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Kommentar / Archiv | Beitrag vom 13.04.2014

ErderwärmungNichtstun ist keine Option

Beim Klimaschutz sind Einsicht und guter Wille auf allen Seiten nötig

Von Christel Blanke, Hauptstadtstudio

Strommast und Windräder (dpa / picture alliance / Julian Stratenschulte)
Strommast und Windräder in Sehnde-Müllingen (Niedersachsen) (dpa / picture alliance / Julian Stratenschulte)

Der alarmierende Bericht der Klimaexperten belegt, dass die deutsche Energiewende richtig ist. Auf der ganzen Welt wird aufmerksam verfolgt, ob der Umstieg gelingt und zu welchem Preis.

So richtig neu ist das alles nicht. Seit langem ist bekannt, dass die Erde sich erwärmt. Dass Gletscher abschmelzen, Unwetter zunehmen, der Meeresspiegel ansteigt. Auch, dass der Mensch daran wahrscheinlich nicht unschuldig ist, hören wir heute nicht zum ersten Mal. Doch die Wissenschaftler sind sich so sicher wie nie zuvor, dass das auch stimmt.

Mit unserer Lebensweise, dem Energiehunger der aufstrebenden Entwicklungs- und Schwellenländer, setzen wir das Wichtigste aufs Spiel, das wir haben: eine intakte Umwelt, in der wir gesund leben können.

Die gute Nachricht ist: Es ist noch nicht zu spät. Das Ziel, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, ist nach Einschätzung der Experten erreichbar. Die unbequeme Nachricht ist: Dafür ist viel zu tun.

Energiesparen ist das oberste Gebot. In den Industriestaaten sind dabei alle gefragt. So banal es klingt, jede und jeder kann statt mit dem Auto oft auch mit dem Fahrrad oder dem Bus fahren. Oder die Heizung nicht ganz so weit aufdrehen. Die Industrie ist gleich mehrfach gefragt. Sie muss ihre eigene Produktion energiesparend gestalten und energieeffiziente Technologien entwickeln. Sei es für Elektroautos, Heizungen oder die Energieproduktion.

Dass das geht, hat gerade Deutschland eindrucksvoll demonstriert. In der ganzen Welt kann heute so günstig wie kaum je erwartet Solarstrom erzeugt werden, weil Deutschland sich getraut hat, auf Erneuerbare Energien zu setzen und dafür auch Geld in die Hand zu nehmen.

Der Bericht der Klimaexperten ist ein Beleg dafür, dass die Energiewende richtig ist. Am Umbau der Energieversorgung weg von fossilen Energieträgern hin zu regenerativen führt auch aus Sicht der Wissenschaftler kein Weg vorbei. Deutschland kann − und will es ja auch − Vorbild sein. Das Interesse weltweit ist groß. Überall wird aufmerksam verfolgt, ob der Umstieg gelingt. Und zu welchem Preis.

Blick über den Tellerrand

Es ist richtig, dass die Bundesregierung das Erneuerbare-Energien-Gesetz überarbeitet. Fast ein Viertel des Stroms stammt inzwischen aus regenerativen Quellen. Da müssen die Rahmenbedingungen angepasst werden. Richtig ist auch, die energieintensive Industrie, wenn sie denn tatsächlich im internationalen Wettbewerb steht, nicht ganz so stark zu belasten. Aber man sollte auch nicht das Engagement derer bremsen, die die Energiewende vorantreiben. Warum muss auf selbst produzierten Strom in einer Aluhütte keine Ökostromumlage gezahlt werden, auf den aus einer Photovoltaikanlage aber sehr wohl? Investoren wird das sicher nicht für neue Wind- oder Solaranlagen begeistern.

Ganz wichtig ist aber auch der Blick über den eigenen Tellerrand. Es ist sehr gut nachvollziehbar, dass die Menschen in den Schwellen- und Entwicklungsländern nicht auf das verzichten wollen, was für Industrienationen seit Jahrzehnten selbstverständlich ist. Doch es gibt die Chance, hier von vornherein auf kohlenstoffarme Technologien zu setzen. Dabei müssen die reichen Staaten den ärmeren unter die Arme greifen. Denn letztendlich profitieren alle davon.

Die Technologien sind vorhanden oder können entwickelt werden. Geld kann auch kein wirkliches Hindernis sein. Denn erstens kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass es so teuer gar nicht werden würde – das Wirtschaftswachstum würde nur unwesentlich geringer ausfallen als ohne Klimaschutzmaßnahmen. Und zweitens würde Nichtstun deutlich teurer werden. Doch das ist ohnehin keine wirkliche Option. Die Handlungsmöglichkeiten liegen auf dem Tisch. Nötig sind jetzt Einsicht und guter Wille auf allen Seiten.

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