Mittwoch, 20.11.2019
 

Interview / Archiv | Beitrag vom 29.08.2018

Erdoğan-Statue abgebaut"Eine Niederlage für die Kunstfreiheit"

Ludger Fittkau im Gespräch mit Stephan Karkowsky

Podcast abonnieren
Eine goldene Erdogan-Statue steht auf dem Platz der Deutschen Einheit. Sie wurde im Rahmen des Kunstfestivals "Wiesbaden Biennale" aufgestellt (28.8.2018).  (dpa / picture alliance /  Arne Dedert)
Nach Protesten wieder abgebaut: Die vier Meter hohe goldene Statue des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan in Wiesbaden. (dpa / picture alliance / Arne Dedert)

Eine Erdogan-Statue in der Wiesbadener Innenstadt - das geht gar nicht, fanden die Stadtväter. Am Dienstagabend ließen sie das umstrittene Biennale-Kunstobjekt entfernen. Die Aufregung hätte man aushalten müssen, meint Ludger Fittkau.

Vergoldeter Beton, vier Meter hoch – etwa 24 Stunden lang zierte eine Erdoğan-Statue die  Wiesbadener Innenstadt. Am Dienstagabend bereiteten die Behörden der Kunstaktion, die im Rahmen der Biennale stattfand, ein Ende: Feuerwehrkräfte bauten die Statue ab, aus "Sicherheitsgründen", wie es hieß.

Vereinzelt Rangeleien

"Das ist eine Niederlage für die Kunstfreiheit", kommentiert unser Hessen-Korrespondent Ludger Fittkau die Maßnahme. Die Stadt hätte es ertragen müssen, dass die Statue noch bis zum Ende der Biennale am Sonntag dort steht. Natürlich habe es dort hitzige Diskussionen zwischen Erdoğan-Fans und Erdoğan-Kritikern gegeben, vereinzelt wohl auch Rangeleien: "Klar, da stoßen Kurden und türkischstämmige Migranten aufeinander."

Die Stadt Wiesbaden hat entschieden, die als Teil eines Kunstfestivals aufgestellte Statue des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan abbauen zu lassen. (dpa/picture-alliance/Michael Kappeler Sebastian Stenzel)Die Stadt Wiesbaden hat entschieden, die als Teil eines Kunstfestivals aufgestellte Statue des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan abbauen zu lassen (dpa/picture-alliance/Michael Kappeler Sebastian Stenzel)

Die Künstler sowie der Intendant und die Kuratoren hätten sich der Diskussion gestellt, betont Fittkau. Die Vertreter der Stadt allerdings offenbar nicht:

"Der Oberbürgermeister der Stadt, Sven Gerich (SPD), und der Bürgermeister Oliver Franz (CDU) haben diese Entscheidung getroffen. Ich habe jetzt nicht gehört, dass die beiden mal zur Statue gegangen sind und mit den Leuten diskutiert haben. Aber offenbar hat man einen polizeilichen Weg – oder in dem Fall die Feuerwehr – eingeschaltet, anstatt das Gespräch mit den erhitzten Gemütern zu suchen."

Auch das türkische Generalkonsulat in Frankfurt habe den Abbau der Statue gefordert. Offenbar habe man dort den satirischen Charakter der Aktion verstanden. (uko)

Mehr zum Thema

Biennale in Wiesbaden - Theater zu Supermärkten
(Deutschlandfunk Kultur, Rang I, 25.08.2018)

Wiesbaden Biennale 2018 - Supermarkt im Staatstheater
(Deutschlandfunk Kultur, Kompressor, 22.08.2018)

Interview

50 Jahre PuhdysDas Gesicht der DDR-Kultur im Ausland
Aus einem Regal mit zahlreichen Schallplatten wurde die LP "Heiß wie Schnee" von den Puhdys herausgezogen. Auf dem Cover ist das Porträt einer Frau zu sehen. (Peter Endig / dpa)

Deutsche Musik, die ins Ohr geht: Damit eroberten die Puhdys schon zu DDR-Zeiten auch Herzen westdeutscher Fans. Die ostdeutschen Rocker waren eine staatsnahe und überaus erfolgreiche Band, sagt Götz Hintze, Autor des "Rocklexikon der DDR".Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur