Montag, 17.05.2021
 

Kompressor | Beitrag vom 17.03.2021

Elliot Page auf dem "Time"-Magazin"Das gibt trans Menschen Mut"

Mara Geri im Gespräch mit Max Oppel

Elliot Page auf dem Cover des Time Magazine. (Montage: Deutschlandradio)
Ab Freitag im Handel: Das "Time"-Magazin mit dem kanadischen Schauspieler Elliot Page auf der Titelseite. (Montage: Deutschlandradio)

Schauspieler Elliot Page ist als erster trans Mann auf dem Cover des US-amerikanischen "Time"-Magazins. Für Mara Geri, Landesvorsitzende der SPD Queer Berlin, ist das ein starkes gesellschaftlichen Zeichen, das der Community Kraft gebe.

Auf dem Titel des "Time"-Magazins zu erscheinen, das ist immer noch so etwas wie ein Ritterschlag. Aktuell ist der kanadische Schauspieler Elliot Page als erster trans Mann dort abgebildet – und das ist dann eben tatsächlich keine Kleinigkeit. 2007 war Page mit dem Film "Juno" berühmt geworden, jetzt blickt er ein wenig sorgenvoll auf dem "Time"-Titel – für ein riesiges Publikum, ab Freitag ist das Heft im Handel. Wir haben darüber mit Mara Geri gesprochen, Landesvorsitzende der SPD Queer Berlin und selbst trans Frau.

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Für Mara Geri ist das "ein ganz, ganz starkes Zeichen". Sie freue sich über das aktuelle Cover und sehe es als positiven gesellschaftlichen Schritt, "weil es die Sichtbarkeit von trans Menschen steigert, was dringend notwendig ist". Gerade bei trans Männern gebe es diesbezüglich noch Nachholbedarf, denn nach Mara Geris Wahrnehmung seien trans Männer bisher nicht so sichtbar wie trans Frauen.

Gesellschaftliche Akzeptanz

So war Schauspielerin Laverne Cox als trans Frau bereits 2014 auf dem Cover des "Time"-Magazins. "Es gibt eben nicht nur trans Frauen, sondern auch trans Männer und beide sind gleichberechtigt in der trans Community." Die unterschiedliche Wahrnehmung von trans Frauen und trans Männern in der Öffentlichkeit könne auch damit zusammenhängen, dass mehr trans Männer versuchen würden, "unter dem Radar durchzufliegen" und ihr trans-Sein nicht zum Thema machen würden, erklärt Mara Geri.

Schauspielerin Laverne Cox bei der Time 100 Gala im April 2015 in New York. Eine Frau mit langen Haaren und in einem Abendkleid vor einer Werbewand. (imago images/Future Image/D. Van Tine)Schauspielerin Laverne Cox bei der Time 100 Gala im April 2015 in New York. (imago images/Future Image/D. Van Tine)
Aber, gibt sie zu bedenken, in der Außenwahrnehmung würden es trans Männer in der Gesellschaft auch einfacher haben. Sich eine Hose als trans Mann anzuziehen, sei etwas leichter. Auch die Geschlechtsangleichung von einer Frau zu einem Mann sei in der Gesellschaft mehr akzeptiert, so Mara Geri. "Eine trans Frau, die anfängt, als Frau zu leben mit High Heels und Minirock, überspitzt formuliert, ist anderes sichtbar und wird auch anders wahrgenommen."

Angst vor Ablehnung und negative Konsequenzen

Elliot Page spricht im Interview mit dem "Time"-Magazin auch von Ängsten und Sorgen, die er als trans Mann hat. Mara Geri könne diese Bedenken nachvollziehen, denn ein Outing sei für jede trans Person sehr schwierig und ein einschneidendes Erlebnis. Man stehe in der Öffentlichkeit und man wisse nicht, welche Reaktionen kommen würden. Es könnten Ablehnung und negative Konsequenzen im Freundeskreis und Beruf folgen.

"Einerseits ist das Outing eine Erleichterung, andererseits ist es auch immer eine Reise ins Ungewisse, weil man nie weiß, was genau auf einen zukommt in diesem Moment."

"Elliot Page ist jetzt ein tolles Vorbild"

Mit der Transition würden viele trans Personen auch mit dem alten Leben abschließen, sagt Mara Geri. "Weil es nicht ihr Leben war, es war nicht ihr Körper. Sie möchten damit einfach nicht mehr in Verbindung gebracht werden. Da ist natürlich der Name ein entscheidendes Merkmal, den sie einfach nicht mehr nutzen möchten, und auch nicht mehr darauf angesprochen werden möchten."
Elliot Page gehe mit der ganzen Thematik allerdings etwas anders und offensiver um. So sind in Absprache mit ihm auch Kinderfotos im "Time"-Magazin veröffentlicht worden. Mara Geri selbst zeigt auf ihrem Instagram-Account ebenfalls Fotos von ihrem alten Ich, daher können sie diesen Schritt nachvollziehen. So könne das alte Leben auch eine Brücke zum neuen Leben schlagen und könne so auch anderen zeigen, was möglich sei.

"Welche Reise man machen kann und welche Reise man machen muss! Aber das es machbar ist. Und da ist Elliot Page jetzt ein tolles Vorbild." Mit diesem Weg könne er anderen trans Menschen viel Kraft und Mut machen.

(jde)

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