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Tonart | Beitrag vom 22.01.2021

Erinnerung an Sam Cooke Ein Wanderer zwischen den Welten

Klaus Walter im Gespräch mit Martin Böttcher

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Der Musiker Sam Cooke  (picture-alliance/Ronald Grant Archive / Mary Evan)
Der Sänger Sam Cooke ist in die Musikgeschichte eingegangen. Heute wäre er 90 Jahre alt geworden. (picture-alliance/Ronald Grant Archive / Mary Evan)

Vor 90 Jahren wurde der legendäre US-amerikanische Sänger Sam Cooke geboren. Auch viele Jahrzehnte nach seinem Tod lässt sich in seiner Musik und Persönlichkeit viel entdecken. Einige seiner Lieder sind unvergessene Evergreens.

Heute wäre der US-amerikanische R&B-Sänger Sam Cooke 90 Jahre alt geworden. Er starb schon 1964 mit gerade mal 33 Jahren. Warum Sam Cooke bis heute weit mehr war als eine Fußnote der Popgeschichte ist, begründet unser Musikkritiker Klaus Walter so: "Er war ein begnadeter Sänger, er war der Autor von Evergreens, er war ein berühmt-berüchtigter Ladies Man, eine wichtige Figur der Bürgerrechtsbewegung, er war Jeansverkäufer und ein Wanderer zwischen den Welten." 

Musikalisch sei Sam Cooke zwischen dem Weltlichen und dem Geistlichen gewandert, sagt Walter. Weil der Vater Pfarrer war, habe er wie viele afroamerikanische Sängerinnen und Sänger das Singen buchstäblich in der Kirche gelernt. Schon als Junge habe er das Loblied auf den Allmächtigen gesungen und dass Jesus ihn ins gelobte Land führen werde. Mit frommen Liedern wie "Jesus will lead me to that promised land" feierte er in der Gospelgruppe "The Soul Stirrers" Anfang der 1950er Jahre erste Erfolge.  

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Mit seiner Dynamik und seinem explosiven und temperamentvollen Gesangsstil habe Cooke ein junges Publikum für seine Art von Gospel begeistert, vor allem junge Mädchen. "Er konnte nicht nur gut singen, er sah auch gut aus und hat es auch sehr gut auf die Bühne gebracht", sagt Walter. So sei Cooke auch der Sprung vom Gospel ins Popgeschäft gelungen. 1956 der erste Pop-Hit "Loveable" war ein Remake von einem Gospelsong, der eigentlich "Wonderful" hieß. Das sei damals gängige Praxis gewesen. 

1986 und damit mehr als 20 Jahre nach seinem Tod wurde einer seiner alten Hits in einer nachgesungenen Version für einen Werbespot von" Levi's Jeans" eingesetzt. Danach erschien der Originalsong von Sam Cooke und plötzlich landete "Wonderful World" in Deutschland auf Platz 1. 

Songschreiber für die Bürgerrechtsbewegung 

Wie viele schwarze Künstlerinnen und Künstler war Cooke auch in der US-Bürgerechtsbewegung aktiv, erinnert Walter. "Aber noch wichtiger: Er hat einen, wenn nicht sogar den Song zur Bürgerrechtsbewegung geschrieben und gesungen, "A Change Is Gonna Come". 1964 erschien der Song zum ersten Mal auf einer Single-B-Seite, weil man ihm wohl keine Hitchancen eingeräumt habe. "Es ist viel Zeit vergangen, aber ich weiß, es wird einen Wandel geben", singt Sam Cooke. Angeblich sei das Lied inspiriert von persönlichen Erfahrungen des schwarzen Sängers, so Walter.

Cooke sei einst in Louisiana in einem Hotel, das nur weiße Gäste beherbergte, abgewiesen worden. Der kommerzielle Erfolg von "A Change Is Gonna Come" sei dann zunächst mäßig gewesen. "Aber die Langzeitwirkung ist es eben, die das ausmacht", sagt unser Kritiker. "Es ist dann doch einer der größten Songs des 20. Jahrhunderts, eine Hymne der Bürgerrechtsbewegung." Viele große Stimmen hätten das Lied dann später aufgenommen: Otis Redding, Aretha Franklin, Solomon Burke und Beyoncé. "Wer was auf sich hält im Soul und R&B, der singt einmal im Leben dieses Lied. 'A Change Is Gonna Come'." 

Sam Cooke und die Frauen 

Cooke hatte auch den Ruf ein "ladies man" zu sein. "Er kam schon gut an bei den Frauen", sagt Walter. Als einer der ersten Performer, der auf der Bühne seinen Sexappeal bewußt eingesetzt habe, habe er auch ein sehr gewinnendes Lächeln gehabt. Sam Cooke war zwei Mal verheiratet, drei Kinder aus der zweiten Ehe und noch mindestens drei weitere Kinder aus anderen Beziehungen. "Seine Kollegin Beverly Knight hat einmal gesagt, wäre er nicht so ein ladies man gewesen, vielleicht wäre er noch am Leben." 

Tragischer Tod 

Bis heute sei Cookes Tod ungeklärt, berichtet Walter. Am 11. Dezember 1964 war der Musiker im Hacienda Motel in Los Angeles von der Hotelmanagerin Bertha Franklin erschossen worden, angeblich in Notwehr.

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