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Lesart / Archiv | Beitrag vom 09.06.2020

Erfahrungen mit AlltagsrassismusEinen kulturellen Umgang mit dem Anderssein finden

Ulrike Draesner im Gespräch mit Andrea Gerk

Illustration in der eine gestrichelte Linie zwischen einer gruppe weißer Personen und einer Gruppe schwarzer Personen verläuft. (Imago / fStop Images / Malte Müller)
Trennung in schwarz und weiß: Alltagsrassismus fängt damit an, wie jeder und jede Einzelne die Welt im eigenen Kopf sortiert. (Imago / fStop Images / Malte Müller)

Im deutschen Alltag fehle der selbstverständliche Umgang mit unterschiedlichen Hautfarben - zum Beispiel in einer Familie, sagt die Schriftstellerin Ulrike Draesner. Sie ist Mutter einer schwarzen Tochter und oft mit Alltagsrassismus konfrontiert.

Die Schriftstellerin Ulrike Draesner ist Mutter einer dunkelhäutigen Tochter. Im Alltag ist sie mit Rassismus konfrontiert. "Wir erleben unterschiedliche Formen von Diskriminierung", berichtet Draesner. Darunter auch "ganz krasse Fälle, wo wir einfach beschimpft werden", das passiere mindestens einmal im Jahr.

Spottlieder oder Fragen nach der Herkunft

Oder am Spielplatz werden plötzlich "Schokoladen-Songs" gesungen. Als ihre Tochter das erlebte, habe sie die Botschaft sofort verstanden und sei weinend zu ihr gelaufen. Oder im Hotel: "Da kommen Leute an den Tisch, beim Frühstück, stellen sich hinter mein Kind und sagen zu mir: 'Na, wo ist die Kleine denn her?' Als wäre das Kind sowieso taub und stumm."

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Die Schriftstellerin sagt, sie versuche, auf diese Formen von Alltagsrassismus zu reagieren, indem sie ihrer Tochter zeige, wie man mit solchen Situationen souverän umgehen kann: "dass man sich da auch wehrt, aber dass man das eben auf eine diskursive Art und Weise tut, dass man das Gespräch sucht mit den Leuten."

Bewusstsein für die richtigen Signale

So versuche sie ihre Tochter zu schützen. Für viele weiße Menschen sei es nicht klar, wie man bei der Begegnung mit schwarzen Menschen eine Frage stellt, ohne dass der Andere oder die Andere verletzt wird. Und wie man ein Signal setzt‚ dass man sich für die Geschichte des Gegenübers interessiert.

Schriftstellerin Ulrike Draesner sitz auf einem Podium und spricht zum Publikum. (imago/gezett)Das Gespräch suchen, tradierte Bilder hinterfragen: die Autorin Ulrike Draesner. (imago/gezett)

Bilder und Vorstellungen seien tief abgespeichert, sagt Draesner und meint "Nationalvorstellungen" darüber, wie die oder der Deutsche aussieht. Nur durch Austausch könnten wir uns von den Bildern, die uns dabei durch den Kopf spukten, wegbewegen.

Respekt vor dem Gegenüber

"Wir können uns gar nicht dagegen wehren, dass wir an einem Menschen, der uns gegenüber tritt, alles Mögliche wahrnehmen", betont Ulrike Draesner. Sei es Alter, Gender, Status, Gesundheit, die Haarfarbe oder die Hautfarbe.

Es gehe also gar nicht darum, dass andere Menschen nicht als anders wahrgenommen werden dürfen. Die Frage sei vielmehr, welchen kulturellen Umgang wir mit dieser Wahrnehmung finden.

(huc)

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