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Interview | Beitrag vom 17.09.2019

Ende einer VerschwörungstheorieBielefeld gibt es doch!

Martin Knabenreich im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Ortsschild von Bielefeld (dpa / Christian Ohde)
Gibt's ja doch: Bielefeld. (dpa / Christian Ohde)

Eine Million Euro für den Beweis ihrer eigenen Nicht-Existenz hatte die Stadt Bielefeld ausgelobt und damit humoristisch die Bielefeld-Verschwörung aufs Korn genommen. Und mangels Beweisen steht jetzt fest: Die Stadt gibt es wirklich.

Seit 25 Jahren wabert die Bielefeld-Verschwörungstheorie durchs Netz, die eigentlich als Gag gemeint war. Kern dieser Theorie: Bielefeld gibt es gar nicht - wer das Gegenteil behauptet, sei Teil der Verschwörung. Die Stadt hat den Spieß umgedreht und nutzte die Verschwörung als cleveres Stadtmarketing: Eine Million Euro winkten all jenen, die beweisen konnten, dass es Bielefeld nicht gibt.

Mehr als 2000 Einsendungen aus aller Welt hätten sie erhalten, erzählt Martin Knabenreich, Geschäftsführer von Bielefeld Marketing. Die Resonanz sei überwältigend, denn ursprünglich sei es nur als kleiner Marketing-Gag geplant gewesen.

Bielefeld - einfach wegprogrammieren

Die Einsendungen reichten von Comics aus Usbekistan über Versuche aus dem Silicon Valley, "Bielefeld einfach wegzuprogrammieren", hin zu mathematischen Ansätze oder Schrödingers Katze. Man habe sich mit allen Beweisen ernsthaft auseinandergesetzt, sagt Knabenreich. "Wir hatten eine Menge Spaß dabei."

Das Ergebnis des Wettbewerbs: Bielefeld existiert! "Wir haben keinen Beweis für die Nicht-Existenz bekommen, ergo folgern wir daraus, dass es uns gibt."

Bielefeld-Verschwörung erhält Gedenkstein

Die Bielefeld-Verschwörung sei damit offiziell widerlegt. Ein anderer Nebeneffekt war: Die Bielefelder, die sonst sehr genervt waren von der Bielefeld-Verschwörung, sind durch den Wettbewerb eher geeint worden, meint Knabenreich, ein neues Gemeinschaftsgefühl sei entstanden.

Achim Held (l) aus Kiel, "Schöpfer" der "Bielefeld-Verschwörung, und Martin Knabenreich (r), Geschäftsführer Bielefeld Marketing, präsentieren den 600 Kilo schweren Findling als Denkmal für die Bielefeld-Verschwörung. (dpa / Picture alliance / David Inderlied)Achim Held (l) aus Kiel, "Schöpfer" der "Bielefeld-Verschwörung, und Martin Knabenreich (r), Geschäftsführer Bielefeld Marketing, präsentieren den 600 Kilo schweren Findling als Denkmal für die Bielefeld-Verschwörung. (dpa / Picture alliance / David Inderlied)

Außerdem war die Aktion aus Marketing-Sicht extrem erfolgreich, denn Medien überall auf der Welt berichteten über den Wettbewerb, in den Sozialen Medien trendete der Hashtag #Bielefeldmillion. Nach Ende des Wettbewerbs hat die Stadt Bielefeld jetzt zusammen mit dem Erfinder der Verschwörung, Achim Held, einen Gedenkstein enthüllt, der an die 25 Jahre der Bielefeld-Verschwörung erinnert.

(abu)

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