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Fazit / Archiv | Beitrag vom 09.05.2018

Eröffnung der Filmfestspiele in Cannes"Über allem schwebt Godard"

Anke Leweke im Gespräch mit Elena Gorgis

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Das Bild zeigt die Jury-Mitglieder in Cannes: Chang Chen, Kristen Stewart, Ava DuVernay, Denis Villeneuve, Cate Blanchett, Robert Guediguian, Khadja Nin, Andrey Zvyagintsev und Lea Seydoux auf dem roten Teppich. (Invision / Joel C Ryan / dpa-Bildfunk)
Die Jury-Mitglieder auf dem roten Teppich in Cannes. (Invision / Joel C Ryan / dpa-Bildfunk)

Mit einer großen Gala eröffneten die Filmfestspiele am Dienstagabend in Cannes. Unsere Kritikerin Anke Leweke war begeistert, wie gut das Ensemble des Eröffnungsfilms spielt, vermutet aber, dass der Film eine Notlösung war.

Der Eröffnungsfilm von Cannes "Everybody knows" ist ein Thriller des iranischen Regisseurs Asghar Farhadi. Der Film handelt von einer Mutter, deren Tochter in Spanien entführt wird und spurlos verschwindet.  

Das Schauspieler-Ensemble um die Stars Penélope Cruz und Javier Bardem sei hervorragend, sagt unsere Filmkritikerin Anke Leweke im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur:

"Der iranische Regisseur nimmt ja immer Familien- und Familienkonstellationen, um darüber dann gesellschaftliche und soziale Fragen zu reflektieren. Und Javier Bardem glaubt man den Weinbauern, den er spielt, und man glaubt ihm aber auch die Verantwortung, die er für das verschwundene Mädchen auf einmal hat."

Trotz großer Stars kein überzeugender Film

Obwohl subtil über Andeutungen die Biographien der Charaktere zum Vorschein kämen, funktioniere der Film nicht, meint Leweke:

"Normalerweise ist Regisseur Farhadi ein Meister der subtilen Entwicklung, aber die Entführung wirkt hier wie eine Bombe, und alle Beteiligten müssen nur hinterher spielen. Und deshalb verlieren wir so schnell die Aufmerksamkeit, denn einerseits sitzen wir in einem Thriller - wer war denn nun der Entführer - und andererseits kommt man nicht so richtig ran an die ganzen Probleme, die die einzelne Familienmitglieder mit sich rumtragen."

Leweke vermutet, dass der Eröffnungsfilm eine Notlösung war:

"Eine Eröffnung braucht ja immer Glamour, so ein bisschen Auflauf am roten Teppich. Und die größeren Produktionen warten immer mehr auf die Herbstfestivals, wenn die Oscar-Saison losgeht. Hier hatte man ja Penélope Cruz und Javier Bardem, und das sind ja auch schon zwei Weltstars. Die Show am roten Teppich stimmte."


Eindrücke - "Post aus Cannes" von Susanne Burg:

Insgesamt stimme die Mischung in Cannes aber.

"Einerseits hat man die ganzen Stammgäste da – man freut sich auf das asiatische, stille Kino und gleichzeitig gibt es dieses Jahr auch Newcomer. Und die kommen aus dem nahen und mittleren Osten. Dort gibt es viele Kinogeschichten, die noch gar nicht erzählt sind. Das ist eine aufgewühlte, politisch interessante Region. Und über all dem schwebt dann aber der ewige Avantgardist Jean-Luc Godard, der hier dann auch seinen neuen Film 'Das Buch der Bilder' vorstellt."

Debatte um Missbrauch findet nicht statt

Unzureichend findet Leweke, dass sich das Festival nach dem Missbrauchsskandal um den Produzenten Harvey Weinstein nicht deutlich positioniert.

"Bei der Eröffnung war das gar nicht groß Thema. Festivals sind ja so Grauzonen, wo das Private und das Geschäftliche ineinander übergehen. Also Hotelzimmer werden dann auf einmal umfunktioniert zu Büros, aber das Bett steht trotzdem da. Und dann die ganzen Partys. Diese Strukturen zu hinterfragen ist sicher richtig, aber eigentlich müsste noch mehr geschehen. Gerade ein Festival ist der Ort, an dem wir solche Strukturen noch mehr überdenken müssen."

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