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Konzert / Archiv | Beitrag vom 24.10.2019

Erkki-Sven Tüür zum 60. GeburtstagJubelkonzert in Tallinn

Moderation: Volker Michael

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Erkki Sven Tüür trägt eine Mütze und Schal und steht vor einem Birkenwald. (imago images/Sander Ilvest)
Der Komponist Erkki Sven Tüür in seiner Heimat. (imago images/Sander Ilvest)

Erkki Sven Tüür schreibt äußerst originelle Orchestermusik. Damit hat er sich als einer der beliebtesten Komponisten des Baltikums einen Namen gemacht. Jetzt wurde er anlässlich seines 60. Geburtstages ausgiebig in Tallinn gefeiert.

Erkki-Sven Tüür ist ein starker Individualist. Das mag in der estnischen Musikszene nichts heißen, denn wer würde behaupten, dass Komponisten wie Arvo Pärt, Ester Mägi, Jaan Rääts, Jüri Reinvere oder Helena Tulve oder viele andere keine starken Einzelcharaktere wären. Keine(r) von ihnen hat sich je einer Schule oder Mode angeschlossen, wie es in den westeuropäischen Musikszenen eher die Regel als die Ausnahme ist.

Das Estnische Nationale Symphonieorchester ist wie kaum ein anderes eng vertraut mit der Klangsprache Tüürs. Es hat seine ersten drei Sinfonien zur Uraufführung gebracht und viele andere Werke gespielt. Der erste Gastdirigent des Orchesters, Olari Elts ist ein guter Freund des Komponisten und war nahe dran am kreativen Prozess beim Entstehen vieler Werke.

Initiation durch Beethoven

Passend zum bald beginnenden Beethoven-Jahr zeigt das erste Werk des Geburtstagskonzerts - Phantasma - Erkki-Sven Tüürs Nähe zu Ludwig van Beethoven. An dessen Coriolan-Ouvertüre entschied sich sein Schicksal, sagt Tüür. Diese Musik habe ihn so ergriffen, dass er sich vollkommen der klassischen Musik verschrieben hat. Schon Tüürs Vater hatte zu Zeiten des 2. Weltkrieges diese Ouvertüre im Radio gehört und aus ihr viel Kraft und Lebenswillen geschöpft.

Piccoloflöte und Klimawandel

Eine tiefgehende Auseinandersetzung Tüürs mit dem Klimawandel ist das Konzertstück "Solastalgia". Es drückt ein Gefühl der Sehnsucht nach Trost aus, angesichts der bedrohlichen Veränderungen, die der Komponist selbst spüren kann auf der Ostseelinsel Hiiumaa, auf der er geboren wurde und wo er heute noch lebt. Der Soloflötist des Concertgebouworkest Amsterdam, Vincent Cortvrint, spielt das Konzert, das Erkki-Sven Tüür für ihn komponiert hat. Vor knapp zwei Jahren hat er es in Amsterdam uraufgeführt.

Der Estonia-Konzertsaal in Tallinn (Eesti Kontsert)Der Estonia-Konzertsaal in Tallinn (Eesti Kontsert)

Der zweite Teil bringt Tüürs neunte und neueste Sinfonie. Sie trägt den Titel "Mythos" und war sein repräsentativer Beitrag zum Jubiläumsjahr 2018, in dem Estland sein 100-jähriges Bestehen als unabhängiger Staat gefeiert hat.  

In der Konzertpause porträtiert Elisabeth Hahn den estnischen Komponisten Erkki-Sven Tüür. Den Beitrag können Sie hier nachhören:

Estonia Konzerthalle, Tallinn
Aufzeichnung vom 4. Oktober 2019

Erkki-Sven Tüür
"Phantasma" für Orchester
"Solastalgia" für Piccoloflöte und Orchester
Sinfonie Nr. 9 ("Mythos")

Vincent Cortvrint, Piccoloflöte
Estnisches Nationales Symphonieorchester
Leitung: Olari Elts

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