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Interview | Beitrag vom 11.02.2019

EnergiepolitikGas ist das neue Öl

Kirsten Westphal im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Verlegung von Rohren für die Gaspipeline Nord Stream 2. (dpa-Bildfunk / Bernd Wüstneck)
Gas wird immer wichtiger: Rohre für die Pipeline Nordstream 2. (dpa-Bildfunk / Bernd Wüstneck)

Die Debatte um die Pipeline Nord Stream 2 zeigt, wie stark Gaslieferungen mit geopolitischen Interessen verknüpft sind. Am Energiemarkt spielt Erdgas inzwischen sogar eine wichtigere Rolle als Erdöl, sagt Kirsten Westphal von der Stiftung Wissenschaft und Politik.

Fast hätte ein Streit innerhalb der EU das Aus für die Gaspipeline Nord Stream 2 bedeutet. Nun haben sich die EU-Staaten zwar auf einen Kompromiss geeinigt und wollen den europäischen Gasmarkt reformieren - grundsätzliche Fragen bleiben aber offen. Inwieweit bestimmt der Handel mit Erdgas - so wie früher das Erdöl - die Geopolitik? Ist Gas inzwischen wichtiger als Öl?

Erdgas ist ein flexibler Energieträger

Ja, sagt Kisten Westphal, die sich bei der Stiftung Wissenschaft und Politik mit globalen Fragen der Energiepolitik beschäftigt. Erdgas spiele eine immer größere Rolle, weil es zahlreiche Anwendungen dafür gebe - von der Verstromung über den Wärme- bis zum Transportsektor.

Der Gaspreis koppele sich zunehmend vom Ölpreis ab, sagte Westphal im Deutschlandfunk Kultur: "Grund ist tatsächlich das sehr gute Angebot an verflüssigtem Erdgas, das zum Großteil gefracktes Gas aus den USA ist."

Traditionell sei aber aber auch Quatar ein großer Anbieter, im asiatisch-pazifischen Raum spiele zudem Australien eine große Rolle. "Da haben wir mehrere Welle gesehen von verflüssigtem Erdgas, das auf die Märkte kommt und den Gasmarkt in Europa revolutioniert hat."

Russisches Gas lässt sich ersetzen

Eine mögliche Gas-Abhängigkeit von Russland befürchtet Westphal nicht: "Wenn wir nach Deutschland gucken, haben wir so viele flexible Optionen, von woanders Erdgas zu beziehen, das es eigentlich nur eine Rechengröße ist."

Russisches Erdgas lasse sich grundsätzlich ersetzen, sei gleichwohl aber noch immer die günstigste Option, weshalb Gazprom auch Rekordmengen nach Europa liefere: "Wir haben zwar diese ganze geopolitisch aufgeladene Debatte um das russische Erdgas, aber die Märkte zeigen eine ganz andere Realität", berichtete die Expertin.

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