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Interview / Archiv | Beitrag vom 01.08.2016

Erdogan-Anhänger am Rheinufer"Demo für die Abschaffung der Demokratie in der Türkei"

Burak Çopur im Gespräch mit Anke Schaefer und Christopher Ricke

Anhänger des türkischen Staatspräsidenten Erdogan tragen bei der Kundgebung Schals mit dem Bild des türkischen Präsidenten. (dpa / Henning Kaiser)
Anhänger des türkischen Präsidenten Erdogan bei der Kundgebung in Köln. (dpa / Henning Kaiser)

Die Pro-Erdogan-Demo in Köln stand unter dem Motto "Ja zur Demokratie – nein zum Staatsstreich". Für den Turkisten Burak Çopur hatte die Veranstaltung damit aber wenig zu tun. Sie sei vielmehr eine "Machtdemonstration der AKP" gewesen.

Rund 40.000 Erdogan-Anhänger versammelten sich am Sonntag am Rheinufer. Motto: "Ja zur Demokratie – nein zum Staatsstreich". Doch mit dem Wunsch nach einer demokratischen Verfassung westlichen Zuschnitts hatte die Demonstration laut dem Turkisten Burak Çopur von der Universität Duisburg-Essen nicht viel zu tun.

Kritik an Erdogan bleibt nicht mehr unbeantwortet

Diese sei vielmehr eine "Machtdemonstration" der Erdogan-Partei AKP gewesen, sagte er im Deutschlandradio Kultur – und ein Signal in Richtung Berlin, "dass Kritik an der Person Erdogan nicht unbeantwortet bleibt und in Zukunft mit erheblichem Widerstand gerechnet werden muss".

"Das war sozusagen auch ein Aufstand gegen das deutsche Establishment, gegen die vermeintlich oberlehrerhaften und ignoranten deutschen Eliten – in den Medien, Politik und Justiz – die aus Sicht der Demonstranten Erdogan ständig kritisieren und der Türkei immer wieder Nachhilfe in Demokratie geben wollen", betonte der Migrationsforscher.

Identifikationsfigur, Heilsbringer, Superstar

Den großen Zuspruch, den der türkische Präsident inzwischen bei vielen seiner Landsleute genießt, erklärte Çopur mit der Rolle, die Erdogan inzwischen einnimmt. Er sei zu einer Identifikationsfigur geworden, so Çopur – "ein zweiter Atatürk", der gegen Ungerechtigkeiten und die "Belagerung" der Heimat kämpfe.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (dpa/picture alliance/RIA Novosti)Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan: Von ganz unten bis zum Superstar (dpa/picture alliance/RIA Novosti)

Erdogan biete den Menschen religiösen Halt und Unterstützung, er stärke ihre Heimatverbundenheit, ihr Selbstbewusstsein und das Wir-Gefühl. Diese verehrten und glorifizierten den Präsidenten nun als "ihren Superstar".

"Verkorkstes Demokratieverständnis"

Dem ganzen liege ein "verkorkstes Demokratieverständnis" zugrunde, so der Turkist. In unserem aufgeklärten Verständnis sei Demokratie nicht die "Diktatur der Mehrheit", sondern "insbesondere auch der Schutz von Minderheiten und Andersdenkenden". In der Türkei werde hingegen derzeit durch eine "Willkür-Justiz" jegliche kritische Opposition ausgeschaltet.

Die Demonstranten in Köln hätten ihre Grundrechte im Rahmen einer demokratisch-freiheitlichen Grundordnung genutzt, so Çopur – und sich zugleich für die Abschaffung der Demokratie in der Türkei eingesetzt.

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