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Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 23.10.2006

Erforschter Erdbegleiter

CD-Rom trägt Erkenntnisse über den Mond zusammen

Von Gerrit Stratmann

Blick auf die Oberfläche des Mondes, aufgenommen im Mai 1969 von der Raumsonde Apollo 11 (AP Archiv)
Blick auf die Oberfläche des Mondes, aufgenommen im Mai 1969 von der Raumsonde Apollo 11 (AP Archiv)

Der Mond rückt wieder verstärkt in den Fokus der Raumfahrt. Nach den vielen Erkundungsmissionen der 60er und 70er Jahre und besonders nach der spektakulären Landung der ersten Menschen auf dem Mond, hat die amerikanische Weltraumbehörde NASA grünes Licht für neue Mondmissionen bekommen. Was man bis heute schon alles über den Mond herausgefunden hat, davon vermittelt die CD-Rom "Mission Mond – Aufbruch ins All" einen Eindruck.

Es muss ein ganz wunderbarer Ort sein, den der Astronom John Herschel 1835 bei einem Blick durch sein neues Teleskop in Südafrika beobachtet und beschreibt:

"Von besonderer Pracht war die Umgebung des Mare Nubium. Ein Strand von glänzend weißem Sande, umgürtet mit hochgetürmten grünen Marmorfelsen, [...] Das Wasser war blau, fast wie das des tiefen Ozeans, und brach sich in langen weißen Wogen am Ufer…
Auf einer Klippe wurden große Geschöpfe sichtbar. Sie waren ungefähr vier Fuß hoch, mit kurzen, kupferfarbenen Haaren bedeckt und hatten Flügel, welche aus einer dünnen, elastischen Haut bestanden. Indem sie vorübergingen, waren diese Geschöpfe augenscheinlich in Unterhaltung begriffen."

Was sich anhört wie die Szenerie auf einer unbekannten karibischen Insel, ist angeblich eine völlig fremde Welt. Das beobachtete Mare Nubium, das ‚Wolkenmeer’, ist eine Region auf der Oberfläche des Mondes, und der Artikel aus der New Yorker Tageszeitung The Sun, der die angebliche, wissenschaftliche Entdeckung schildert, ist die wohl größte wissenschaftliche Ente, mit der die Leser 1835 auf den Arm genommen wurden. Damals erschien es vielen Lesern durchaus noch vorstellbar, an einen bewohnten Erdtrabanten zu glauben.

Heute ist der Mond ebenso genau kartografiert wie die Erde vor ein paar Jahrzehnten. Die CD-Rom "Mission Mond" hält einen detaillierten Atlas seiner Oberfläche auf einem dreidimensionalen, virtuellen Globus parat. Darauf sind alle so genannten Meere, viele Krater und Gebirgsformationen namentlich verzeichnet. Dass der Mond viel von seinem Zauber verloren hat und heute niemand mehr an Mondbewohner glaubt, ist vor allem einem ehrgeizigen Abenteuer zu verdanken, das vor über 40 Jahren seinen Ausgang nahm.

"”Manche fragen: Warum der Mond? Warum wählen wir dieses Ziel? Sie könnten ebenso gut fragen, warum sollte man den höchsten Berg erklimmen? Warum hat man vor 35 Jahren den Atlantik überflogen? Wir wollen zum Mond. Wir wollen in diesem Jahrzehnt zum Mond, nicht weil es einfach wäre, sondern weil es schwierig ist; weil dieses Ziel dazu dienen wird, unsere besten Fähigkeiten herauszustellen; weil wir gewillt sind, diese Herausforderung anzunehmen.""

Der US-Präsident John F. Kennedy schwört die Vereinigten Staaten 1961 auf das ehrgeizige Mondlandeprogramm ein. Nur acht Jahre vergehen bis zum Start von Apollo 11, die diese Mission erfolgreich abschließt.

Die Erforschung des Erdbegleiters ist mit zahlreichen Erkundungsflügen gepflastert. Angefangen bei den sowjetischen Luna-Sonden 1958 bis zu der kürzlich kontrolliert zum Absturz gebrachten Smart-1 listet die Datenbank auf der CD insgesamt 166 Mondmissionen auf, die meisten davon unbemannt. Höhepunkt bleibt nach wie vor die erste Landung von Menschen auf dem Mond. Sinkflug und Landemanöver sind als ungeschnittenes, 16-minütiges Video zu verfolgen.

Mit Hilfe der CD-Rom durchstreift der Nutzer heute Zuhause die zerklüftete Landschaft unseres Trabanten. Ausgewählte Gebiete sind als dreidimensionales Oberflächenmodell abgespeichert, die im Tiefflug überflogen werden können. Von der Tiefebene des Mare Serenitatis steuert man so zum Beispiel auf die Ausläufer der Appeninen-Bergkette zu und erreicht knapp hinter dem Berg Hadley den Landeplatz von Apollo 15.

So beeindruckend die Reisemöglichkeiten auf der CD auch sind, das Problem mit dem Mond ist leider: Es gibt nicht wirklich viel dort oben zu sehen. Ein paar Krater, ein paar Felsbrocken, sehr viel Staub, und das alles einfarbig grau.

Lernen kann man allerdings trotzdem einiges aus der umfassenden Monddatenbank der CD: zum Beispiel über die sehr dünne Atmosphäre des Trabanten, sein Magnetfeld, seine Entstehung, seine Zusammensetzung oder die von der Erde aus zu sehenden Mondphasen.

"Bei Neumond steht der Mond zwischen Sonne und Erde, und wir blicken auf die dunkle, unbeleuchtete Mondhälfte, die am hellen Taghimmel nicht zu erkennen ist. In den Tagen nach Neumond entfernt sich der Mond immer weiter aus der Sonnenrichtung, taucht am Abendhimmel auf und kann als zunehmende Sichel beobachtet werden."

Neben diesen Fakten beschäftigt sich die Software auch ausführlich mit dem angeblichen Mondschwindel. Verschwörungstheoretiker lässt der Gedanke nicht locker, die Mondlandung habe niemals statt gefunden, sondern sei nur eine geschickte Inszenierung der NASA gewesen. Die Datenbank auf der CD bemerkt dazu:

"Über die Jahre hinweg wurden sämtliche Argumente über einen angeblichen Mondlandungsschwindel Stück für Stück widerlegt, was aber nicht dazu geführt hat, dass sich die Verschwörungstheorie nicht weiterhin hartnäckig hält und über die Medien verbreitet wird."

Der Reihe nach werden populäre Vorwürfe der Verschwörer entkräftet und der Leser erfährt, warum man auf den Mondfotos keine Sterne sieht, warum die Fahne aussieht, als würde sie in einem nicht vorhandenen Wind wehen, und warum Schatten in unterschiedliche Richtungen zu laufen scheinen.

Die Argumente tragen sicherlich weiter zur wissenschaftlichen Entzauberung des Mondes bei. Aber was auch immer Menschen dazu treibt, hinter jeder großen Tat ein Komplott zu vermuten, die Astronauten von Apollo 17 hatten trotz aller Nüchternheit der Mondlandschaft offensichtlich sehr viel Spaß dort oben bei ihrem Besuch.


Die Doppel-CD-Rom "Mission Mond – Aufbruch ins All" ist im United Soft Media Verlag für Windows-Rechner erschienen und kostet 29,90 Euro.

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