sinnvoll? Im Gespräch mit dem Volksbühnen-Musiker Sir Henry fragen wir, was Musik für die Bühne sein kann und sollte.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur