Seit 11:05 Uhr Tonart

Montag, 17.06.2019
 
Seit 11:05 Uhr Tonart

Rang I | Beitrag vom 04.08.2018

Erfahrungen an Schauspielschulen"Jeder einzelne Muskel ist gefordert"

Antonia Scharl und Jannik Mühlenweg im Gespräch mit André Mumot

Podcast abonnieren
Die Schauspielschüler Antonia Scharl (links) und Jannik Mühlenweg. (Jakob Tillmann / privat / Wolfgang Schmidt Montage: Deutschlandradio)
Antonia Scharl und Jannik Mühlenweg: Schauspielschülerin in Berlin und Absolvent in Stuttgart. (Jakob Tillmann / privat / Wolfgang Schmidt Montage: Deutschlandradio)

Wie bereiten Schauspielschulen ihre Absolventen auf die Herausforderungen des Berufs vor? Zwei Studierende berichten über ihre Ausbildung in Berlin und Stuttgart – und sprechen über ihre Vorstellung vom Theater.

Das Theater will und muss zukunftsfähig sein, deshalb braucht es engagierten und kritischen künstlerischen Nachwuchs, der frischen Wind ins System bringt. Im Gespräch berichten Antonia Scharl, die im dritten Jahr an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin studiert, und Jannik Mühlenweg, der gerade seinen Abschluss an der staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart gemacht hat, aus der Sicht der Schauspielschüler.

Politische Haltung und Verantwortung

"Es ist sehr einnehmend und allumfassend", beschreibt Antonia Scharl ihr Studium. "Schauspielerin oder Schauspieler zu sein, ist etwas sehr Ganzheitliches. Man ist mit seinen Gedanken da drin, man ist mit seinem Körper da drin, mit seiner Seele, mit allem", sagt Scharl. "Alles ist gefordert, jeder einzelne Muskel. Und verändert man irgendwas, ist es komplett sichtbar auf der Bühne. Das ist das Besondere, und auch der Grund warum ich diesen Beruf so liebe und ihn machen möchte."

Heute, wo sich das Theater nicht nur mit neuen Spielformen beschäftigt, sondern auch wieder verstärkt als moralische Anstalt begreift, die auf die Gesellschaft einwirken will, wird es auch für junge Schauspielerinnen und Schauspieler immer wichtiger, mit einer klaren politischen Haltung auf die Bühne zu treten.

"Ich finde, eine Schauspielerin ist, wie jeder Mensch im besten Fall, politisch und bewusst und mündig. Deshalb freue ich mich darauf", sagt Antonia Scharl, "und fordere das auch, will auch selber solche Themen behandeln. Das Theater ist natürlich irgendwo ein öffentlicher Ort und hat dadurch noch mal eine andere Form von Verantwortung."

Wie steht es um die "moralische Anstalt" heute?

Jannik Mühlenweg stimmt durchaus zu, macht aber Einschränkungen: "Ich finde den Begriff der moralischen Anstalt total schwierig. Ich hätte jetzt privat gar keinen Bock, abends in eine moralische Anstalt zu gehen und mich irgendwie belehren zu lassen, wie ich zu leben habe. Ich finde es viel wichtiger, den Raum zu nehmen – als einen gemeinsamen, wo man zusammen über Dinge nachdenken kann."

Ab der nächsten Spielzeit gehört er selbst zum Ensemble des Schauspiel Stuttgarts, wo er bereits in Claus Peymanns "König Lear"-Inszenierung mitgewirkt hat. "Eine ganz tolle Erfahrung, für die ich sehr dankbar bin, aber auch eine wahnsinnig harte Schule, wo eben auch wirklich Theaterwelten aufeinander prallen. Eine Inszenierungsart, die ich so einfach noch nicht erlebt und gesehen habe. Im Endeffekt ist es, glaube ich, immer produktiv, wenn da Welten aufeinanderprallen, weil dann etwas Neues entsteht oder man auch im Kontrast zu jemandem, eine Rolle entwickeln kann."

Der Theaterpodcast

Folge 14Der Stoff, aus dem der Osten ist
Szene aus "Düsterbuschs City Lights" am Theater Magdeburg (Theater Magdeburg)

Von einer Magdeburg-Reise kommen wir mit Fragen zurück: Welche Themen interessieren 30 Jahre nach dem Mauerfall das Publikum in den neuen Bundesländern? Muss man hier anders Theater machen? Und warum fallen Kritiken oft anders aus als Zuschauerreaktionen?Mehr

weitere Beiträge

Fazit

Fotografien von Susan MeiselasAnsichten eines Genozids
Auf diesem Bild sind Menschen zu sehen, die einer Exhumierung beiwohnen. (Susan Meiselas)

Zerfetzte Kleidungsstücke, Trümmer auf einem Hügel, Massengräber: Susan Meiselas zeigt in ihren Fotografien Spuren des Völkermords an den irakischen Kurden aus dem Jahr 1991. Ihre eindringlichen Bilder sind jetzt in Frankfurt am Main zu sehen.Mehr

weitere Beiträge

Kompressor

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur