Freitag, 20.09.2019
 

Kulturnachrichten

Donnerstag, 12. September 2019

Entwarnung bei Bleibelastung um Notre Dame

Einen Monat nachdem rund um Notre Dame mit der Entfernung von Bleirückständen begonnen worden ist, hat die Gesundheitsbehörde eine erste Entwarnung gegeben: Nur bei zwei von 750 Schulkindern aus dem Umfeld der Pariser Kathedrale sei im Blut ein erhöhter Bleiwert festgestellt worden, so der Chef des zuständigen Regionalamtes, Rousseau. Mehrheitlich läge die Bleibelastung "geringfügig unter dem nationalen Durchschnitt". Trotzdem sei jede Probe mit über 50 Mikrogramm Blei pro Liter Blut eine Probe zu viel. Bei dem Brand im April waren das Dach und der Spitzturm des gotischen Gotteshauses zerstört und hunderte Tonnen hochgiftiges Blei geschmolzen.

Press Freedom Award vergeben

Die saudi-arabische Bloggerin und Journalistin Eman al-Nafjan ist mit dem Press Freedom Award von Reporter ohne Grenzen ausgezeichnet worden. Die Organisation würdigte damit den Mut der Journalistin. Sie hatte sich für Frauenrechte in ihrem Land eingesetzt, kam daraufhin zwischenzeitlich in Haft und darf Saudi-Arabien nicht verlassen. Einen Preis für unabhängigen Journalismus erhielt die Malteserin Caroline Muscat. Sie gründete nach dem Mord an ihrer Kollegin Daphne Caruana Galizia 2017 die unabhängige Investigativ-Website "The Shift News". Den Press Freedom Award für besonders wirkungsvollen Journalismus erhielt Pham Doan Trang aus Vietnam. Sie setzt sich für Bürger- und Minderheitenrechte in ihrem Land ein. Dafür wurde die Journalistin, Bloggerin und Autorin bereits mehrfach verhaftet. In diesem Jahr wurden die Press Freedom Awards erstmals in Berlin verliehen. Anlass war das 25-jährige Bestehen der deutschen Sektion von Reporter ohne Grenzen.

Preis der Nationalgalerie für Pauline Curnier Jardin

Die aus Marseille stammende Künstlerin Pauline Curnier Jardin erhält in diesem Jahr den Preis der Nationalgalerie Berlin. Die einstimmige Entscheidung der Jury wurde in Berlin vom Direktor der Nationalgalerie, Udo Kittelmann, bekannt gegeben. Die 1980 geborene Curnier Jardin lebt in Berlin. Bei ihren Arbeiten bedient sie sich mit begehbaren Installationen der Mittel des Kinos und Theaters und verbindet sie mit ihren Skulpturen. Der Preis der Nationalgalerie Berlin wird an Künstler unter 40 Jahren vergeben, die in Deutschland leben. Ausgezeichnet werden die Preisträger mit einer Einzelausstellung in einem der Häuser der Nationalgalerie. Dazu erscheint auch eine Publikation.

Freispruch für Ex-Mitglieder von "Cumhuriyet"

Eine Kammer des obersten türkischen Berufungsgerichts hat im prominenten Verfahren gegen Ex-Mitarbeiter der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet" den Freispruch für fast alle Betroffenen angeordnet. Fünf von ihnen, die bereits im Gefängnis saßen, sollen freikommen. Das sollte noch am Abend geschehen, sagte der Anwalt Abbas Yalcin. Der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge unterliegen die fünf - unter ihnen der bekannte Karikaturist Musa Kart - künftig aber einer Ausreisesperre. In dem auch international verfolgten Fall waren im April 2018 insgesamt 13 Ex-Mitarbeiter der "Cumhuriyet" zu teilweise mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Als Beweise dienten vor allem Artikel aus der "Cumhuriyet".

Weltgrößte Domorgel in Passau wird generalüberholt

Die letzte Instandsetzung liegt fast 40 Jahre zurück. Deshalb wird die Passauer Domorgel komplett auf Vordermann gebracht. Um die 17.974 Pfeifen, 229 Register, vier Glockenspiele und die klanglichen Besonderheiten von Materialermüdung, Staub und Schimmel zu befreien, sind fünf Jahre eingeplant - berichtet das "Passauer Bistumsblatt". Deshalb werde die mit einer zehn Meter hohen Pfeife weltgrößte Domorgel eingeschränkt, aber zu den gewohnten Zeiten in Sankt Stephan zu hören sein.

Roberto Ciulli erhält für sein Lebenswerk einen "Faust"

Für sein "Schaffen mit großen europäischen Stoffen und seine Sympathie für Schwache und Unterdrückte" wird der italienische Theatermacher Roberto Ciulli am 9. November mit dem "Faust"-Theaterpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Der 85-Jährige Mailänder, der 1965 in Deutschland promoviert wurde, leitete in den 70er Jahren das Schauspiel Köln und gehörte 1980 zu den Mitbegründern des freien "Theater an der Ruhr". Zu den Nominierten für den "Faust" 2019 in acht weiteren Kategorien gehören die Regisseurinnen und Regisseure Kathrin Mädler, Jan Neumann und Helge Schmidt, die Schauspieler Maja Beckmann, Jochen Busse und Katherina Sattler sowie die Sängerinnen Olesya Golovneva, Johannes Martin Kränzle und Anna Princeva.

Deutscher Lesepreis 2019 geht an Nazan Eckes

Die Fernsehmoderatorin Nazan Eckes erhält den Deutschen Lesepreis 2019. Als Botschafterin setze sich die 43-jährige seit vielen Jahren für das Vorlesen ein, sagte der Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, Jörg F. Haas. Die RTL-Journalistin zeige jungen Eltern, dass sich die gemeinsame Geschichtenzeit lohne. Nicht nur für die Kinder, sondern auch für die übrige Familie. Der Deutsche Lesepreis wird seit 2013 von der Stiftung Lesen und der Commerzbank-Stiftung vergeben. Er ist mit 25.000 Euro dotiert und wird am 6. November in Berlin verliehen.

Von der Heydt-Museum sucht weiter neue Führung

Weil die Suche nach einem neuen Direktor für das Wuppertaler Von der Heydt-Museum bislang erfolglos geblieben ist, setzt das Haus jetzt auf drei namhafte Experten in einem Beratergremium: Die Stuttgarter Museumsdirektorin Ulrike Groß, den Kunsthistoriker Felix Krämer und den Bildhauer Tony Cragg. Man hoffe, schreibt das Museum, auf deren Netzwerk, um einen geeigneten Nachfolger für Gerhard Finckh zu finden, der im Frühjahr in Pension gegangen war. Besonders schwierig sei das Auswahlverfahren, heißt es. Denn ein Neuzugang müsse sowohl als Geschäftsführer der Von der Heydt gGmbH als auch als Museumsdirektor geeignet sein.

Dämpfer für deutsche Verlage im Streit mit Google

Das deutsche Leistungsschutzrecht ist für das Internet nicht anwendbar. Das hat der Europäische Gerichtshof entschieden. Der juristische Streit wird zwischen Verlagen und Google über die Veröffentlichung von Texten ausgetragen. Der EuGH begründete, dass die vor sechs Jahren in der Bundesrepublik eingeführten Regelungen nicht vorher bei der EU-Kommission angezeigt wurden. Das Leistungsschutzrecht verbietet es Suchmaschinen in Deutschland, Texte auch nur teilweise ohne Zustimmung oder Vergütung zugänglich zu machen. Der US-Konzern argumentiert gegen eine Zahlung, dass durch die Anzeige der mit den Ursprungsseiten verlinkten Nachrichtentexte Nutzer auf die Internetseiten der Verlage gelotst würden. Seit Juni ist ein europäisches Urheber- und Leistungsschutzrecht in Kraft, das Deutschland bis 2021 in nationales Recht umsetzen muss.

Kritik Kulturschaffender an EU-Kommission hält an

Dass keines der von der designierten Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, vorgestellten EU-Kommissariate im Titel für die Kultur verantwortlich zeichnet, wird weiter kritisiert. Nach dem Deutschen Kulturrat bemängeln auch der Deutsche Musikrat und der Deutsche Bühnenverein, dass die zukünftig für die Kulturförderung zuständige Generaldirektion lediglich "Innovation und Jugend" heißen soll. Der Generalsekretär des Deutschen Musikrates, Christian Höppner, fordert deshalb auch das Europäische Parlament auf, der Kultur in der Kommission einen stärkere Rolle zuzuweisen. Die Europäische Union sei angesichts auseinanderdriftender Gesellschaften mehr denn je darauf angewiesen, sich als Wertegemeinschaft zu verstehen, so Höppner. Dass es "erstmals seit 1999 keinen Kommissionsposten für Kultur und Bildung geben" soll, verstärkt für den Geschäftsführenden Direktor des Deutschen Bühnenvereins, Marc Grandmontagne, den Eindruck der Marginalisierung der Kultur. Die neue EU-Kommission soll am 1. November ihre Arbeit aufnehmen.

Daniel Johnston mit 58 Jahren gestorben

Der US-amerikanische Musiker und Künstler Daniel Johnston ist tot. Er starb in seinem Haus in der Nähe von Houston eines natürlichen Todes, teilte seine Familie mit. Schon als Jugendlicher zeichnete er Comics. Aufmerksamkeit erhielten seine "Eyeball"-Kreaturen nicht zuletzt, weil er sie im öffentlichen Raum platzierte. Seine selbst aufgenommene Musik schaffte es 1985 bis zum Musiksender MTV. Sonic Youth, Tom Waits und Nirvana-Sänger Kurt Cobain unterstützten den Künstler, der sich immer wieder den klassischen Rollenbildern entzog. 2005 setzte ihm der Dokumentarfilmer Jeff Feuerzeig mit "The Devil and Daniel Johnston" ein Denkmal. Johnston wurde 58 Jahre alt.

Christian Watty neuer Chef der Euro-Scene

Aus dem Künstlerischen Beirat rückt er an die Spitze des Leipziger Euro-Scene-Festivals: Der Düsseldorfer Christian Watty. 2021 übernimmt der 51-Jährige die künstlerische Leitung. Er löst Ann-Elisabeth Wolff ab, die das Tanz- und Theater-Festival seit seiner Gründung 1991 leitet. Watty arbeitet seit 2004 als Berater für die Tanzmesse NRW, für das Kultursekretariat in Wuppertal sowie für Theater und Festivals in Frankreich und Deutschland.

Immer weniger Menschen gehen in die Kirchen

Der Kirchgang gehört immer seltener zum Alltag. Das ist ein Ergebnis des "Freizeit-Monitors" der Stiftung für Zukunftsfragen des Tabakherstellers British American Tobacco (BAT). 2014 gingen demnach 15 der Christen mindestens einmal im Monat zum Gottesdienst. 2007 waren es noch 21 Prozent. Besonders selten gehen die 18- bis 24-Jährigen in die christlichen Gotteshäuser. Der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Ulrich Reinhardt, sagte zur Begründung, der Kirchgang stehe einerseits in Konkurrenz zu anderen Freizeitbeschäftigungen. Andererseits manifestiere sich im Rückgang der Vertrauensverlutz durch Missbrauchsfälle. Dennoch bleibe die Bedeutung von Religion "gerade in gefühlt unsicheren Zeiten" hoch.

Berliner Literaturfestival mit Kolonialismus-Rede eröffnet

Die 19. Ausgabe des Literaturfests in Berlin hat die Schriftstellerin und Aktivistin Petina Gappah aus Simbabwe eröffnet. In ihrer politischen Rede schlug die 48-Jährige einen Bogen von der mündlichen Erzähltradition in ihrer Heimat zur Kolonialisierung. In der deutschen Hauptstadt, so Gappah, habe die sogenannte "Kongokonferenz" 1884 verfügt, dass sie Englisch sprechen würde. "In dieser Stadt begann die Geschichte der modernen afrikanischen Staaten auf Grundlage von Grenzziehungen durch eine Handvoll Männer in Hofkleidung, die wie Kinder bei einer Partie Risiko um einen Tisch saßen und einen Kontinent unter sich aufteilten.“ Gappah resümierte, dass Deutschland zwar sehr kurz Kolonialmacht auf dem afrikanischen Kontinent gewesen ist, aber auch dies habe Spuren hinterlassen: „Ihre Geschichte, die Geschichte Europas, ist unsere afrikanische Gegenwart", sagte die Schriftstellerin. "Die größten Schäden verursachte der Kolonialismus mit dem binären Gegensatz, zwischen dem Selbst und dem Anderen, zwischen Weiß und Schwarz, Gut und Böse, Höherwertig und Minderwertig“, den er erzeugt habe. Sie setze auf die politische Kraft der Literatur.

Rekonstruierter da Vinci-Löwe in Paris

Eine Rekonstruktion des berühmten mechanischen Löwen von Leonardo da Vinci ist bis Oktober in der französischen Hauptstadt zu sehen. Experten aus Italien haben das zwei Meter große Tier aus Holz, das durch einen Metall-Mechanismus in Bewegung versetzt werden kann, mit Hilfe von Skizzen und Notizen nachgebaut. Da Vinci hatte 1515 es im Auftrag von Papst Leo X. für den damaligen französischen König entworfen. Seine letzten drei Lebensjahre hatte der Italiener in Frankreich verbracht und war vor 500 Jahren an der Loire gestorben.

Oldenburger Filmfest mit Plummer und Driest

Filmschaffende aus Deutschland und anderen Ländern sind gestern zur Eröffnung des Internationalen Filmfestes in Oldenburg gekommen. Auf dem Roten Teppich zeigte sich unter anderem die US-Schauspielerin Amanda Plummer, die am Freitag einen Stern auf dem Oldenburger Walk of Fame bekommen soll. Der 80-jährige Autor, Filmemacher und Schauspieler Burkhard Driest wird mit einer Hommage geehrt. Bis Sonntag werden im Rahmen des Festivals rund 50 Filme an verschiedenen Orten in Oldenburg gezeigt. Dazu gehört, wie in den Vorjahren, die Justizvollzugsanstalt. Mit dem Filmfest wollen die Veranstalter nach eigenen Angaben visionären Filmemachern eine Plattform geben und die Kreativität der Künstler hervorheben. Der Schwerpunkt liegt auf dem Segment Independent Film.

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