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Studio 9 | Beitrag vom 16.12.2018

Ergebnisse des Klimagipfels in KattowitzDie Staaten raufen sich zusammen

Von Georg Ehlert

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Michal Kurtyka (vorne, M), Präsident der UN-Klimakonferenz COP24, freut sich mit zahlreichen Teilnehmern des Weltklimagipfels über den erreichten Kompromiss. Ziel des Abkommens ist, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen.  (dpa / Monika Skolimowska)
Michal Kurtyka (vorne, M), Präsident der UN-Klimakonferenz COP24, freut sich mit zahlreichen Teilnehmern des Weltklimagipfels über den erreichten Kompromiss (dpa / Monika Skolimowska)

Die Industrieländer sind endlich in der Pflicht, ihre Emissionen zu erfassen und die Entwicklungsländer beim Klimaschutz zu unterstützen. Ein Erfolg des Klimagipfels in Kattowitz, doch gerettet ist das Weltklima damit noch nicht. Ein Kommentar.

Es war eine zähe Veranstaltung, doch die zwei Wochen in Kattowitz haben sich gelohnt. Die Staatengemeinschaft hat erfreulich strikte Regeln verabschiedet für den Klimaschutz: Jedes Land muss künftig seine CO2-Emissionen erfassen und der Welt darüber Rechenschaft ablegen. Und die Industrieländer werden verpflichtet, offenzulegen, ob sie ihre Zusage für die Unterstützung von Entwicklungsländern im Klimaschutz einhalten. Das alles hört sich reichlich technisch an und das ist es auch. Doch die Konferenz hat damit zumindest die meisten Fragen beantwortet, die beim historischen Klimagipfel in Paris offen geblieben waren. Vor drei Jahren wurde mit dem Pariser Abkommen ein Grundgesetz zum Schutz des Klimas beschlossen, jetzt haben wir das Verwaltungsrecht dazu. Das ist ein großer Fortschritt, allein deshalb ist die Konferenz in Kattowitz ein Erfolg.

Kein Pathos, sondern Realität

Und noch etwas hat sich gezeigt: Die Welt ist trotz der Welle des Nationalismus in der Lage, multilaterale Abkommen zu schließen – mit vielen Beteiligten, die jeweils einen völlig unterschiedlichen Hintergrund haben. Der Klimawandel ist der Testfall für die Handlungsfähigkeit der internationalen Gemeinschaft – das sagte Südafrikas Umweltminister Derek Hanekom und er hat Recht damit: Wenn wir nicht zusammenarbeiten, dann sind wir zusammen dem Untergang geweiht – das ist kein Pathos, sondern einfach die Realität. Ohne Bereitschaft zum Kompromiss geht es dabei nicht  und den haben die Unterhändler auch in schwierigen Fragen gefunden.

Eines hat die Konferenz freilich nicht geschafft: Genau wie ihre 23 Vorgänger hat sie das Weltklima nicht gerettet. Doch damit wäre sie hoffnungslos überfordert gewesen. Die Staatengemeinschaft brachte einen leider wenig ambitionierten Aufruf zu größeren Anstrengungen zu Stande und  lobt den Weltklimarat IPCC für seinen neuen Sonderbericht. Darin stellen die Wissenschaftler fest, dass es enorm großer Anstrengungen bedarf, um die Erderwärmung noch unter 1,5 Grad zu halten aber auch, dass sich die Anstrengung lohnen würde – etwa indem wenigstens ein kleiner Teil der Korallenriffe erhalten bliebe.

Deutschland hat beim Klimaschutz zwei Gesichter

Diesem Aufruf Taten folgen zu lassen, das nicht die Aufgabe der  Klimakonferenz, denn sie ist keine Weltregierung. Das Klima schützen, das können nur die Staaten, die Unternehmen und die Menschen selbst. Das Pariser Abkommen und das in Kattowitz verabschiedete Regelbuch setzen dafür den Rahmen. 

Hören Sie auch den Bericht von Georg Ehring zu den Ergebnissen des Klimagipfels in Kattowitz:

Gefragt ist also auch Deutschland. Doch unser Land hat hier zwei Gesichter. Das erste besteht aus Worten: Bei zwei demonstrativen Auftritten der "High Ambition Coalition", der Koalition für hohe Ambitionen, aus Europäischer Union und Entwicklungsländern  verlas Bundesumweltministerin Svenja Schulze in Kattowitz flammende Aufrufe: Der Bericht des Weltklimarates zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad müsse prominent gewürdigt werden, alle Staaten seien gefordert, ihre Anstrengungen zu erhöhen. Das ist gut gesagt. Doch die Taten passen nicht dazu – und das ist das zweite Gesicht. Unser Land verfehlt sein kurzfristiges Klimaziel meilenweit, die praktische Klimapolitik ist seit Jahren ein Desaster. Die Kommission, die über den Ausstieg aus der Braunkohle berät, hat sich ins nächste Jahr vertagt und auch 2019 ist wieder nicht genug Geld im Topf für die Förderung von Wärmedämmung, sparsamen Fenstern und besseren Heizungen für Wohnungen.  Svenja Schulze lächelt dazu – aber gute Miene zum bösen Spiel das der falsche Weg.

Kein weiteres Zögern erlaubt

Wenn die Erderwärmung noch unter 1,5 Grad gehalten werden soll, muss der CO2-Ausstoß weltweit bis 2030 halbiert werden – dies erlaubt kein weiteres Zögern. Wer den Sonderbericht des IPCC und den Aufruf der High Ambition Coalition ernst nimmt, muss auch zuhause den Mut aufbringen, dem Klimaschutz Vorrang zu geben. Die Konferenz in  Kattowitz hat wieder einmal gezeigt, dass es für dieses Unterfangen viele potenzielle Verbündete gibt. Und auch das ist eine gute Nachricht.

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