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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 24.05.2016

EritreaBlutiger Weg in die Unabhängigkeit

Von Bettina Rühl

Flagge von Eritrea (afp / Nichole Sobecki)
Flagge von Eritrea: 1961 begann der bewaffnete Aufstand der Eritreischen Befreiungsfront ELF, von der sich die EPLF später abspaltete. (afp / Nichole Sobecki)

Drei Jahrzehnte dauerte der bewaffnete Aufstand der Eritreischen Befreiungsfront gegen die äthiopische Armee. Am Ende war die Guerilla-Truppe EPLF siegreich. Am 24. Mai 1991, heute vor 25 Jahren, marschierte sie in der eritreischen Hauptstadt Asmara ein.

"Eritrea hat 30 Jahre lang für seine Freiheit gekämpft, für das Ende der Umklammerung durch das äthiopische Reich. Dieses Ziel wurde am 24. Mai 1991 erreicht."

Die Audio-Führung im Museum der eritreischen Hauptstadt Asmara ist mit reichlich Gefechtslärm untermalt. Zwei Jahre nach dem militärischen Sieg wurde Eritrea ein eigener Staat. Elias Habteselassie, heute Mitte 70, kämpfte jahrzehntelang im politischen Flügel der Befreiungsbewegung für die Unabhängigkeit seines Landes.

"Ich bereue es nicht, Teil des Kampfes gewesen zu sein - trotz aller späteren Enttäuschungen. Wir haben alleine die äthiopische Armee besiegt, die erst von den Amerikanern und dann von den Russen unterstützt wurde – das war eine historische Leistung."

Ende der 50er-Jahre hatte die Sehnsucht nach der Unabhängigkeit von Äthiopien gute Gründe: das ostafrikanische Land war zunächst unter Kaiser Haile Selassie, dann unter dem sozialistischen Militär Mengistu Haile Mariam eine brutale Diktatur. In Eritrea, der vernachlässigten Nordostregion Äthiopiens, gab es kaum Bildungsmöglichkeiten, kaum Infrastruktur. Außerdem fühlten sich die Eritreer zu Unrecht der äthiopischen Herrschaft unterstellt: Ihre Heimat war 1952 nach einem guten halben Jahrhundert italienischer Kolonialherrschaft und weiteren elf Jahren unter britischer Verwaltung dem benachbarten Äthiopien angegliedert worden. 1961 begann der bewaffnete Aufstand der Eritreischen Befreiungsfront ELF, von der sich die EPLF später abspaltete. In einem brutalen Bruderkrieg gewann sie Oberhand.  

Befreiungsbewegung mit gesellschaftspolitischen Zielen

Die deutsche Journalistin Eva Maria Bruchhaus reiste Ende der 80er-Jahre in die so genannten befreiten Gebiete.

"Wir waren sehr beeindruckt von den schwierigen und spartanischen Bedingungen, unter denen die Leute der EPLF, der Befreiungsbewegung, lebten und kämpften. Es gab keine direkten Kriegshandlungen mit der äthiopischen Armee, aber es gab praktisch jeden Tag Luftangriffe, und das Leben fand überwiegend nachts statt, und wir waren auch sehr beeindruckt über die – ja, man könnte fast sagen Entwicklungsprojekte, die durchgeführt wurden."

Dazu gehörte eine pharmazeutische Fabrik, die die wichtigsten Medikamente herstellte. Außerdem gab es Krankenhäuser und Bewässerungsprojekte. Während sie einerseits Krieg führten, produzierten die Guerilla-Kämpfer andererseits Saatgut und entwickelten ein neues Schulbildungskonzept für die Zeit nach dem Sieg.

"Es war halt eine Befreiungsbewegung, die sich nicht nur zum Ziel gesetzt hatte, das Land zu befreien von der äthiopischen Herrschaft, sondern sie hatten auch gesellschaftspolitische Ziele."

Währenddessen kamen Elias Habteselassie erste Zweifel. Immer mehr Mitglieder der Befreiungsbewegung wurden als "Abweichler" und "Konterrevolutionäre" verunglimpft und exekutiert.

"Viele unserer Freunde und früheren Kampfgefährten sind mittlerweile im Gefängnis. Nach Schätzungen gibt es zurzeit 7.000 politische Gefangene, aber keiner kann sagen, wie viele von ihnen überhaupt noch am Leben sind."

Verhaftungen, Folter und Zwangsarbeit gehören zum Alltag

Anfang Juni 2015 veröffentlichten die Vereinten Nationen einen Bericht über die Lage in Eritrea. Demnach sind willkürliche Verhaftungen, Folter und Zwangsarbeit weit verbreitet. Die Verfassung, an deren Ausarbeitung auch der Jurist Habteselassie beteiligt war, hat der einstige Rebellenführer und heutige Präsident Isaias Afewerki nie unterzeichnet.

"Ich habe mein ganzes Leben für dieses Land gegeben, habe viele Freunde verloren, die im Krieg für die Unabhängigkeit gefallen sind. Am Ende stellen wir fest, dass wir ein Monster geschaffen haben, das unsere Heimat mit eiserner Faust regiert. Das ist eine wirklich bittere Pointe."

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