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Kompressor | Beitrag vom 07.11.2019

Emmerichs "Midway"Pearl Harbor als Propagandafilm

Jörg Taszman im Gespräch mit Gesa Ufer

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Filmausschnitt aus Roland Emmerichs "Midway": Nick Jonas als US-Soldat Bruno Gaido. (imago / Zuma press / Lionsgate)
Soldaten, die sich nichts sehnlicher wünschen, als für ihr Vaterland zu sterben: in Roland Emmerichs "Midway" (imago / Zuma press / Lionsgate)

Mit vielen Explosionen und Spezialeffekten inszeniert Regisseur Roland Emmerich in „Midway“ den Angriff auf Pearl Harbor. Ein konventioneller, reaktionärer Propaganda- und Machofilm über „echte“ amerikanische Helden, meint Filmkritiker Jörg Taszman.

Der Schwabe Roland Emmerich galt jahrzehntelang zusammen mit Wolfgang Petersen als unser Mann in Hollywood. Dabei schien Emmerich auf Weltuntergangs- und Actionfilme abonniert. Zu seinen größten Erfolgen gehören "Independence Day" und "The Day After Tomorrow". Nun kommt sein Kriegsfilm "Midway" in die Kinos.

Der Film beginnt mit dem Überfall der Japaner auf Pearl Harbor und gipfelt in der weniger bekannten, aber kriegsentscheidenden Schlacht von Midway – und auch diesmal hat Emmerich nicht an Explosionen, untergehenden Schiffen und abgeschossenen Flugzeugen gespart.

Jeder will sein Leben opfern

"Er inszeniert Pearl Harbor als absolutes Untergangsszenario für die Amerikaner", sagt Filmkritiker Jörg Taszman. Der Film sei dabei "wahnsinnig konventionell", sogar reaktionär. "Hier trifft man die wahren Kerle, die echten ‚American Heroes‘ und all das ist wahnsinnig patriotisch. Jeder will sein Leben opfern." Im Mittelpunkt des Films stehen Bomberpiloten, die den Japanern eigentlich unterlegen sind, aber dann heldenhaft über sich hinauswachsen.

In den Rollen nur weiße Männer – Haudegen wie Woody Harrelson oder Dennis Quaid. Afroamerikaner suchen die Zuschauer unter den US-Soldaten vergeblich. Auch die "braven Ehefrauen" bleiben in dem Film im Hintergrund, reichen ihren erschöpften Männern Essen und Trinken.

Ein langweiliger Macho-Film

"Es ist ein langweiliger Macho-Film über Alpha-Tiere", meint Taszman. "Ein Propagandawerk." Auch die Spezialeffekte inklusive Explosionen, Feuersbrünsten, untergehenden Schiffen und Flugzeugen – ein optischer Overkill – können da nicht mehr helfen: "Midway" von Roland Emmerich: "einfach nur öde und ärgerlich".

(lkn)

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